Band 
Achter Band. O bis Q.
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653
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Politische Arithmetik 653

heit auf beiden Seiten entstanden. Dagegen findet man dawo die Staateformso viel möglich dem Volksgeiste angemessen ist, und wo die Ldtaatskunst mit dem-selben in ihrer Entwickelung fortschreitet, die meiste Zufriedenheit. Ist Beidesnicht der Fall, so entsteht Trennung und Parleicnkampf, der entweder mit derVernichtung des Bürgerthums und Volkslebens oder mit einer Revolution en-digt. Doch wird die Politik, auch wenn sie in der Zweckmäßigkeit der Mittel ir-ren sollte, sich wenigstens vor Ungerechtigkeit und dadurch den Staat vor innererAuflösung sichern, wenn sie einen sittlich erhabenen Charakter behauptet. Daherzum Theil die lange Dauer der ältern Luaatsverfassungen! Der -Orient machtenämlich die Religion zur Seele der Staatsform; allein erpreßte beide in die Ka-stenordnung, dadurch schrumpften sie endlich beide zu einer Mumie zusammen.Zu Rom diente die Religion der Politik als Magd, und die «ptaarsform zerfielmit dem Gerüste des Aberglaubens. In Griechenland durchdrängen sich gegensei-tig ReligionSdienst und Staatsform, beide von Ideen beseelt, und aus diesemBunde entkeimte die solo,lisch -sokratische Bildung. Als die Gesetzgeber des franz.ConventS die Religion aus der polit. Ordnung ausschließen wollten, verletzten siedas Gesetz der menschlichen Natur, nach welcher die sittliche Freiheit mit dem bür-gerlichen Gehorsam nur durch religiöse Bildung verschmolzen werden kaun. DerVerstand der Gewalthaber wollte überhaupt in der neuern Zeit das Ganze nach ei-nem genau berechneten Mechanismus lenken; allein s. Sprungfedern waren Klug-heit und Eigennutz. In seinem Stolze wagte er sogar, Moral und Politik zutrennen, oder die ssgen. große Moral von der kleinen zu unterscheiden; daher jenesGewebe von List und Gewalt in der polit. Geschichte der letzten 3 Jahrh., seit derTheilung Neapels durch Ludwig Xll. und Ferdinand dem Katholischen bis zur Thei-lung Polens und bis zur Ausbildung des Continentalsystems. Convenienzpolitikin den äußern Verhältnissen; ein gröberer Sultanismus, oder ein feinerer Minr-sterialdespotismus in der Regierung des Innern: dies war nur zu oft der Charak-ter der neuern Staaiskunst! Endlich stellte 1815 die heilige Allianz (s. d.)den Grundsatz auf, daß die innere und äußere Politik christlich sein müsse. Indemselben Geiste erklärten die 5 Monarchen durch ihre Minister zu Aachen den 15.Nov. 1818, daß sie die Grundsätze des Völkerrechts zur einzigen Richtschnur ihrerganzen Elaatskunst machen wollten. So hat endlich die Diplomatie ausgespro-chen, was die Theorie schon seit Plato bis auf Kant (s. dessen „Ewigen Frieden ') be-wiesen hat. Möge die Geschichte einst bezeugen, daß die Regierungen ihr zu Aa-chen gegebenes Wort gelöst haben! Über das Verhältniß der Moral zur Politik s.man die Schriften von Garve, Berg, Ferguson und Droz. Über Politik sind Haupt-schriftsteller: Plato und Aristoteles, Cicero, Macchiavelli, Lipsius, BodiNi, Spino-za, Montesquieu, Friedrich der Große, Rousseau, Beccaria, Adam Smith , Acher,-wall, Schlözer , Luken, I. I. Wagner, Pölitz, v. Weber („Grundsätze der Politik",Tübingen 1821) u.A. Über die Politik in der Geschichte der trefflichsten Lehrerinin der Staatskunst, besitzt Deutschland 2 classische Werke in Heeren's „Ideen überdie Politik der vornehmsten Völker der alten Welt", und in s. „Handbuche der Ge-schichte des europ. Staatensystems". Auch Gibbon, Robertson, Ioh. v. Müller undv. Spittler gehen dem Denker mit der Fackel voran. Als historisch - politische Vor-rathskammer ist Flassan's „lliztoire cle lu iliplvmatie lV>>ucm5etNu." brauchbar,oft ein naives Sündenbekenntniß. (Vgl. Staatswissenschaften.)

P o l i t i sch e A r i t h m e t i k nennt man die Regeln, nach welche» ge wisse,auf politische Verhältnisse sich beziehende Thatsachen nach ausgemachten Ersah»rungssätzen berechnet und hinsichtlich des Grades der Wahrscheinlichkeit bestimmtwerden. Vie wurde zuerst in England, Holland und Frankreich bearbeitet, nw be-sonders die Berechnung der Leibrenten, bei welchen die wahrscheinliche Lebens dauerals Grundlage angenommen werden muß, sowie das StaatSschuldenwesen Anlaßzur Ausbildung dieser Wissenschaft gaben. Bei Heiraths«, Witwen-und Lmchen-