Band 
Achter Band. O bis Q.
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Portugiesisches Theater 751

rung mehr erhielten, und kein Gesetz ihnen das Eigenthum ihrer Geistesproducte zu-sicherte, so mußte nothwendig die unter der vorigen Regierung emporgekommen«Blüthe wieder vergehen. Der vorige König, als der noch Regent war, erlaubteendlich den Frauen wieder aufderBühne zu erscheinen. Bisher hat aber, der na-türlichen Anlagen einiger Schauspieler ungeachtet, die schlechte Declamationsartund der Mangel an dramatischem Unterrichte das portug. Schauspiel verhindel-t,sich aus seiner Erniedrigung zu erheben. Zwar kann man zu Liffabon einige ge-schickte Possenreißer antreffen; allein kaum gibt es in dieser Hauptstadt einen ein-zigen Schauspieler, der mit denjenigen des zweiten Ranges in andern großenStädten verglichen werden dürfte. Einige Ausnahmen abgerechnet, stehen die fürsTheater arbeitenden Dichter vielleicht noch unter den Schauspielern, welche ihreerbärmlichen Originalstücke oder Übersetzungen aus dem Deutschen, Spanischen undFranzös. darstellen. Da das Publicum sim langer Zeit gewohnt ist, nur schlechtgedichtete und schlecht vorgestellte Stücke zu schauen, sohates auch nicht jenes zarteGefühl erwerben können, wodurch es Dichtern und Schauspielern den wahrenWeg angeben konnte, den sie einzuschlagen haben, um zur Vollkommenheit zu ge-langen. Gründliche Gelehrte verachten dieNakionalbühne zu sehr, als daß sie sichernstlich damit beschäftigen sollten, und gehen zu ihrer Erholung lieber in die ital.Oper. Obwol mittelmäßig, gelten jetzt für die Ersten auf der lissaboner National-bühne: Ioao Evangelist« in den Centrorollen, Sebastigo Ambrosini in denGraciosorollen, Victor als ?>-tii msitre und Schöngeist, Theodorico als Greis.In der portug. Truppe zu Oporto , die noch schlechter als die lissaboner ist, zeichnensich aus: Josephs, in ernsthaften und leidenschaftlichen Rollen; IoseDuarte, imGreisen-und Centrofache; ManoelLuiz, im lehtern; Pomada, der Vater, alsGracioso ; Talassi, ein Mädchen, das ziemlich gut die gefühlvollen Rollen spielt.Die portug. Truppe zu Rio-Ianeiro zählt zu den Ihrigen Mariana TorreS, dieerste portug. Schauspielerin; sie zeichnet sich im leidenschaftlichen und tragischenFache aus; Manoel Alves, guter Schauspieler, vorzüglich in den Greisenrollen,worin ihn Kenner den guten fremden Schauspielern zur Seite setzen, wiewol er nie-mals anderswo als zuRio-Ianeiro gewesen ist. Der Schauspieler Pedrinho, dernach Brasilien berufen worden war, um daselbst die Bühne einzurichten, ist zuRio-Ianeiro gestorben; ihm hat man die Bildung der ersten dort aufgetretenenSchauspieler zu verdanken, die anfangs bloße Liebhaber gewesen waren; in dentragischen Rollen war er vorzüglich. Seine Tochter, Mlle. Ritka, that sich in lei-denschaftlichen Tharakteren hervor. Lissabon besitzt 5 öffentlicheTheater, nämlich:1) San-Carlos, das größte, schönste und am besten verzierte; es wurde auf Kosteneiner Gesellschaft reicher Kaufleute zu der Zeit errichtet, als die Schwangerschaftder Prinzessin (Königin Charlotte) dem Hofe kundgethan wurde. Der Polizei-Intendant Manique ließ das Project genehmigen, als Feier der Geburt einesKronprinzen. Eine lat. Inschrift unter dem Giebel erinnert an diese Veranlassung.Es wurde von Quadersteinen in Zeit von 6 Monaten errichtet; die Inaugurationhatte am Tage der Geburt der Prinzessin de la Beira, Maria Theresa , statt.Lange Zeit war es ausschließlich für die ital. Oper bestimmt. Jährliche Zulagenund vonheilhafte Privilegien setzten die Direction in den Stand, die schönstenStimmen Italiens herbeizuziehen. Für 1822 hatte ihm die Regierung IbMill.ReeS ausgesetzt. 2) Rua dos Condes; viel kleine? als S.-Carlos, ist es dochdie erste Nationalbühne und spielt nur portug. Stücke; hier haben auch immerdie besten Schauspieler gespielt; es hatte für 1822 einen Beitrag von 10 Mill.ReeS erhalten. 3) 4) Die Theater Salitre und Bairo alto sind noch kleinerund haben noch schlechtere Schauspieler. Man spielt Wechselsweise portug. undspan. Stücke. 5) Das Theater Boa-Hora zu Belem steht noch unter diesen letz-ter»; hier werden nur portug. Possen aufgeführt. Ein ans Theater Sasitre an-stoßender CircuS dient zu Stiergefechten; ein kleinerer Circus befindet sich auf dem