Band 
Achter Band. O bis Q.
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Palmen 219

der meisten Arten gewinnt man ein angenehm schmeckendes, weinartigeS Getränk,denPalmenwein, der um so nothwendiger ist, als man in der heißen Zone vonder Thätigkeit der Einw. eine mühsamere Bereitung von Getränken nicht erwartendarf. Den Palmenwein gießt die Natur selbst aus, sobald man den jungen Herztriebeiner Palme ausbricht. Die Neger fangen dann den Strom in ihren Kalebassen auf.Auch der Kern der Cocosnuß und aller andern Palmennüsse ist vor der Reife milch -artig und dient als kühlendes Getränk; später wird er nußarkig wohlschmeckend, nachund nach aber nimmt er eine hornartige Festigkeit an. Aus den Schalen der größernPalmennüsse bereitet man Gefäße und Werkzeuge. Die jungen Blättertriebc derPalmen, vorzugsweise derKohlpalme, geben eine wohlschmeckendeSpeise, denPal»menkohl (Lb»»-l'>'>li»i8tc). Die Neger aufGuinea, und fast auf der ganzenWest-küste von Afrika , gewinnen aus den Früchten der Ölpalme, b'.!-,,, ^uii,reinste, dasPalmen öl, und tauschen dafür europäische Producte ein. Es ist zwar nicht mitunserm Oliven- oder Nußöl zu vergleichen; allein die Neger verstehen es doch so zureinige», daß es einen erträglichen Geschmack annimmt. Damit bereiten sie ihre Fischeund fast alle Gerichte; auch dient es dazu, die Speisen aufzuklären und fest zu ma-chen. Sowie jene Palme durch ihr Öl zugleich einen Absah für die Talglichter ab-gibt, so wird die Wachspalme, 6s,<i.vv>»»-,mlioo!.i, nach Humboldt und Bon-pland für das spanische Amerika durch ihr Wachs nützlich. —Ferner ist der Sagoin der Diätetik und Medicin, wegen seiner nährenden und erweichenden Eigenschaft,ein wichtiges Product der Palmen. Bei allen gibt nämlich der Stamm, wenn erein gewisses Alter erreicht hat, ein süßes, nahrhaftesSlärk-odcrSatzmehl, welchesman unter jenem Namen kennt. Nach BergiuS geschieht die Zubereitung durch dieIndianer auf ähnliche Weise, wie bei uns die des KartoffelstärkmehlS. Nachdemsie den Stamm der Länge nach aufgeschnitten haben, nehmen sie das Mark her-aus, zerkleinern es, waschen es mit kaltem Wasser und bilden eS damit zu einemTeig, den sie durch ein Sieb drücken und so in die Form von Körnern bringen,welche sie erst an der Sonne, dann bei sehr mäßigem Feuer trocknen. Auf dieseWeise gewinnen sie oft aus einer Palme an 400 Pfund Sago . — Eine merk-würdige Palme ist noch die Tourloury-Palme, äl-inic-nia suacilcr.-, oder I'ün-sOioi.1 te-slianlai i-; (in Südamerika, vorzüglich in Surinam ), deren Dlüthensackwie aus Bast gewebt aussieht und von den Einwohnern, guer durchschnitten, zueiner kugelförmigen, spitzigen Mühe gebildet wird, die man auf dem Kopfe tragenkann. — An den Ufern der Flüsse, welche die Königreiche Oware und Benin , iinInnern von Afrika , scheiden, kommt eine eigenihümliche Weinpalme vor, dieId-plna vinikeia. Sie hat einen schönen Wuchs, eine Menge glänzender, wiemit Firniß überzogener Früchte, und gefiederte, stachelige Blätter, von 1-s—2Meters Länge. Die Fruchkzweige sind außerordentlich groß, und mit Früchtenbeladen kann sie kaum ein Mensch von der Erde aufheben. Paläste und Häuserwerden aus dieser Weinpalme erbaut und mit ihren Blättern bedeckt. Reicheund Arme kennen wenig Bedürfnisse, welche diese kostbare Palme nicht befriedigte.Aus den Blatkrippen macht man Sagaven, eine Art Harpunen zum Fischfänge,woran man eine eiserne Spitze oder Fischgräte befestigt. Der Wein von dieserPalme ist farbiger und stärker als der gewöhnliche Palmenwein. Man schält dieFrüchte und läßt die Kerne in gewöhnlichem Palmenwein, mit Wasser vermischt,gähren. Dieser dunkle und leicht berauschende Wein schäumt wie Champagner undhält sich lange Zeit. Die Dattelpalme, ?!,c>e„ix ,b,m>lilci.>., wächst in densandigen Strecken der heißen Klimate, vorzüglich in Asien und Ägypten ; alleinsie findet sich auch angebaut in Spanien, in Südfrankreich und Toulon , auf denHiures, ferner im Golf von Genua, zu Nizza u. a. a. O. In Griechenland undSicilien wächst sie noch ziemlich vollkommen wild. Die Dattelpalme, derenStamm gewöhnlich eine Höhe von 30—50 Fuß erreicht, ist eben diejenige, welche