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Achter Band. O bis Q.
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Orgelpunkt Orgelspiel

ßeS )lufsehen erregt, indem nach demselben eine natürlichere Pfkifenstellung, wenigergetheilter Wind, ein bequemerer Anschlag für die Spielenden bewirkt werden, undd>e nach seiner Angabe verfertigten Orgeln kleiner und einfacher als die gewöhnli-chen, und doch im Tone ebenso stark sein sollten. Pater Julian hat eine Orgel vonPappe verfertigt, die sich zu Samtes befindet und sehr angenehme Töne gibt. InPaus hat ein Liebhaber eine Orgel aus Spielkarten gemacht, welche ebenso reineTöne hören lassen soll als zinnerne Röhren.

Orgelpunkt heißt im Allgemeinen ein zu mehren Harmonien beibehal-tener Grundton und 2) vorzugsweise eine Stelle am Schlüsse gewisser, besonderskirchlicher Tonstücke, wobei die obern Stimmen einige Zeit lang sich zum Schlüssefortbewegen, während die Baßstimme schon längst den Schlußton festhält. SolcheStellen findet man vorzüglich in Orgelsätzen, weil die Orgel für gebundene Har-monien sich besonders eignet, und sie werden vorzüglich in Fugen gebraucht, wo sieden Hauptschluß und das Ausruhen der Stimmen vorbereiten. Es wird dabeivorausgesetzt, daß der festgehaltene Grundton mit den über ihn fortgehenden Ac-cordfolgen in einem natürlichen Verhältnisse stehe, d. h. daß sie zu ihm hinführen.

O r g e l s p i e l, O r g e l s p i e l e r. Wie die Orgel das zusammenge-setzteste und kunstreichste musikalische Instrument ist, so erfodert auch das gute Orgel-spiel eine vorzügliche Kunst. Namentlich ist es unmöglich, ohne Kenntniß der Har-monie ein guter Organist zu sein, da das Orgelspiel die vollstimmigste Harmonie er-fodert. Außerdem ist noch die besondere Kenntniß der Natur und Einrichtung diesesInstruments erfoderlich, welche nur durch genauen Unterricht oder lange Erfahrungzu gewinnen ist. Zur Natur der Orgel gehört es, daß die Töne ununterbrochen forr-klingen können, wiewol nicht in verschiedenen Graden der Stärke, wie bei andernBlasinstrumenten. Abgebrochene kurze Töne stehen daher diesem Instrumente weni-ger an. DerOrganistmußsich also die Fertigkeit erwerben, im gebundenen Style zuspielen. Ferner, die den Orgeltönen an sich fehlenden Grade der Stärke und Schwä-che können in ganzen Sätzen ersetzt werden durch den Gebrauch verschiedener Register.Jedes dieser Register aber hat seinen besondern Charakter, ist gleichsam ein beson-deres Dlasinstrumenk; der gute Organist muß daher die Register nach diesem Cha-rakter einzeln oder verbunden anwenden, und muß dabei hauptsächlich aus den Um-fang der Töne, welchen das besondere Register hat, genaue Rücksicht nehmen, umkeine Mißverhältnisse hervorzubringen. Hierbei kann man sich I. G. Werner'S„Lehrbuch, das Orgelwerk kennen, erhalten, beurtheilen und verbessern zu lernen"(Merseburg 1823) bedienen. Um das Spiel zu verstärken oder zu schwächen, mußer auch die Manuale kennen, und sich die Fertigkeit, die Töne des Px^alS richtigzu treffen, erwerben. —Was die Anwendung des Orgelspiels beim Gottesdienstebetrifft, so kann der Organist seine Kunst am meisten zeigen bei der Einleitung,oder dem AuSgange des Gottesdienstes, oder in großen Zwischenspielen, welcheHauptabschnitte der Liturgie gestalten; hier kann und darf er kunstreiche Fugen,Variationen und Phantasien vortragen, nur müssen sie der Würde des Instru-ments angemessen sein; hier kann er seine Erfindung, seine harmonische Kunstund seine Fertigkeit in der höchsten Freiheit anwenden. Doch soll das Vorspiel im-mer eine angemessene Vorbereitung des Folgenden sein. Am einfachsten aber undohne alle künstliche Verzierungen muß das Orgelspiel beim Choralgesange sein; eShat den Zweck, den Gesang der Gemeinde zu kragen, zu leiten und auszufüllen,und muß daher mit dem Gesänge der Gemeinde weder in Hinsicht der Bewegungnoch in Hinsicht der Modulation in Zwiespalt stehen; es müßte denn dieser durchSchuld der Gemeinde und vornehmlich durch schlechte Gewohnheit derselben verur-sacht sein, welcher der Organist auf einfache und natürliche Weise entgegenzuwirkenverpflichtet ist. Auch die Zwischenspiele im Choral müssen vornehmlich dem Charakterdes einfachen Choralgesangs und der Stimmung, welche der Choral auöspricht, ange-