168 Erreich (Geschichte seit 1815)
war, die Standhaftigkeit, mit welcher er die AchtSerklürung gegen den bundbrfl-chigen Eidam unterzeichnete und das Schicksal der Tochter und ihres Sohnes be-stimmte, die Kraft endlich, mit welcher er des ehemaligen Königs Murat v. Neapel Angriff auf Italien zurückschlug und zur abermaligen Bezwingung des korsischenMachthabers mitwirkte; diesAlles erfüllte die Brust der Völker mitEhrfurchlgegenihn und erregte den Wunsch: möchte er wiederum Deutschlands Kaiser werden!Oestreich erhielt durch den Frieden in Paris 1814 den gegenwärtig zu einem lombar-disch-venetianischen Königreiche erhobenen Theil von Italien , und die früher abge-tretenen Theile seiner Erbländer nebst Dalmatien zurück, dagegen der bioherigeGroß-herzog von Würzburg s. Land an Baiern abtrat und Toscana wiederbekam.
Durch die neue Gestaltung Europas auf dem wiener Congresse 1815, unddurch den mit Baiern zu München (14. April 1816) abgeschlossenen Vertrag hatdie östr. Monarchie nicht nur im Vergleich mit ihrem Zustande nach der letzten Thei-lung Polens einen Zuwachs von etwa 150 UM. (ohne Toscana, Motena undParma) erhalten, sondern auch in Hinsicht aus Lage, Abrundung und Handel, be-sonders durch Venedig und Dalmatien wesentlich gewonnen. Die einflußreiche Stel-lung, welche diese Macht in Folge jenes Congresses in dem europ. Staakensystemals das erste Glied der großen Quadrupelallianz, die auf dem Congressezu Aachen 1818 in eine Quintupelallianz verwandelt wurde, lind als die Vorsitzende Macht aufdem deutschen Bundestage, mit folgerechter Wirksamkeit behauptet, ist seit demEongresse zu Aachen dem Beobachter der Zeitgeschichte immer sichtbarer geworden;zugleich hat die rasch fortschreitende Entwickelung der innern Kräfte dieses großenVölkerbundesstaats die nachtheiligen Folgen seines 23jähr. fast ununterbrochenenKampfes mit Frankreich nach und nach vermindert, und wie den Wohlstand derNation, so auch den StaatScredir befestigt und erhöht. — Unter den auöwärk.StaatS-anzelegenheire», welche der 1821 zu der Würde eines kaiserl. HauS-,„Hof- undScaatskanzkerS erhobene Fürst v. Metternicb leitet, ist das Verhältniß Östreichs zudem deutschen Bunde, dem es mit 3541 UM- und 10,660,000 Menschen ange-hört das wichtigste. Das kaiserl. Cabinel hat nämlich durch die Vortrüge seines Prä-sidialgcsandken (des Grafen v. Buol.Schauenstein, an dessen Stelle 1823 der Frei-herr v.Münch-Bellinghausen trat) die Berathungen auf dem Bundestage zu Frank-furt so geleitet, daß alle im Aug. 1819 auf dem Congresse zu Karlsbad (s. Karls-bader Beschlüsse ) vorbereiteten Beschlüsse, in Hinsicht einer allgemeinen Lite-ratur-, Lehr- und Schulpolizei, zur Unterdrückung anrimonarcbischer oder revolu-nonnairer Meinungen, Schriften und Verbindungen, einmüthig angenommen,am 20. Scpt. 1819 bekanntgemacht, und am 16. Aug. 1824 erneuert wurden.Ein am 25. Nov. 1819 zu Wien eröffneter Ministerialcongreß aller Mitglieder desdeutschen Bundes entwarf die 65 Artikel Ler Schlußacte des deutschen Staatenbun-bes, welche am 15. Mai 1820 in Wien unterzeichnet und am 8. Juni d. I. zuFrankfurt als allgemeines Gesetz innerhalb der deutschen Bundesstaaten anerkanntwurde. Die Ideen des östr. CabinetS über den politischen Zustand Deutschlands lernte man damals aus der merkwürdigen ,,1.ettre oonluleutiolli: ilo 8. .4. >e ixaosts üloltei Iiieli alle. le burou rle Herztet!. Premier mini-itre ilu Orautl cludiecie 6-xlou" (vom Juni 1820) kennen. Dieses Schreiben ist abgedruckt in Lesur'S,,4n„u-niv" (Paris 1821, S. 252). Dasselbe Unmuthige Vertrauen, welchesdie erwähnten Vortrüge des östr. Präsidialgesandten bei den Gesandtschaften desBundestags fanden, äußerte sich auch „bei allen übrigen Verhandlungen. Ebensoglücklich brachte die Übereinstimmung Östreichs und Preußens in der Militaircom-mission des Bundes die Grundlegung der deutschen Kriegsverfassung zu Stande, in-soweit dieselbe die Größe und Eintheilung des BunteSheereS (s. Reich« armee),strvie die Besetzung und das Commando der Reichsfestungen betraf. Noch ist zubemerken, daß Östreich (in Gemäßheit der durch den 18. Art. der BundeSacte fest-