Quäker
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neuern Zeiten haken sie Glieder der Gemeinde, die sich oft im Predigen auszeichne-ten, beauftragt, dieses Geschäft in der Regel zu versehe», und zu Dienern der Ge-meinden ernannt, ohne dadurch die Freiheit Aller, zu predigen, wenn sie sich begei-stert fühlen, einzuschränken; auch bleiben solche Diener bei ihrem Gewerbe, underhalten nur, wenn sie es bedürfen, einige Unterstützung aus der Gemeindecasse.Ihre Predigten sind ganz kunstlos, und absichtlich vermeiden sie die bei andern Reli-gionsparteien hergebrachte dogmatische Terminologie. Die Verfassung der Quäker-gemeinden ist, zufolge ihres Grundsatzes, der Alle gleich macht, ganz demokratisch.Jede versammelt sich monatlich, um über ihre Schul-- und Wohlthätigkeitsanstal-ten, über die Aufnahme von Neubekehrten, über die Siktenzuct» und Bestrafungausgearteter Glieder, gegen die nur durch Verweise und Ausschlieüung verfahrenwird, und über die Erlaubniß zu Heirathen, die durch ein vor den Ältesten geleiste-tes Eheversprechen geschlossen werden, zu berathschlagen. Diese monatliche Ver-sammlung entscheidet auch in erster Instanz über die Streitigkeiten einzelner Glie-der, fübrt die kirchlichen Listen und wählt die, weder durch Besoldung noch durchandre Vorrechte ausgezeichneten, Beamten, die zur Erhaltung der Ordnung undArmenpflege beauftragten Ältesten, die Diener und ihre Abgeordneten zu den viertel-jährigen Versammlungen. Diese bestehen aus den Abgeordneten der Gemeindeneines Bezirks und bilden eine höhere Synode, welche die Beschlüsse der monatlichenbestätigt, die Berichte derselben zur Kenntniß der jährlichen bringt, Appellationenin zweiter Instanz annimmt und entscheidet, und die Vertreter des Bezirks zu denjährl. Versammlungen ernennt. Letztere sind für alle Gemeinden eines Landes diehöchste Instanz, üben in Sachen der Zucht, Verfassung und Sitte die gesetzgebendeGewalt, bevollmächtigen Apostel (Mifsionnairs) zur Ausbreitung der Lehre und ge-ben in Angelegenheiten und Streitigkeiten jeder Art die letzte Entscheidung. Sol-cher jäbrl. Generalversammlungen werden für die 7 Länder oder Provinzen, in wel-che die Sekte sich eingetheilt hat, gleichzeitig 7 gehalten, nämlich für die amerik. Quä-ker in Neuengland , wozuNeuhampsbire, MassachusetS, Rhode-Island undKonnek-tikut geboren, in Virginien, in Nord-.und Südcarolina, in Georgien , und für dieeuropäischen in London . Sie erhalten durch die Mittheilung allgemeine, Nachrich-ten über den Zustand der ganten Sekte und durch gegenseitige Unterstützung denZusammenhang aller Quäkergcmeinden; auch stehen unter ihrer Aufsicht die Ge-sellschaftscassen, welche den Aufwand der Gemeinden für ihre Belhäuser und mil-den Anstalten bloß aus dem Ertrag freiwilliger und meist sehr reichlich eingehenderBeiträge der Einzelnen bestreiken; denn da nach ihrer Lehre alle Mitglieder Geist-liche sind, hallen sie die Entrichtung von Abgaben an Kirchen und Geistlichkeit fürunerlaubt. Schon die aus diesem Grundsätze folgende Verweigerung des Zehntenund andrer Kirchengckühren mußte die Duldung der Quäker in christlichen Staa-ten, wo irgend eine Kirche die herrschende ist, schwierig machen; in ein noch größe-res Mißverhältniß mit der bürgerlichen Ordnung kommen sie durch die Eigenheitenihrer Moral. Diese ist, wie bei den Mystikern, sehr streng, sie untersagt ihnen un-bedingt dieAbleqüng des Eides, die Leistung von Kriegsdiensten und Kriegssteuernund den Genuß von Vergnügungen, welche die Sinnlichkeit reizen und Leidenschaf-ten erregen. Daher halten sie die Theilnahme an öffentlichen Lustbarkeiten, Thea-ter, Glücksspiele, Jagd, Tanz, Schmäuse und Trinkgelage, Luxus jeder Art, jaselbst den Handel mit Luxusartikeln und Kriegsbedürfnissen für unerlaubt, unddie Übung der schönen Künste wenigstens für gefährlich. Wegen der biblischen Vor-schrift: „Achte nicht das Ansehen der Person N glauben sie von den Pflichten derüblichen Höflichkeit entbunden zu sein, nennen alle Menschen ohne Unterschied desRanges Du, verweigern den Gebrauch der Titel und nehmen vor Keinem den Hutab. Eine bestimmte Kleiderordnung, die den Anzug auf das Nöthige beschränktund den Männern Hüte mit breiten herabhängenden Krempen und dunkelfarbigeConversations-Lericon. Bd. VIII. 61