Paüa Palladio 211
mann, Vater und Vers. von 2 Tragödien. Die erste kam nicht auf die Bühne;die zweite: „Ninus", fand wenig Beifall. Nun wählte er das Lustspiel, welchesseinem Talente und seiner Stimmung besser zusagte. Er gab „H lutours", einfrostiges Stück, dem bald ,,1-e i>.i, liier cle folgte, wozu der Stoff aus
„Tausend und einer Nacht " entlehnt ist. Das erste Aufsehen erregte er durch seinLustspiel „ie Cercle", worin em lächerlicher Philosoph erscheint, in welchem manI. I. Rousseau erkannte, und worüber die sogen. Philosophen einen lebhaftenFederkrieg erhoben. P. machte sich Luft in den „l'etites icttres sur cle ßnuxls1>l>iIo5o>ilies". Die Erbitterung stieg und erreichte, als er mit seinem Lustspielepl>ilc>so,>be>>>" auftrat, den höchsten Grad. Dieses Stück hat von Seitender Kunst und Erfindung keinen Werth, aber es ist mit Eleganz geschrieben undvoll satyrischer Züge; die Personen sind gut gezeichnet, besonders die gelehrte undphilosophische Dame; mehre Scenen sind trefflich. Hatte P. in seinen Stückendie Grenzen der Theatersachre überschritten, so achteten seine Gegner selbst dieSchranken der Scham und Ehrbarkeit nicht; die pöbelhaftesten Schmähschriftenerschienen zur Schande der franz. Literatur. Aber P. räumte das Schlachtfeldnicht, so furchtbar auch seine Gegner durch Zahl und Leidenschaft waren; er botselbst Voltaire Trotz, der sich mit ungewohnter Mäßigung gegen ihn benahm,wie aus dem Briefwechsel zwischen Beiden hervorgeht. P. setzte den Krieg gegendie Encyklopädisten und Philosophen in seiner „Dunciade" fort, einem Gedichte vollbitterer Satyre, das bei einer guten Versification und einzelnen unterhaltendenStellen doch wegen seiner Länge ermüdet. P.'S Gegner wurden durch dasselbeaus» Neue unter die Waffen gebracht. Seine „klöni-nie» pcun seivir ü l'liistvi, otle 1.1 liiiemlure" (Paris 1769, zuletzt 1813) sind das wichtigste seiner pro-saischen Werke. Man findet darin gute Bemerkungen über die dramatische Kunstund die dramatischen Schriftsteller, aber das Ganze ist weder neu noch gründlich.Erfindung und Zdeenreichlhum fehlen in allen Werken P.'S, aber seine Schreibartist stets rein und geschmackvoll. Die Revolution halte ihm den größten Theil sei-nes Vermögens geraubt. Er lebte seitdem auf einem Gütchen zu Pantin , undin dem Lului; clcs orls, wo er als Vorsteher der Mazarini'schen Bibliothek eineWohnung hatte. Mit ungeschwächten Geisteskräften, stets lebhaft, geistreich,heiter in der Unterhaltung, erreichte er ein hohes Alter und starb d. 15. Juni1814. Die 3. Ausg. seiner Werke in 6 Bdn. erschien zu Paris 1809.
Palla, ein langes, über die Füße herabhängendes Gewand der römischenDamen, welches sie über die übrigen Kleider trugen (Mantel). Sie schlugen,wenn es lang war, einen Theil desselben über die linke Schulter, und hielten ihnunter dem Arme fest. Bei Leichenbegängnissen war es schwarz. Auch die Tragödentraten in einem solchen Gewände auf.
Palladio (Andrea), ein berühmter Baumeister, geb. d. 30. Nov. 1518zu Vicenza in beschränkten Umstünden, beschäftigte sich anfangs mit Bildhauerei,aber der berühmte Trisfino, der s. Neigung zurMachematik wahrnahm, erklärte ihmVitruv's Baukunst und nahm ihn nach Rom mit sich. Hier studirte und zeichneteer die alten Denkmäler. Sein Werk über die Alterthümer Roms beweist, wieunvollkommen es auch ist, daß er den Geist der Alten wohl ergründet hatte. Vor-züglich schätzt man sein Werk über die Architektur (beste Ausgabe, Vicenza 1776—83, 4 Bde., Fol.). Er starb d. 19. Aug. 1580 als Baumeister der Rep.Venedig , in seinem Daterlande sehr geehrt. Tommaso Remanza hat sein Leben be-schrieben (Venedig 1762, 4.). P. gehörte zu den Meistern, welche im 16. Jahrh,durch Studium der Werke der römischen Baukunst, welche vornehmlich in Ruinenvorhanden find, eine neuere Periode derBaukunst hervorbrachten. (S.Baukunst,Geschichte der.) Unter mehren Prachtgebäuden, die nach seinen Zeichnungen undunter seiner Leitung aufgeführt wurden, ist das Theater degli Olimpici, womit er
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