548 Pieiiwntesische Revolution
der königl. Truppen, um die Rebellion zu unterdrücken. Schon diese Erklärungnahni der Junta den Muth und die Kraft; die Absendung des Kardinals Murozzo,Bischofs von Novara , und des Grafen Bagraeco nach Motena bewirkte nureine Schürfung des königl. Befehls, am 23. März und am 8. April. In Turin behaupteten jedoch die Verschworenen ihren Einfluß: der östrerch. Gesandte mußteabreisen; man zog ein Heer zusammen, um die Lombardei zu besetze», und derRegent ernannte am 21. den Grafen v. Wanta-Rosa zum Kriegsminister. Abernoch in ders. Nacht entfloh derPrinz nach Novara , von wo er in das östreich. Haupt-quartier, dann nach Modena , and als hier der Herzog von Gcnevois ihm denHof verbot, nach Florenz sich begab. (Erst 1823 trat er wieder auf, focht alsFreiwilliger im franz. Heere gegen Spanien, und kehrte dann nach Turin zurück.)Er hatte am 23. der Regentschaft förmlich entsagt. Jetzt hielten der Minister desInnern, Ritter Dal Pozzo, und der'Abbä Marentini, Präsident der Junta, dasGanze nur mit Mühe noch zusammen; den kühnsten schritt wagte der Kriegs-minister. In einem Tagesbefehl vom 23. März erklärte er: der König sei als einGefangener Östreichs zu betrachten; alle Piemonteser sollten sich bewaffnen; dieLombarden würden sich anschließen, und Frankreich s. Beistand nicht versagen. Soging die Revolution ihren Gang fort. Auch in Genua , wo der Gouverneur GrafDeSgeneir am 21. die alte Ordnung wiederherstellen wollte, erzwing am 25. einTheil des Volks und der Truppe» die Beibehaltung der span. Constitution. Alleinbald schlug die Nachricht von der Zerstreuung des neapolitanischen Heeres in denAbbruzzen den Muth der Getäuschten völlig nieder. Da zeigte (nach Sama Rola'üErzählung) der russische Minister zu Turin , Graf v. Mocenigo, aus eignem An-triebe dem Ritter Dal, Pozzo und dem Abbe Marentmi die Hoffnung friedlicherVermittelung: „kein Östreicher solle Piemont betreten; man könne volle Amnestieund sogar ein Staatsgrundgesetz hoffen". Die Junta »ahm den Borschlag an; al-lein die Verschworenen in Alessandria verwarfen ihn. Unterdessen hatte sich, aufdes Herzogs von Genevois Verlangen, ein östrcich. Corps unter dem Grafen Bubnader Grenze genähert. General della Torre wollte jedoch, da sein Heer stärker warals das der revolutionnairen Partei, die königl. Gewalt in Turin , wo Viele dasneue System verabscheuten, ohne fremde Hülse wiederherstellen; allein der OberstRegiS zog ihm mit 4000 M. am 6. April entgegen, um vielleicht die königl.Truppen zum Abfall zu reizen. Della Torre ging daher nach Novara zurück, und dievon ihm vorgeschlagene Unterredung mir dem Obersten Regis fand nicht statt. Dennschon wußte della Torre, daß Bubna in der Nacht vom 1.—8. April über dcn Ticinogegangen, und während Regis sein Heer an den Ufern der Agogna lagern ließ, ver-einigte sich Bubna am 8. April früh 2 Uhr mit dem königl. Heere zu Novara . NachAnbruch des Tages erschien das Heer der Insurgenten vor Novara ; östreichischeund piemontesische Scharfschützen begannen den Kampf, und unterstützt von demGeschützfeuer des Platzes umging das dreimal stärkere austrosardische Heer denlinken Flügel des Feindes, worauf sich die Insurgenten fechtend zurückzogen undnach siebenstündigem tapfern Widerstände an der Brücke über die Agogna völlig auf-lösten. Am Abend dieses Tages kam General Guill. Daudoncourt von Lausanne in Turin an; er sollte die Reste des zerstreuten Heeres über Alessandria nach Ge-nua führen. 'Allein schon rückten die Sieger ohne Hinderniß gegen Turin vor. Da-her löste sich am 9. die Junta auf; Graf Santa-Rosa räumte die Citadelle, undam 10. zog della Torre in Turin ein. Am 11. und den folg. Tagen besetzten dieÖstreicher ohne Widerstand die Citadellen von Alessantria, Voghera, Tortona ,Casale, Vercelli, cLtradella und Valenza. In Folge des Vertrags zu Novara vom 14. Juli 1821 bezahlte die sardinische Regierung für 12,000 M. monatlich300,000 Franken und leistete die Verpflegung. Später ward die Zahl des frem-den BefatzungshecreS auf 5000 M. vermindert, und nach dem Vertrage zu Ve-