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Achter Band. O bis Q.
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Peter I. (Kaiser von Rußland )

und besonders lebhafte Träume die Überspannung der Phantasie, baldiges Deliriumund überhaupt den angegriffenen Zustand des Nervensystems andeuten. Um deß-willen ist auch jedes Petechialfieber mit bedenklichen Zufällen begleitet und allezeitfür besonders gefährlich gehalten worden. Die ältern Ärzte haben die Flecken voneiner besondern Schärfe im Blute oder vielmehr im Blutwasser angesehen, welchevon salzigschwefligen und schleimigen, der Verderblich unterworfenen Stoffen imKörper herrührten, die aus demselben ausgeschafft werden sollten, anstatt dessenaber sich dem Blute beigemischt hätten. Andre haben sie für die Folge einer imKörper selbst erzeugten und auf die Haut abgesetzten Schärfe angesehen, haben siedaher für die Krankheit heilsam entscheidend gehalten und durch hitzige, schweiß-treibende Mittel hervorzubringen gesucht. Späterhin setzten manche Ärzte dieseFieber überhaupt ohne Unterschied in die Classe der Krankheiten von Schwäche, un-ter die fauligen oder unter die asthenischen Fieber und hielten die Flecken für ein zu-fällig erscheinendes Zeichen, wovon die Veranlassung größere Schwächung durchAderlaß, oder Erregung des Blutes durch hitzige Mittel, Verunreinigung des Blu-tes durch eingeschlossene Luft, zurückgehaltene Darmreinigungen oder vielleichtauch durch epidemische Beschaffenheit der Luft sei, und sie bestünden demnach ineiner bloß passiven AuSschwitzung des Blutes unter der Oberhaut. Es ist jedochwahrscheinlicher, daß die Flecken von einem activen und zwar entzündlichen Zustandein der Haut entstehen, namentlich in dem Gewebe der Haargefäße, welches dasNervensystem der Haut umgibt, und daß hier überhaupt der Herd der Krankheit zusuchen sei, von wo aus das ganze Gefäß- und Nervensystem gestört und angegriffenwird. Die Dauer des PetechialfieberS ist meistens 21 Tage. Die Petechien er-scheinen zuweilen bald, zuweilen erst nach den ersten 8 Tagen, und verschwindenallmälig wieder, indem sie immer blässer werden. — Eine ähnliche Erscheinung hatman den Petechien zur Seite gesetzt, welche jedoch einen sehr verschiedenen Grundhat. Dies ist die Blutfleckenkrankheit. Hier erscheinen gleichfalls aufderHaut des ganzen Körpers eine große Menge solcher platten, meistens runden, dun-kelrothen und blauen Flecken, von der Größe kleiner Linsen. Damit iü gewöhnlichviel Abgang von schwarzem, flüssigem Blute aus dem Munde oder mit dem Stuhl-gange verbunden, übrigens aber kein Fieber und kein bedeutendes Übelbefinden; dieFlecken erscheinen schnell, stehen aber lange; die Krankheit kommt häufiger bei Kin-dern vor, ist aber weder epidemisch noch ansteckend. Man hat sie zuweilen chroni-sche Petechien genannt und für den nämlichen Zustand, nur mit Mangel des Fie-bers gehalten, allein wol mit Unrecht, da sie mit jenen nichts gemein haben als diegeringe Ähnlichkeit der äußern Erscheinung der Flecken. ll.

P e t e r I. Alexjewitsch, derGroße,ZaarundKaiservonRußland, geb.zu Moskau am 36. Mai alten Styls (11. Juni n. St.) 1672, war das erste Kinddes Zaaren AleyeiMichailowitsch von seiner zweiten Gemahlin, Natalia Kirilowna,Tochter des Bojaren Narischkin. Mit einer kräftigen Gesundheit, einem richtigenVerstände und einer schnellen Fassungskraft begabt, zog P. sckon als Kind AllerAufmerksamkeit auf sich, und Zaar Alepei wollte ihn daher mit übergehung seiner 2ältern Söhne, des körperlich kranken Feodor und des geistesschwachen, auch fastblinden Zwan, zum Zaar ernennen. Doch die geistvolle und herrschsüchtige ZarewnaSophia, Aleyei's Tochter aus seiner ersten Ehe, wußte jede Verfügung zu Gunstenihres Halbbruders zu verhindern. Als aber Alepei's Nachfolger, Feodor 111.(1676—82), seinen noch unmündigen Halbbruder, mit Dorbeigehung ZwanS, wirklichzum Thronfolger ernannt hatte, so wurde P. nach Feodorg Tode von der allgemei-nen Versammlung der weltlichen und geistlichen Reichsbeamten zum Zaar ausgeru-fen. und selbst das Corps der Streichen schwor ihm den Eid der Treue. Zwar wußteSophia die Letztem durch das Vorgeben, daß Zwan von P. umgebracht, und selbstihre Auflösung beschlossen sei, zum Aufruhr zu reizen, und die aufgebrachte Rotte er-