438 Petrefakten Petrus (Apostel)
war ein Freund der h. Schriften (derenWerth er jedoch erst im reifern Alter recht ertkannte) und veröffentlichen Gottesverehrung, ein Mann von gewissenhaftem Wan-del. Man ersteht dies z. B. aus s. Testamente. Auch ehrte s. Herz, was s. Zeitalterfür heilig hielt. Darum fastete er gewissenhaft, vermachte einen Theil s. Vermögensden Kirchen, verehrte die Heiligen, insonderheit die h. Jungfrau (auf die er ein»schöne Canzone voll Demuth und Andacht dichtete) und die Reliquien. Rechnenwir zu jenen Zügen s. Geistes noch die Dankbarkeit gegen s. Lehrer, s. Anhänglich-keit an s. Gönner und s. Gefälligkeit gegen Jeden, dem er dienen konnte, so werdenwir uns die hohe Achtung, die er genoß, erklären können, zumal wenn wir bedenken,daß auch s. Äußeres ihn empfahl. Er war wohlgebildet, sehr gewandt in seinerJugend, auch höchst elegant in s. Kleidung is. „V.1I . vpttt.", IX), eitel, und spieltedie Laute. So vielumfassend s. Talente waren, so groß und gemeinnützig war auchs. Fleiß. Wir müssen ihn bewundern, daß er bei so vielem Lesen, so vielen Reisenund anderm Zeitverluste so viel geschrieben hat. In sein« späte Lebenszeit gehörts Reise nach Rom zur kirchl. Jubelfeier, die Wiedereinsetzung in seine verlorenenGüter durch die Stadt Florenz und vergebliche Einladung derselben zu Annahme«ner Lehrerstelle an der neuerrichteten Universität, sein Abgang nach Italien nachCleinenö's VI. Tode, s. ausgezeichnete Aufnahme bei Galeazzo Visconti in Mai-land und Karl IV. in Mankua, die durch ihn bewirkte und längst ersehnte Verle-gung des päpstl. Stuhls nach Rom unter Urdan 1361, und seine Vermittelung desFriedens zwischen den Carraras und Venetianern, 1313. P. starb 1314, vermuth-lich in der Nacht zum 18. Juli, aufbeut Dorfe Arqua beiPadua, wohin er sich zu-letzt zurückgezogen hatte. Man fand ihn früh entschlafen in s. Bibliothek, mit den»Kopse auf ein Buch gestützt. Sein Leichnam wurde mit einer vornehmen Beglei-tung zu Arqua feierlich beigesetzt, obwol er alleFeierlichkeiten verbeten hatte. Seinekostbare Büchersammlung harte er der Republik Venedig vermacht. Es ist aberNichts davon mehr vorhanden. Die Quellen s. Lebensbeschreibung sind meist seineeignen Schriften: s. „Briefe", s. sogen. „Geheimniß" und s. eigenthümliche „Zu-schrift an die Nachwelt" über s. Leben und s. Charakter. Don s. Biographen sind dievorzüglichsten der Abbö de Wade (ein Nachkomme der angebeteten Laura), Tira-boschi, Baldelli, Fernow, Wismayr, Ugo Foscolo u. A. Des Pros. Marsand zuPadua „Illbliotlx^.-S I't-lr.-irulie-n.-,", 960 Bde. zur Gesch. des Petrarca, derenDcrz. zu Mailand in 4. erschien, hat der König vonFrankreich 1829 für s. Prival-bibliothek im Louvre gekauft. t.
Petrefakten, s. Versteinerungen und Urwelt.
Petrobusianer, s. Sekten.
P e t r o n i u s. TitusPetronius Arbiter, ein wegen seiner Ausgelassenheitund Schlüpfrigkeit berüchtigter römischer Schriftsteller, ausMassilien geb., lebtean Nero's Hofe. Eine Zeit lang war er der Begünstigte des Kaiser « und soll vonihm als Anordner (,„ litte,) seiner üppigen Feste und Lustbarkeiten gebraucht wor-den sein. Allein auch er fiel zuletzt als ein Opfer der argwöhnischen Grausamkeitdes Tyrannen, auf dessen Befehl er sich selbst den Tod geben mußte. Wer die aus-schweifenden Wittenunddie Verdrehtheit der damaligen Römer kennenlernen will,der lese die Bruchstücke einer Wchrist („8.,lsrico,i libri"), worin P. in Prosa undVersen jene Schändlichkeiten schildert, und welche für die Sittengeschichte aller-dings Werth hat. Andre vermuthen aus mehren Anspielungen einen andern Vf.,der unter Commodus eine Zeit lang in Neapel lebte. Die beste kritische AuSg. hatP. Burmann geliefert (Leyden 1143, 2 Bde., 4.); eine neuere Anton, nach derBurmannschen Recension (Lpz. 1181); Übersetz, von Heinse (1113), Schlüker(1196) und Gröningen (1804). Die angeblich in der neuern Zeit aufgefundenenSupplemente sind unecht. » 8.
Petrus, der Apostel, hieß eigentlich Simon und war ein galiläischer Fischer