Band 
Achter Band. O bis Q.
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LV2

Plastisch

sie Blüthe ersi in der christlichen Zeit entfallen. (S. Antik und Modern.) Imeigentlichen Sinne kann die Plast k nicht bekleiden, denn ihr (Gebilde wird dann einin Falten gehüllter Block. Ein Gewand von Stein, Ei z oder Hol, erscheint imhöchsten Grate drückend, es ist kein Schleier mehr, ist ein Fels voll Erhöhung undVertiefung; wer die Augen schließt und lastet, der wird das Unding füh'en. Da-her konnte in keinem Lande, wo solche >Lleinkluinpen nothwendig waren, die Bild-nern gedeihen; ini Morgenlande, wo man den Körper als Geheimniß betrachtete,von dem nur das Antlitz und feine Boten, Hände und Füße, sichtbar waren, ebensowenig als in unserm, durch Sitte, Klima und Gesetz an dichte Körpeidüllen ge-wöhnten Abendlande. Nur bei den Griechen konnte echte schöne Plastik einheimischwerden; sie richteten sich nicht nach dem Üblichen, sondern nur nach Dem, washöherer Sinn federte; überdies war durch Sitte und Religion Vieles bei ihnengeheiligt, was Andern profan erschien. Bei dem siegenden Apollo mußte die Lastdes Gewandes zurückgeworfen sein, Laokoon war in der Wirklichkeit gewiß inPriestergewande gehüllt; sollte aber im unsterblichen Gebi'de diese arbeitendeBrust,sollten diese giftgeschwollenen Adern und ringenden Muskeln mit todten, starrenHüllen Überkleider werden? Philosophen konnten dstbt verhüllt da stehen, diesesollen ja immer nur Kops und Brustbild sein; so auch die ehisiirchtgebietendenMatronen und Götterköniginnen; eine unbekleidete Juno oder Niöbe würdeuns empören. Wo hingegen n chtö Religiöses oder Charakteristisches im Wegestand, wo Schönheit, Liebreiz und Jugend dargestellt werden sollten da bekleidete derGrieche nie. oder wo er es mußte, da wendete er femsi'nnig die nassen Gewänder an,welche die schöne Körperform durchschimmern ließen. Die Bildsäule steht alsMuster der schönen Form da, und in diesem Betracht ist Polrkl-t's Reg'l das blei-bendste Gesh für die Plastik des Menschen. Sowie es einen Sirich auf der Erdegibt, in welchem die schönste regelmäßige Bildung Natur ist, so gab Gott EinemVolke dieser, Erdstrichs Raum, Zeit und Muße, in Jugend und Lebenefreude dasWerk, das auü seiner Hand kam, ganz und rein und schön sich zu ertasten, und esin dauernden Denkmalen für alle Zeiten und Völker zu bilden. Diese Denkmalesind die classischen Werke ihrer suhlenden Hand. Am meisten zu bewundern ist ihrehohe Einfachheit; sie st-hen ststl, in sich g-schlossen und vollendet, wie GedankenGottes vor uns. Klein! ch zerknickt, zerfallet und von ängstlichen Erdenssigen zer-arbeitet, crsch int unS das lebende Geschlecht, wenn wir aus jener idealischen Göt-ter- und Heldenwelt unter dasselbe treten; jeder Einzelne tcheini jetzt mit so vielKraftaufwand nach einem mühevollen Dasein zu r.ngen, während jene still, klarund ruhig das Leben beherrschen. Umriß, Gestalt und Charakter ist bestimmt undin wenig Züg>n in ihnen angedeutet; sie bilde» einen geschlossenen Ste, »kreis vonIdealen, den die schreitende Sonne Jahr aus Jahr ein durchwandert; Etwas anihnen verbessern oder ändern wollen, wäre ein lhör chies, fruchtloses Streben. Da-gegen wäre es traurig, wenn die Malerei den einförmigen Charakter hätte; sie istdie reiche Zaubrweli Gottes auf einer Lichitafel. Nichts als das Licht macht ihreEinheit, aber diese ist groß und wundervoll bei allem Reize der Mannigfaltigkeit.Von Einem Lichtpunkte der stachen Tafel ergießt sich ein Strahlenmeer, dessenLichtpunkt jeden Gegenstand wie in »euer eigner Schöpfung bindet und vereint.Diese Zauberwelt ist einzig der Malerei eigen; die Bildsäule hat kein Licht, esbleibt unserm Sinne überlassen, es auf sie zu richten. Die wechselnden Strahlendes TageS, der scharfbezeichnende Fackelschein bei Nacht spielen mit ewig neuemReiz? um die ruhigen Gestalten, wie der bunte Wechsel irdischer Umgebungen umein klares, stilles, hohes Gemüth. Die rein plastische Kunst wird aus jeden empfäng-lichen Geist ungemein erhebend und beruhigend wirken. Auf das vollendetste Eben-maß, die harmonischsten Verhältnisse aegründet, die sich nirgends schöner auc-spre-chcn als in GottesLieblingsweik, der Menschengestalt und Mcnschenschönheit, be-