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Asireich (Geschichte seit 1815)
Hess. I. nahmen in Wien die Redemptoristen (s. d.) die Kathedralklrche zuMaria Stiegen nebst dem passauer Hofe in Besitz, und die Jesuiten errichteten inder Hauptst. ein Noviziat. Da nun seit 1821 weder in der Hauptst. noch in denProvinzen Privatpersonen die Erlaubniß zugestanden wird, Lehrer zum Unterrichteder Jugend aus der Fremde kommen zu lassen, so scheint es, als ob vorzugsweiseden Vatern aus der Gesellschaft Jesu und den mit ihnen verwandten Retempwri-sien die Sorge für Erziehung, Unterricht und Bildung der Jugend anvertraut wer-den könne. 1829 ward verboten, jungeKatholiken durch Dissidenten unterrichten zulassen; ausgenommen sind Musik-, Tanz-und Fechtmeister. Skudienzeuguisse,welche Inländer im Auslande erworben haben, gelten nichts; sondern die Studiensind von vorn im Inlande anzufangen. Das Verbot, Bibeln der Dibclgeselljchaf-ten, namentlich die in Berlin gedruckte böhmische Bibel, im dstreich.Lkaate zu ver-schenken oder für geringere Preise zu verkaufen, ward im Nov. 1822 erneuert. In-deß wird der Grundsatz der freien Religionoübung so wenig verkannt, daß man unGegentheile die beiden protestantischen Consistorien zu Wie» sils lankeSsÜrstl. Be-hörden behandelt. Die Mitglieder derselben werden aus dem kaiserl. Schatze besol-det und nehmen an allen Vortheilen der übrigen Staatsbeamten gleichen Antheil;alle Superintendenten und Senioren ziehen einigen Gihalk aus den Staaiscassen,und mehre evangel. Pastorate sind zum Theil von dem Staate ausgestattet. Dieevangel. Gemeinte in Prag errichtete eine protestantische Schule; in den 1.1821fg. traten nach und nach an 10 Personen zu Gallneukirchen u» Lande ob der Enszu der evangel. Kirche, und schon 1820 erfolgte die Anerk. »nung der kleinen prote-stantischen Gemeinde zu Venedig . — Noch bemerken wir den neuen UnterrichtS-plan, nach welchem die medicinisch-chirurgische Iosphs-Akatemie zu Wien imNov. 1824 wieder eröffnet wurde. In Hinsicht der luerarischen Thätigkeit aber,welche in dem großen Kaiserstaate deutscher Zunge sich offenbart, verweisen wirtheils auf v.Hormayr'S „Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst"(18. Iahrg. 1827), theils auf die im „Lit. Conv.-Blatt" mitgetheilten Literatur-und Kunstnotizen aus dem Östreichischen.
Aus der neuern Geschichte des Heer - und Kriegswesens führen wir bloß«n, daß man sich seit 1819 mit dem Plane beschäftigt, Grenzfestungen in Galizien anzulegen, z. B. Przemisl und Stanislawow; daß 1823 das stehende Heer durchunbestimmten Urlaub um 25,000 M. vermindert wurde; daß der Kaiser 1821 denital. Ofsicieren, statt der von Napoleon ihnen in Tirol angewiesene» Dotationen,eine von 1814 an laufende Rente bewilligte'); daß die bei mehren Regimenterneingeführten Soldatenschulen, nach Bell-.Lancaster'scher Methode, seit 1821 wiederaufgelöst worden sind w. Dagegen gibt es für 48 Soldatenknaben jedes ungari-schen und deutschen Infanterieregiments 53 Erziehungshäuser; für die ital. Regi-menter ist das Mailänder Erziehungshaus von 250 Knaben bestimmt. Für dieBildung der Ässiciere gibt es eine trefflich eingerichtete Ingenieurakademie zu Wien mit 79 LttifiungSplätzen und mehren Pensionnaii stellen. In der Militärakademiezu Wienerisch-Neustadt werden 327 Tadelten auf Kosten des StaatS erzogen; au-ßerdem sind darin noch 116 Stiftungsplätze und mehre Pensionnairs. Die militair.EquitakionSschule ward aufgehoben. Noch bestehen die Tadettensckmlen in OlniützundGrätz. Für Dfficiertöchker ist ein Institut zu HerrenalS mit 46 Plätzen errich-tet. — Über die 1807 organisirte Militairarenze des KaisustaatS hat derRitter v. Hiehinger eine Statistik herausgeg. (Wien 1822 sg., 2Tble.), die zurDergleichung mit den russ. M il i taircolonien (s. d.) inkereffanten Stoff dar-bietet. Östreich hat die ersten Ansiedelungen dieser Art gegründet, indem es mit demBesitze von Ländereien 18 Regimenter des SlawenstammeS längs der türkischen
*) Auch den Staatsdiener» des ehemaligen Königreichs Italien iverden die Pensionenausgezahlt, welche sie zu erwarten gehabt, wenn jenes Königreich nicht aufgelöst wer«den wäre.