Opposition 12
Minister und die des Volks mit einander durch Rede und Gegenrede über allesÖffentliche um den Besitz der öffentlichen Meinung. Aber die sichere Grundlageder gesetzlichen Freiheit, die Constitution, befestigt in der Mitte das Zünglein desGleichgewichts. Die Opposition ist so alt als die Constitution selbst. Kein ver-nünftiger Engländer wird und kann wünschen, daß keine Opposition mehr seinmöchte, denn ohne sie würde die Verfassung bald zu Grunde gehen, und wenn auchnicht in eine unumschränkte Monarchie, doch nach und nach gewiß in eine verhaßteAristokratie ausarten. Die Opposition ist ein Spiegel für den König, der ihm ün-mer sagt, daß er nur die Macht besitzt, durch Vernunftgründe das Volk zu bewe-gen, in die neuen Gesehgebungsvorschläge der Regierung sich zu fügen; sie isteine fortwährende Warnung für die Minister, aufmerksam des Staates Wohl;fahrt zu beachten und ihre Gewalt nicht zu mißbrauchen. Der Minister weiß, daßdie Opposition über ihn Beschwerde führen, seine Anklage verlangen und durchdie Macht ihrer Gegenrede ihm die Stimmenmehrheit entreißen kaun, ohne welcheer nicht zu regieren im Stande ist. (S. No rth.) Durch die Opposition wird dasUnterhaus der Wächter für die Rechte des Volks (;. B. für die Habeas-Cor-pus-Acte), und in diesem Sinne hieß Fop, auch wenn er irrte, derMann desVolks. Denn wer wird glauben, daß die Opposition stets Recht habe? Beide Par-teien widersprechen sich und feinden sich an, oft aus unedeln Beweggründe»; dochdie Wahrheit liegt in der Mitte der Prüfung. Durch die Reibung selbst werdenRedner und Staatsmänner erzeugt, geschärft, unterrichtet und thätig; ohne dieOpposition würden Geist und Kraft erschlaffen, der Mißbrauch noch mehr alsbisher Wurzel fassen, und die Willkür den «ieg davontragen. Wenn auch dieOpposition Privatzwecke im Auge hat und in ihrer Politik alle Volkskünste auf-bietet, wie das Ministerium die Hofkünste, so urtheilt doch der unbefangene Theildes Volks über beide und erkennt das Rechte. Dies geschah z. D. unter Wal-pole'S Ministerium, unter Pitt u. A. Die Opposition rief unaufhörlich, Ver-fassung und Freiheit seien in Gefahr, und das Volk erklärte sich für die Minister.Oft trennen sich die Mitglieder der Opposition in ihren Ansichten (s. Burke undFop), wie die des Ministeriums, und es entsteht eine dritte Partei, Dies warder Fall in Ansehung der ParlamentSreform, der jährlichen Parlamentswahlen,der Emancipation der Katholiken u. s. w. Man erinnere sich an die Namen Bür-de«, Grattan, Sheridan, Grenville, Ponsonby, Whübread, Tnernev, Canningu. A. Unter den Mitgliedern der britischen Opposition bilden sichfreundschaftlicheVerbindungen, die au« der Politik in das Familienleben übergehen : doch werdenoft die bedeutendsten Führer derselben durch Ertheilung wichtiger Ämter für dasMinisterium gewonnen, oder in dasselbe aufgenommen. Die Opposinonsblätterschreiben im Sinne der Opposition, ohne von ihr abzuhängen oder verfaßt zu wer-den, so wenig als die ministeriellen Zeitungen in England (wie der „Courier") einenvfstciellen Charakter haben, obgleich sie die Maßregeln des Ministeriums verthei-digen und dessen Ansichten aussprechen. Übrigens gibt es überall eine Opposition,wo ein Volk politisches Leben hat, d. h. eine Verfassung, eine wahre Volksvertre-tung und Preßfreiheit. Nur haben sich nicht überall Ministerialpartei und Oppo-sition durch so scharfe Gegensatze geschieden als in England; daß sie sich aber soscharf scheiden, ist ein Beweis der überscbwänglichen Mißbräuche, die im Eiaen-nutze der Ministerialen (der AmtSmacht) ihren Grund haben, sodaß die Opposition,ohne sich verhaßt zu machen, wagen darf, auch das Gute in den Ministerialplanenzu takeln. (Vgl. Ministerialpartei, Whigs und Torieg.) — Im Mit-telalter übte der Papst ein sehr wirksames Oppositionsrecht gegen die Ausschwei-fungen der weltlichen Macht aus. Die Frage, ob man dem souverainen Papstejetzt ein solcher Oppositionerecht anvertrauen solle und könne, wird von de Maistre,Donald u. A. bejaht, von Ganilh (Epdeputirlen von, Cantal ) in seinem ireff-