328
Paulus (Apostel)
tigkcu seines Eifers in diese!» traurigen Geschäft aufbewahrt, das er aus Anhäng-lichkeit an das alte Gesetz betrieb. Eben war er mit Vollmachten des hohen Rathszur Verhaftung der Christen auf dem Wege nach Damask , als er durch eine Er-scheinung (Appostelgesch. Cap. 9 und Cap. 22) Veranlassung erhielt, das Christen-thum anders anzusehen und sich durch den Unterricht christlicher Lehrer eine Überzeu-gende Erkenntniß von derDortrefflichkeit dieser Religion zu verschaffen. Diese plötz-liche, von Gott veranstaltete Bekehrung bezeichnete er durch Abänderung seinesNamens ^aul in Paul, und widmete sich nun dem Berufe zum Apostel, mit ei-ner Begeisterung, welche die größten Schwierigkeiten überwand. Arabien, Sy-rien, Kleinasien, Griechenland und die Inseln des mittelländ. Meeres wurden dieSchauplätze seiner unermüdeten Thätigkeit für die Ausbreitung des Christenthums.Wo er auf seine» Reisen hinkam, war er bemüht, Christengemeinden zu stiftenund die vorhandenen in ihrem Glauben zu befestigen. Um die Gemeinden zu An-tiochien, EphesuS und Jerusalem machte er sich durch Lehren, Anordnen der Ge-bräuche und Almosensannneln für die ärmer» Mitglieder verdient. Die Gemeindenzu Philipp! in Macetonien, zu Korinth , Galata und Thessalonich verehrten ihnals ihren Stifter, und die im Kanon des N. T. enthaltenen Sendschreiben, die eran diese und a. Gemeinden in den angesehensten Städten Griechenlands, Klein-asiens und nach Rom schrieb, zeigen, in welchem Verhältnisse väterlicher Machtund Sorgfalt er mit ihnen stand. Dadurch, daß er auch Heiden, ohne sie zurBeobachtung des jüdischen Gesetzes zu nöthigen, in die Christenheit aufnahm, gaber seinem Wirkungskreise und dem Fortgange des Christenthums einen Umfang, zudem die beschränktere Ansicht der übrigen Apostel, die Anfangs nur Juden taufenwollten, es nie hätte kommen lassen. Aber eben darum warb er ein Gegenstanddes Hasses der Juden, die ihn als einen Abtrünnigen verfolgten, und Zu Jerusalem war Alles zu seinem Untergänge bereit, als er nach einer mehr als 20jährigen Wirk-samkeit für die Verbreitung der Lehre Jesu, um das I. 60, mit den von >hm gesam-melten Unterstützungsgeltern für die gedrücktes palästinensischen Christen, muthig,wie Jesus selbst bei seiner letzten Reise nach Jerusalem , sich gerade nach dieser Etadtbegab. Hier ward er verhaftet und nach Cäsarea gebracht, wo ihn die römischenStadthalter Felip und FestuS 2 Jahre lang gefangen hielten und die Unerschrocken-heit und Geistesgegenwart, milder er sein Unternehmen rechtfertigte, nicht weni-ger bewundern mußten, als früher der Areopag und die Weisen zu Athen gvoDiormsiuS, der Arcopagit, sem Anhänger ward) die Kraft und Gediegenheit sei-nes geistvollen Vertrags. Weil er als römischer Bürger wegen der widerrechtli-chen Gefangenschaft an den Kaiser appellirt hatte, schickte man ihn endlich nachRom. Nach einem bei Malta ausgestandenen Schiffbruche kam er im Frühjahr62 in diese Hauptstadt der Welt. Hier ward er mit Achtung, jedoch als Staats-gefangener behandelt und gewann mehre, auch vornehme Römer für das Christen-thum. Daß er im I. 64 wieder auf freien Fuß kani, ist erwiesen; was aber vonseinen weiter» Reisen nach Spanien, England, Macedonien, Griechenland undVorderasien erzählt wird, nur Vermuthung. Im I. 66 kam Paulus nach Rom zurück, gerieth aufs Neue in Gefangenschaft und starb den Märtyrerrod. Das Le-ben keines Apostels ist so reich an merkwürdigen Auftritten, rühmlichen Thaten,harten Beschwerden und außerordentlichen, traurigen Schicksalen, als die Ge-schichte dieses großen Mannes, dem auch die Gegner der Religion, für die er lebteund starb, seltene Geistesgaben, gründliche und ausgebreitete Kenntnisse, tiefesEindringen in das Wesen der Religion, Fülle undSchärfe der Ideen und eine Lehr-gelchicklichkeit, die mit systematischer Anordnung der Materien Faßlichkeit, An-muth und Wärme verband, nicht absprechen konnten. Und welchem Leser desNeuen Test. sollte die unbescholtene Tugend, die Seelengröße, die echte Fröm-wigkdir und G'lsubenskksft. dir -us gllfn seinen Worten und Thaten hrrvo, leucht