425
Peter l. (Kaiser von Rußand)
stierte er durch ein glänzendes Fest die Schöpfung feiner Flotte, welche jetzt auS-11Kriegsschiffen bestand und mit 2106 Kanone» und 14,060 Matrosen besetzt war.Die Verhütung der Überschwemmungen, welche Petersburg im Herbste oft erlei-den mußte, die Fortsetzung des Ladogacanals, die Errichtung einer Akademie derWissenschaften ll. Febr. 1726), an welcher Leibnitz'S Rathschläge so großen An-theil hatten, hiernächst die fortgesetzte strengste Untersuchung und Bestrafung ent-deckter Staatsverbrechen, die Beförderung der Arbeiten der Gesetzcommiffion, dieStiftung des Alepander-Newskvordens, die Verbesserung des Mönchswesens, dieVerbannung dcrKapuzinerauS Rußland und ein neuer Handelsvertrag mitEchwe-den beschäftigten den großen Monarchen in den letzten Jahren seines glorreichenLebens. Während derselben verlobte er auch seine geliebte Tochter Anna dem Her-zoge von Holstein (24. Nov. 1724), nachdem er früher schon (18. Mai) aus Ach-tung und Dankbarkeit s. Gemahlin Katharina die Krone aufs Haupt gesetzt hatte.Auch ließ er dem Hinterbliebenen Sohne des unglücklichen Alerei eine Erziehung ge-ben , wie sie einem künftigen Kaiser Rußlands gebührte. Aber schon längst fühlteer mit den Schmerzen, die seit 1723 ein örtliches Übel (Strangurie) ihm verur-sachte , die Abnahme s. Kräfte; daher s. Trübsinn, der sich oft in starken Ausbrüchendes Unmuthg äußerte. Einem solchen Ausbruche ist wol zum Theil seine letzteStrafhandlung, die Hinrichtung des Mons , ersten Kammerherrn und Lieblingsder Kaiserin Katharina, zuzuschreiben, als deren Ursache er entdeckte Dienstverge-hen, Bestechungen -c. angab. Im Spätherbste 172) war er im Begriff, sich nachSysterbeck zur Besichtigung der daselbst angelegten Eisenhämmer und Gewehrfa-brik zu begeben, als er in der Abenddämmerung bei Lachta ein Boot, mit Solda-ten und Matrose» besetzt, aus einer Untiefe stranden sah. Als eine gesendete Scha-luppe das Book nicht zu lösen vermochte, ließ er sich selbst hinbringen, und da seinFahrzeug nicht ganz hinankommen konnte, sprang er, s. Übels nicht gedenkend, indas Wasser, wadete bis an das gestrandete Boot und half es lösen. „Die Arbeitermeines Münnich" (am Ladogacanal), sagte er zur Kaiserin, „haben mich geheilt;ich hoffe es noch zu erleben, daß ich mich mit ihm zu Petersburg einschiffe und zuMoskau in Golowkin'S Garten ans Land trete". Um dies zu befördern, mußtenunaufhörlich 25,000 M. arbeiten. Aber die Erkältung, die er sich bei Lachta zu-gezogen hatte, machte s. Zustand bald gefährlich. Auf alte Weise feierte er nochdas Neujahr 1725, ließ einen neuen Afterpapst wühlen und verordnete die Weg-reißung überflüssiger Eapellen und Wegschaffung der Bilder. Dies war seine letzteVerfügung. Eine chirurgische Operation blieb ohne Erfolg. Der Schmerz raubteihm oft die Besinnung. In hellen Augenblicken tröstete ihn der geistliche Zuspruchdes Erzbischoss Theophanes von PleSkow. In einem solchen Augenblicke gewährteer auf KatharinenS Bitten auch Menzikoff volle Verzeihung. Er wollte seine ge-liebte Tochter Anna sprechen; sie kam, aber der Kaiser war schon sprachlos. Dergroße Mann verschied (8. Febr. 1725) in den Armen s. Gemahlin, die ihn seitZ Nächten nicht verlassen hatte. Sie warf sich nebe» die entseelte Hülle nieder undbetete: „Herr! öffne dein Paradies und nimm diese schöne Seele zu„dir!" P.hatte 53 Jahre gelebt und hätte noch 40 I. nach dem Urtheil seiner Ärzte lebenkönnen, wenn er sein Übel nicht so lange verschwiegen hätte. „Wenn ein Monarchden Namen des Großen verdient", sagte Herder, „seist eS P.Alexiewitsch. Er warSelbsteinrichter und Haushalter s. Reichs, ein allenthalben umherwirkender Ge-nius, der hier anordnete, schuf und lenkte, dort anregte, lohnte und strafte, überallaus unermüdlichem Triebe Er selbst, nie durch ihn ein Andrer. Dieser Trieb, dieseGeniuskrast zeigte sich in s. kleinsten und größten Unternehmung, verbunden mitKlugheit, Entschlossenheit und auch «m wilden Zorne mit einer bald rückkehrendenBilligkeit und Menschengüte". Am Säcularfeste der Thronbesteigung P.'s wards. Denkmal von Falconek, P. zu Pferde einen Granitfels hinaussprcnaend, mit