Band 
Achter Band. O bis Q.
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908
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1)08 Protestantismus und Reformation (kath.)

obgleich es übrigens nicht an Theologen fehlte, welche die Unterschrlfiformel dersymbolischen Bücher: gui.i concorclunt cum naur:, reriptnru, in ein gaalonnsumwandelten. Allein es konnte nicht fehlen, daß diese Jnconseguenz des Prote-stantismus endlich öffentlich gerügt wurde, es geschah vorzüglich im 18. Jahrh.Man überzeugte sich, daß so manche positive Lehren der Reformatoren, obgleich indie symbolischen Bücher aufgenommen, falsch feien; so manche andre kath. Glau-benswahrheit, die die Reformatoren hatten stehen lassen, ward bestritten; es wardin Frage gestellt, ob aus der Schrift die Mysterien der Dreieinigkeit, der GottheitChristi u. s. w. folgen. Da Jeder das Recht hatte, die h. Schriften nach seinemVerständniß ausnilegen, so ward für gut gefunden, solche Wahrheiten nicht mehrin der Schrift zu finden, man protestirte immer mehr gegen das positive Christen-thum, und e« verflachte sich Alles immer mehr zu einem leeren Moralismus.Diese Erscheinung war eine wahrhaft unerfreuliche; das Christenthum ward durchdas Christenthum gestürzt, dem Protestanten ward der Trost des Lebens geraubt,die giftige Kälte jenes verneinenden Geistes zerstörte alle Blüthen inniger Religio-sität. Es fiel der Protestantismus als Kirchenglaube. Mit Schrecken gewahrtendies die Regierungen. Der Reichsfiscal ward excitirt, und es erschien das preuß.Religionsedict. Allgemein ward die Frage untersucht, ob die Landesherren unab-änderlich? Lehrvorschriften festsetzen dürfen, und ob der Religionslehrer seiner sub-jectiven Überzeugung oder den symbolischen Büchern folgen müsse; es war in derThat eine traurige Alternative, ein Lehrer zu sein, der wider s. Überzeugung in ei-ner frei forschenden Gemeinde reden soll, oder ein solcher, der das der Menge Werch.gewordcne durch Darlegung der Resultate seiner Forschung zerstören und der Ju-gend ein andres, als die Alte» geglaubt, beibringen soll. Selbst die Beschränkungder Religionslehrer in Ausftwechung ihrer Überzeugung konnte wenig helfen, da dasGeheimniß des kritischen, auch Neuprotestantisim.o genannt, in der Lesewelt baldverrathen war, und nur zu sehr, als der unposinven Richtung der Zeit schmeichelnd,bekannt ward. Wo die Religionslehrer öffentlich sich an die symbolischen Bücherhalten mußten, ward die Lehre des kritischen Protestantismus eine geheime fürdie Gebildeten, im Gegensatz gegen die öffentliche, die ossicielle Lehre. Bald aberhalte die geheime Lehre mehr die Gemüther durchdrungen als die öffenklche, und esstanden leer die Tempel. Diese Revolution des Protestantismus hat eme großeVeränderung in der Ansicht über den Werth der Bekenntnisse hervorgebracht. Denreligiösen Gemüthern war es schauderhaft, sich in eine ewig verneinende Kirche ver-strickt zu sehen, und doch war die Autorität der sich als eitel Menschenwerk darstel-lenden symbolischen Bücher unwiederbringlich durch Auffrischung dess lben Grund-satzes freier Selbstfoifchung, der die Reformation gebar, vernichtet und gar nichtherstellbar, da der Mensch sich den nothwendig unwillkürlichen Glauben an Autori-täten nicht gebieten kann. Diese trostlose Aussicht führte die Mehrsten dem Na-turalismus oder einer gewissen innern Religion des Gefühls in die Arme. Einzelneausgezeichnete Geister, die, ungeirrt durch der Dorunheile Decke, die Wahrheitschauten wo sie war, gingen zum Katholicismus zurück, namentlich Siolberg, F.Schlegel. Man hat diese Männer mit Haß verfolgt, gewiß mit Unrecht, da sieohne unlautere Nebenzwecke ihrer Überzeugung folgten und dadurch die Conseguenzund die Beruhigung erlangten, die ihre zerrissene Kirche ihnen zu geben nicht ver-mochte. Auf der andern Seite ward nachgerade die Wahrheit klar, daß unterVoraussetzung des kritischen Protestantismus zwischen den« lutherischen und refor-mirten Bekenntnisse keine wesentliche Unterschiede mehr bestehen, da ja beide Ver-zweigungen des dogmatischen Protestantismus mit diesem dogmatischen Protestan-tismus selbst nothwendig mit aufgelöst waren. Es konnte in der That nichts Kla-reres geben, und die dritte Jubelfeier der Reformation ward Veranlassung, daßviele Gemeinden, besonders in Preußen und Nassau, die Vereinigung der beiden