Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
140
JPEG-Download
 

440

Ossian

abdruckten. Schon 1784 erschienen zu Hamburg Übersetzungen; 1768vonDenis(in unpassenden Hexametern), von Harvld 1775 (Prosa), von Petersen (1782),vonRhoke (Berlin 1800, 8Bdchn., rhythmisch, treu u. elegant); von Schubart,von» Grafen F. L. zuStolberg (kräftig und besonne», Hamburg 1800, 3 Bde.),von F. W. Jung (3 Bde., Frankfurt 1808, weicher und aufgelöster), unk Vieleseinzeln, z. B. von Neumann, herausgegeben von Gurlitt (Hamburg 1803 sg.),und die so schönen Lieder von Selma in Göthe'S „Werther", in der „Jr>s", im„Deutschen Museum" n. s. w. 1807 gab endlich die hochländische schottische Ge-sellschaft die gälischen Originale von 14 Ossian'schen Gedichten in 3 Bd». her-aus, nebst einer wörtlichen laiein. Übersetzung von Macfarlan. (l)!eue?lusg.:„ll-n, 0,5>en", Edinb. 1818.) Diese gälischen Originale sogen. Ossian 'scherGedichte (zu deren Verständniß man das Wörterbuch vonArnistrvng und die gäli-schen Sprachlehren von Stewart und Ahlwardt hat) übersetzte im Metrum desOriginals (in daktylischen, katalekiischen Trimetern) Ahlwardt in Oldenburg (Leip-zig 1811), in dessen Uebersehung sich aber jene Poesien weniger gefällig auSnehme»als in der freiern Form Macpherson'ö, der auch aus den härtern Namen lieblicherebildete, z. B. Minona. (1820 las man in den Zeitungen: bei der Eröffnung einesGewölbes in der alten katholischen Abtei Connor in Irland habe man die Gedichtedes Barden Ossian m einer eichenen Kiste gesunden, in einer Handschrift eines iri-schen Mönchs von 1468.) Herder sagt über die Ossian 'schen Gedichte nach Mac-pherson'S Bearbeitung (vgl. Schiller '» „Hören", 1795, St. X ; Herker'S „Akra-stea", St. X , und seine „Blätter von deutscher Art und Kunst") Folgendes: „Dielieblichste Gestalt machtOzsian m kleinen einzelnen Erzählungen, die nian bald alsheroische Romanzen, bald als rührende Jdyilen, bald als rein lyrische Stücke be-trachten kann, deren einige, z. B. Eomala, sich dem Drama nähern". Indem erihn mit Homer zusammenstellt, sagt er: „Homer dichtet rein objectiv, Ossian reinsubjectiv. Bei Homer treten alle Gestalten frei und lebhaft hervor; Ossian hatNebelgestalken. Er wählt seine Helden nicht wie sie sind, sondern wie sie sich nahen,wie sie erscheinen und verschwinden. Im Homer sieht man die Handlung, im Os-sia.l ahnet man sie an Tritte», Zeichen und Wirkungen. Die Gestalt seiner Ge-liebten deutet Ossian mehr an, als daß er sie darstellte und malte. Man hört ihreTritte oder ihre Stimme; man steht den Schimmer ihrer Arme, ihres Antlitzeswie einen vorübergleitenden Strahl. Homer sang die erste KriegsunternehmungGriechenlands, Ossian ist dagegen Stimme voriger Zeiten, er verkündet den Aus-gang des HeldenstamineS". Der Inhalt der Ossian scheu Poesien, theils historisch,theils lyrisch, ist: Erzählung von Heldenthaten in Kämpfen, Preis vergangenerbesserer Tage, helldunkle Gemälde der hochländischen Natur, Klagen über erlitteneLeiden, Schicksale Liebender, webmuthsvolle Klagen lieblicher Jungfrauen amGrabhügel ihrer geliebte» gefallenen Heldenjünglinge, Heldenfeste u. s. w. DieForm ist ganz eigenthümlich, eine eigne, immer kurz abgebrochene und darum bis-weilen mißfallende Sprache (im Originale metrisch, bei Macpherson unmetrisch,doch rhythmisch), voll conereker Ausdrücke. Glückliche Darstellung der Leidenschaf-ten. treffliche rührende Schilderungen, malerischer Ausdruck, kühne aber lieblicheBilder und Gleichnisse, tiefe Empfindung, lieblicher Ausdruck sanfter Wehmuthund Einfachheit (man findet z. B. keine Einmischung höherer Wesen, nur daß dieGeister der Todten wie Nebelgestalken bisweilen die Handelnden umschweben) gebendiesen Gesängen eignen Reiz. Auf der andern Seite wirst man ihnen den Mangelbestimmt geschilderter und verschiedener Charaktere der handelnden Personen, die öf-tere Wiederkehr der nämlichen Gleichnisse (viele bot freilich die arme, nur an Rohr,Felsen, Heiden, Seen, Nebel und Winden reiche Natur in jenem Lande nicht dar)und große Empfindselizkeit, zumal im Munde der Helden, vor. Dennoch werdendiese schottischen Poesien, sowie die von Smith in seiner „Scan Dana" (engl. 1780,