Band 
Achter Band. O bis Q.
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Ode

und Überspannung zeigen das fruchtlose Bestreben des Dichters, sie zu vergrößern.Wo aber dieGegenst.mde erhaben sind, und das Gefühl des Dichters nicht mir ih-nen gleichen Schritt hält, sodaß der Ausdruck unedel und ohne idealische Erhebungist, da fällt das Unvermögen des Dichters noch deutlicher ins Auge. Daher läßtsieb auch durch Nachahmung äußerer Forme» und durch die bloße Vernachläftigungeines planmäßige» GedankcnzusammenhangS Das nicht hervorbringen, was manoft die lrnsche Unordnung fälschlich genannt bat; denn es ist an sich nichts Nega-tives, sondern vielmehr der tiefer verborgene Gesuhlszusammenhang, welcher ohneTiefe des Gefühls nicht hervorgebracht und durch äußere Nachahmung nicht erwor-ben werden kann. Der Ode Flug, sagt Schreiber mit Recht, ist kühn und rasch,aber nur dem blinde» Auge regellos, welches die schwindelnde Bahn der Begeiste-rung nicht zu verfolge» vermag. Die sogenannten lyrische» Sprünge sind nichtsweniger als „ülstiu-m zxx-t,',,;". Die Ode darf aber auch nicht als ein

Werk der kalten Berechnung und künstlicher Zusammensetzung erscheinen, auchder Dichter muß nicht scheinen, als wolle er seinem Gegenstände erst ei» bcberesIntereffe abgewinne» und suche sich für denselben zu begeistern; wir mufft', i viel-mehr in jeder echten Ode sehen, wie der Dichter von seinem Gegenstände wirklichbegeistert wird. Das Gefühl entwickele sich vor dem Leser oder Hörer, steige nichtallniälig, wie im Liede, sondern rasch und feurig bis zu einem hohen Grade, undlaufe voll kräftiger Übergänge in die verwandten Empfindungen, durch welche zu-gleich die verschiedenen Seiten des besungenen Gegenstandes hervortreten, harmo-nisch in sich selbst zurück. Da aber das starkbewegte Gefühl nur eine fluchtigeDauer hat, so ist Kürze, Fülle und Gedrungenheit sowol im Ganzen als in demeinzelnen Ausdrucke ein Haupterfoderniß der Ode, wenn sie nicht ermatten und ab-spannen soll. Weitschweifigkeit ist ihrem Charakter ganz zuwider. Daß daherauch jene Deutlichkeit des Gedankenzusammenhangs und jene Klarheit und Aus-führung der Bilder nicht stattfinden könne, welche in andern, selbst lvrischenGedichten verlangt wird, liegt am Tage. Darum ist aber Dunkelheit der Redekein Erfoderniß der Ode, welches der Dichter bezwecken müßte. Auch gibt eseinen Grad des Affecis, welcher die Besonnenheit und Herrschaft des Geistes ganzaufhebt, welche jede poetische Darstellung, ja die Bildung jedes Kunstwerks fe-dert; bei einem solchen Grade des Gefühls wird eine Dunkelheit erzeugt, di, allemwahren Kunstgenüsse widerspricht und die Vollendung der poetischen Form unmög-lich macht. Was aber die Bilder in der Ode betrifft, so ist z. B. das Gleichnißwegen der ruhigen Überlegung, welche die Ausführung desselben verlangt, ihremCharakter in eben dem Maße widersprechend, als die Metapher und jedes flüchtige,aber starke, neue und überraschende Bild demselben vorzüglich entsprechend ist.Bouterwek setzt die Ode dem Liede, wie Itealpoesie der Naturpoesie gegenüber.„Eine Ode", sagt er, „ist durchaus kein populaires Gedicht. Kühne, in das In-nerste der Natur und des Geistes eingreifende Gedanken geben der Ode den höch-sten lvrischen Schwung, wenn diese Gedanke» wie Anschauungen ihre Wahrheitunmittelbar in sich selbst tragen". Obgleich nun die Ode überall die höhere gei-stige Bildung eines Volks und eine Masse verbreiteter Ideen vorausseht, so möch-ten wir doch keineswegs die Anspielung auf Kenntnifft, deren Inbegriff Gelehr-samkeit heißt, zu den Vorzügen der Ode rechnen, weil dadurch die poetische Selb-ständigkeit des Gedichts unfehlbar leidet. Man hat die Ode nach den verschiede-nen Gegenständen derselben verschieden eingetheilt. Der höchste Gegenstand istdie Gottheit, und was als Bild derselben angesehen oder mit religiöser Erhebunggefeiert wird. Die höchste Gattung der Ode in dieser Beziehung ist die der reli-glösen Ode oder des Hymnus, sofern er nicht episch ist. Hieher gehören vielehebr. Psalmen voll Größe und Erhabenheit, das sogenannte Lied Mosis und derTebora (s. Hymnus); unter den griechischen einige Oden des Pindar , der Hym-