Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
324
JPEG-Download
 

NZ4 Paulicianer Pauline (Fürstin zur Lippe)

1 87 ^ Mist. geschaht, und der gangbare Kaufpreis ihrer Ämter aus nahe an 420Mill.Colbert suchte die Masse dieser überflüssigen Beamten zu vermindern, aber die Kriegeund Verschwendungen Ludwigs XI V. zwangen seine Nachfolger doch wieder zu die-,ser Manier, sich Geld zu schaffen, zurückzukommen. Von 1689—95 wurden 294Mist., und 1701—0 426Mill.auSderErricht»ng neuer Ämter gezogen. Auchnach-her sind einige Versuche gemacht worden, das Übel zu vermindern, aber im Ganzenhat es sich mit allen seinen verderblichen folgen erhalten bis zur Revolution. 37.

Paulicianer. Unter dem Schuhe der Bergketten des Kaukasus undTaurus, die in Armenien zusammenstoßen, gab es noch Überreste der Man i chäer(s.d.) und Gnostiker, die sich seit dem 8. Jahrh, nach einem Parteihauptc, Paulus,Paulicianer nannten, um den Verdacht des ManichäiSinuS von sich abzuwenden.Als Bilderstürmer (s. d.) wurden sie von den griech. Kaisern, je nachdem diesedem Bilderdienste, den die manichäische Denkart ganz verwarf, bald ungünstigbald günstig waren, verfolgt oder geduldet. Doch mußten sie, da ihre manichäischeKetzerei entdeckt wurde, im 9. Jahrh, harte Bedrückungen leiden, unter denenViele umkamen, Andre in das Gebiet der Mohammedaner flüchteten, welchen siem den Kriegen gegen die Griechen beistanden. Die im 10. Jahrh, versuchte Be-kehrung wieder eingewanderter paulicianischer Gemeinden, die der griech. KaiserJohannes Zimisces nach Thrazien versetzte, gelang ebenso wenig als jene gewalt-same Unterdrückung; und da die Kreuzzüge Wege in das mittlere Europa öffneten,drangen zerstreute Haufen dieser Sekte theils zu Lande in die Bulgarei, theils zurSee nach Italien und Wpanien vor. Unter mancherlei Namen erschienen ihre Ab-kömmlinge und Geistesverwandten nun in den europäischen Ländern. Unzweifel-haft ist der paulicianische Ursprung der Lehre jener den Messalianern (s. d.)ähnlichen Betbrüder, die man wegen ihres unaufhörlich wiederholten Ausrufs:Bog milui (bulgarisch: Gott erbarme dich), Bogomilen nannte und im 15. Jahrh,zu Konstantinopel mit dem Feuertode bestrafte. Über die Lehre der Paulicianer vgl.Manichäer. L.

Pauline (Christine Wilhelmine), Fürstin zur Lippe, Tochter des FürstenFriedr. Albert von Anhalt-Bernburg und seiner Gemahlin Louise, geb. Herzoginvon Holstein-Plön, ward geb. zu Ballenstedt am 23. Febr . 1769. Bald fühltedie Fürstin ihre geistige Kraft und machte sich wissenschaftliche Bildung zum stetenBerufe. 'Die Wtunden der Muße verlebte sie an der Seite ihres Vaters, bald beiseinen Regierungsgeschäften, bald auf seinen Iagdzügen. Dadurch erhielt ihrCharakter eine männliche Richtung, die sich selbst in kräftigen Gesichtszügen auS-fprach. Wie war 18 I. alt, als sie Birkenstock's Gedicht auf den Tod Friedrichs II.,ungeachttu der Wchwierigkeiten des lat.Lapidarstyls, glücklich in das Deutsche über-setzte. Sie wandte auch ihre Aufmerksamkeit auf die dänische Literatur und warbald im Stande, die vorzüglichsten Narionalschriftsteller mit Leichtigkeit zu lesen.Im Zeichnen, in der Musik und in weiblichen Fertigkeiten war sie minder glücklich.Mit dem Dichter Gleim, der ihren dichterischen Versuchen seinen Beifall schenkte,stand sie i» Briefwechsel, Dabei studirte sie die Verfassung des Geburtslandes,unterbielr sich mir Staatsmännern über alle Theile der Verwaltung, arbeitete Ge-setze aus und verfertigte Gutachten aus Acten. Säst 1790 leitete sie im Cabinetteihres Vaters die auswärtigen Geschäfte. 1796 vermahlte sie sich nach der Wahlihres Herzens mit dem regierenden Fürsten Leopold von Lippst-Dermold. Ihr Ge-mahl starb 1802, und zie trat die vormundschastliche Regierung a». Seitdem be-förderte sie 18 Jahre hindurch die wohlthätigsten Einrichtungen; sie hob die Leib-eigenschaft auf, sorgte für die Erziehungsanstalten und stand mit de." Hülssgeseil-schaft zu Zürich seit 1808 in Verbindung. Besonders schätzte sie den Gene."alsiwcr-inrendenten v. Cölln wegen seines Eifers, Gutes zu wirke»; auch nahm sie fleist.'ZftnAntheil a» dessen „Beiträgen zur Beförderung der Volksbildung". Nach Colln's