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Prosa
Gemüthsbewegung. Vollkommen ausgebildet und mithin der schönen Kunst ganzentsprechend und über das Gewöhnliche erhaben, erscheint j-doch die äußere Formnur dann, wenn sie das Schöne auch in der wohlgemessenen Bewegung der Worteverkündet. Die Ausnahme, welche heutigen Tages die Dichtung, welche wir Ro-man nennen, sowie mehre poetische Erzählungen und Schauspiele machen, hat wolvorzüglich darin ihrenGrund, daß ihr Stoffsich näher an das bürgerliche und wirk-liche Leben anschließt und mehr als jede andre Dichtung auf den jedesmaligen Zu-stand eines Volks hinweist. In der zuletzt angeführten, zweiten Beziehung nunhüt man die Prosa ungebundene Rede ssr.atio ruluw) genannt, wobei also zu be-merken ist, daß, so wenig als die Versification das Wesen der Poesie, so wenig aucht>e freiere, allgemrinereBewegung der prosaischen Darstellung dasWesen der Prosaausmachen kann, obwol sie sehr eng mit demselben verknüpft ist. Ja diese Eigen-schaft der Prosa ist die erste, woran die Profit sogar erkannt und von der poetischenDarstellung unterschieden worden ist, wie überall auf niedern Stufe» der Bildungdas Äußerliche und Auffallende zuerst aufgefaßt wird, und nach ihm du Dinge un,tei schieden und benannt werden. Denn selbst der Name Profit wird fast allgemeinhergeleitet von >>I»,S»;. sodaß zmosa (>>r>>i >a>) oru iio die vorwärtsschreitende, un-gebundene Rede bedeutet, entgegengesetzt der Versification, weil im Verse (vonvor5u°>, rückwärts, stammend) die gewählte Bewegung regelmäßig wiederkehrt,und so die Worte, nach einer bestimmten Regel der Bewegung gemessen, fortlau-fen; weßhalb auch Poesie gebundene Rede genannt wird, wiewol der Dichter sichnur aus freier Wahl bindet, selbst wen» er versisicirt. Ähnliche Bewan t >iß hat esm der Poesie der neuern Sprachen mit dem musikalischen Zusammenklänge, welchenman den Reim nennt, daher man auch die Prosa im Gegensatze LeS gereimtenVerses, nnewol unschicklich, ungereimte, reimlose Rede genannt hat. Aus 'Allemdiesen, und daraus, daß der poetische Gemürhszustand eine erhöhte und über dasGewöhnliche erhabene Stimmung der Seele ist, laßt sich auch begreifen, warumman die Prosa als die im menschlichen Leben vorherrschende Sprache oder Denk-weise ansieht und bezeichnet, welche zwar immer ausgewählt und gebildet, aberhauptsächlich ungezwungen und höchst natürlich sein muß. Hiermit hängt zusam-men eme andre Bedeutung jenes Worts, nämlich die materielle, in welcher mane nw die Wirklichkeit, besonders die gemeine (oder das gewöhnliche Leben), die Pro-sa, und Darstellungen, welche in dasselbe verfallen und das gemeine Leben gleichsamzu eopiren scheinen, oder sich über die gewöhnliche Art Zu denken und zu empfindennicht erbeben, prosaisch zu nennen pssgt. Dies ist ein vorzüglicher Tadel poeti-scher Darstellungen; denn die Poesie soll idealisch darstellen, der nächste und an-gemessenste Ausdruck dagegen für die Verhältnisse des gewöhnlichen Lebens ist dieProsa. Sonach kann nun aber auch die Prosa (als Form der Sprachtarstellungbetrachtet) in Hinsichi ihres Gegenstandes poetisch sein; die höhere prosaische Dar-stellung kann einen poetischen Sinn und Geist, eine poekischej d. h. eine, sowol überdie gemeine, sinnliche, als über die bloß verständige und abstracle Denkart erhabeneLebensansichr offenbaren; aber sie darf nicht die poetische und prosaische Form ver-mischen. In letzterer Hinsicht ist die sogen, poetische Prosa mir cine Zwikiergaikling.In Prosa macht sogar der häufige Gebrauch der Bilder die Sache verdächtig, undschadet der Klarheit der Darstellung, je mehr dieselbe Bestimmtheit der Begriffe fo-dert und die richtige Erkenntniß zum Zwecke hat; ja die i» ungebundener Rede er-künstelte Feierlichkeit des Verses bewirkt, was Kant mit Hugo Blair die losge-wordene Prosa nennt. Ferner ist der Unterschied des poetischen RhvthimiS und desprosaischen Numerus so entschieden, daß Verse, unwillkürlich und ohne geschickteVorbereitung unter Prosa gemischt, dieselbe ebenso periinstalten und die Aufmerk-samkeit stören, als prosaische Gedanken und Ausdrücke die Kraft des Verses schwä-che», wenn er auch noch so gur gebaut wäre. Ganz anders ist es mit der absicht-