Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
230
JPEG-Download
 

2?l) Aaiitoniiiink

ler durch Ergänzung des sichtbaren oder hörbaren blustrucks mittelst der Beide ver-knüpfenden Einbildungskraft zu Hülfe zu kommen. Was nun jene Trennung selbstanlangt, so sehen wir die Declamation in derselben nie so weit gehen als die Mi-mik. Denn wenn man auch mit Recht behaupten kann, der Declamator müsse alssolcher auch ini Dunkeln, mithin ohne durch Gebärden und überbaupt ohne durchseine sichtbare Persönlichkeit zu wirken, die Kraft seiner Kunst beweisen und derenWirkungen vollkommen zeigen können: so sehen wir doch nie einen Declamaror sichder Gebärden ganz enthalten, wiewol dieselben bei der Declamation in verschiedenenGraden nntergeordnct sein müssen. Der Grund davon liegt darin, daß man sieheher eine Reihe von Gebärden ohne Sprache denken, als deren lebendigen Ausdruckdes Innern, welcher in der Sprache liegt, bei völliger Bewegungslosigkeit desKör-pers ohne Mißfallen ertragen kann. Wollte man hingegen die Gebärdenkunst herr-schend machen und ihr die Sprache völlig unterordnen, so wurde dieses ebensowolgegen den Geist der Kunst als gegen die Natur der Sprache sein. Denn letztere ineiner Darstellung durchaus unterordnen, hieße, die Gebärde nur hier und da durcheinige Worte begleiten und erklären. Allein die Sprache erfodert, da sie nicht bloßAusdruck der Empfindungen, sondern vorzugsweise der Gedanken ist, einen inni-gern und fortlaufenden Zusammenhang, welcher nur dann unterbrochen werdenkann, wo aus irgend einem Grunde das schweigen zur Nothwendigkeit wird, oderkoch angemessener erscheint; ja das Einmischen einzelner Worte und Sähe in dieGebärdensprache müßte den Zweck der letztem, als selbständige Kunst betrachtet,geradezu vernichten, indem dasselbe auf das Unvermögen dieser Kunst oder desKünstlers aufmerksam machen wurde. Daher wählt der Mime im letzter» Fallenur einen solchen Luoff, der durch die Gebärde vorzugsweise ausgedrückt und voll-kommen ausgesprochen werden kann, und heißt, insofern er nur durch die Gebärdedarstellt, Pantomime, sowie die Darstellung selbst, die durch den selbständigeilGebrauch der Gebärdenkunst entsteht, eine Pantomime, oder besser eine pantomi-mische Darstellung, und die Kunst derselben Pantomi mi k genannt wird. EineDarstellung aber, in welcher Alles (Darzustellende) durch Gebärden (ohne Mit-wirkung der spräche) geschildert wird, kann sich auf die ruhende oder festgehalteneGebärde beschränken; dann ist sie pantomimische Stellung, wo-u im engern -L innedie Attitüde (s. d.) und die'sogenannren lebenden Bilder (s. Tableau.r) gehö-ren; oder sie bedient sich des Wechsels der Gebärden in Bewegung und Ruhe. Imletztem Falle wird encweder nur eine einzelne Situation, ein thätiger oder leidenderGemüthszustand, oder ein bestimmter Charakter durch eine Reihe von Gebärde»vollständig entwickelt (man kann dieses eine lvrisch-pantomimische Darstellung nen-nen, weil hier die Gebärde nur als subjectiver Ausdruck des Innern, vorzüglich desGefühls, erscheint), oder eS wird eine Handlung dargestellt. Hier heißt die pantomi-mische Darstellung eine Panto in, nie im eigentlichen Sinne, oder eine dramatisch-pantomimische Darstellung. Denn die Mimik wirkt in ihrem höchsten Unifange,wo ein Ganzes menfchlicher Äußerungen unter der Form einer Handlung gezeigtwil d, vornehmlich da, wo mehre Charaktere, durch mehre Mimen vorgestellt, inihrem Zusammenwirken dieses Ganze bilden. In diesem Sinne hat man die Pan-tomime ein Schauspiel ohne Sprache, oder durch stumme Sprache, genannt. Aberauch die höchste innere Vollkommenheit der Mimik wird hier erfodert; denn nurbei großer Deutlichkeit, Bestimmtheit, Lebendigkeit und Zusammenhang der Ge-bärden laßt sich die darzustellende Handlung nach dem Zusammenhang und der Be-deutung ihrer einzelnen Theile vom Anfange bis zum Ende leicht auffassen und ver-sieben. -sowie nun der Stoff der Mimik überhaupt, oder Das, was der Mimedarstellen soll, etwas Poetisches und in sich Vollendetes sein muß, wenn die Mi-mik als schöne Kunst (s. Kunst) bestehen soll: so muß der Stoff der Pantomimenoch insbesondere eine Handlung sein, welche in die sichtbare Erscheinung tritt und