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Achter Band. O bis Q.
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Protestantismus und Reformation (kath.)

Bekenntnisse aufsprachen, wodurch als» die der Autorität der bisherigen symboli-schen Bücher widerstreitende geheime Lehre eine öffentliche ward. — In der neue-sten Zeit ist man indessen einigermaßen von den Verirrungen des kritischen Prote-stantismus zurückgekommen; man glaubt doch wenigstens an den meisten Ortenwieder an Christus und enthält sich von Accommodationen der Bibel. An einWiederaufleben des dogmatischen Protestantismus ist aber kaum zu denken, somitjedes Zugeständniß des kritischen Protestantismus rein precair. Zwar hat der Ar-chidlakonus an der St.-Nicolaikirche in Kiel, Klaus Harms , mit aller Kraft derBegeisterung und eines frommen über den Untergang der lutherischen Kirche er-schreckten Gemüths, für das lutherische Symbol gezeugt und geeifert, und Am-mon schloß sich ihm an und verdammte, insofern freilich conseguent, die Vereini-gung beider Bekenntnisse; ihm widersprach Schleiermacher mit der logischen schär-fe, die diesem Gelehrten eigen. Allein nie ist zu erwarten, daß die aufgelösten po-sitiven Bekenntnisse wieder die Religion der Menge wie der Gebildeten werden.

Daß diese neuern Um-und Durchbildn,igen des Protestantismus einen we-sentlichen Einfluß auf die Ansichten über Kirchenverfassung haben mußten, ist nichtzu läugnen. Schon in der Mitte des vorig. Jahrh, hatte Pfaff die Kirchengewaltder evangel. Fürsten — die man ihnen früher, sonderbar genug, als Nachfolgernder kaih. Bischöfe zugestand (Episeopalfystem), und die I. H. Böhmer aus wahr-haft heidnische Weise aus der landevherrlichen Gewalt abgeleitet hatte (Territorial-system)— auf eine stillschweigende Übertragung von Seiten der Gemeinden be-gründet (Collegialsystem). Es lag der Gedanke nicht fern, diese Gewalt zurückzu-nehmen oder gar die Übertragung derselbe» zu bestreuen; es sind demnach verschie-dene Vorschläge zu einer neuen Gestaltung der evangel. Kirche geschehen, die vondein Princip ausgingen, daß die Gewalt in der Gemeinde liege. Einzelne habenNachahmung kath. Versassungsformen, Kirchbvf sogar einen protestam. Papst —der freilich in einem Bekenntnisse, dessen Puncip Vereinzelung ist, ein wahressturs Mu-urie sein wurde — gefedert. Die Setzung einer neuen Verfassungwird freilich da geschehen müssen, wo sich aus dem alten Bekenntnisse ein neuesgebildet hat, wo sogar die Vereinigung der auch in ihren Verfassungsformen so ver-schiedenen Bekeniunisse ausgesprochen worden. — Als das tüchtigste Element imProtestantismus dieser Zeit niuß man wol den Mysticismus betrachten. Ist erzwar — wie jeder Mysticismus, den die Kirche nicht zu richten, zu veredlen, zuverallgemeinen weiß— unklar und häufig ins Narrenkhum übcrfaselnd, so wirddoch durch ihn das heilige Feuer der Vesta bewahrt, bis ihn, eine bessere Zeit undwürdigere Priester werden. — Die Polemik des Katholicismus gegen den Prote-stantismus mußte durch die veränderte Richtung des letzter» nothwendig eine andrewerden. Der Streit um einzelne UnkerscheidungSlehren ist hinfort nicht mehr we-sentlich , da es bei dem Verfall der positiven Bekenntnisse des Protestantismus nurnoch die Eine große Unterscheidungslehre gibt, daß jeder einzelne Protestant vernei-nen kann. Der Katholik vertheidigt sich dagegen durch Gelt ndmachung des we-sentlichen Begriffs der Offenbarung und religiöser Belehrung (s. Katholicis-mus), und er führt als den vollgültigsten Beweis für den Katholicismus die Ge-schichte von Geburt und Tod des dogmatischen Protestantismus an; er bezweifeltzwar nicht, daß der Kirche von Zeit zu Zeit Reformen nothkhun, und daß Unter-suchungen über noch unentschiedene ReligionSgegcnstände nothwendig und heilsamseien, aber er wird nie glauben, daß jeder Einzelne sich seine Religion bilden, daßder auch der kath. Religion inwohnende verständige Untersnchungsgeist ein eignesverneinendes Bekenntniß werden müsse. Die Polemik der Katholiken ist um Vie-les durch die neuern Begebnisse des Protestantismus erleichtert worden; die Kirchekann ihren Mitgliedern sage», wie die Protestanten selbst so manche der Uuterschei-dungslehren d. 1b. Jahrh, verlassen habe», wie ihre einzelnen Gemeinden nur un-