876 Quecksilbermittel
kommene Qtiecksilberkalke, nur daß der zuletzt niederfallende weiße Niederschlag nocheinen geringen Antheil von Salpetersäure behält. Der Vorzug des ganz schwarzenQuecksilberkalks besteht in der größern Sicherheit und Milde seiner Wirkung. Erist aber nicht im Wasser, sondern nur in Essigsäure aufiöslich. Die Auflösung desQuecksilber« in Salzsäure geht nur im verkalkten Zustande vor lieh; in diesem Zu-stande hat aber das Quecksilber nähere Verwandtschaft zu der Salzsäure als zu a.Säuren, daher es sich, wenn es in Vermischung zur Salzsäure kommt, aus allen a.Verbindungen trennt und mit dieser vereinigt. Die Verbindung des Quecksilber«mit der Salzsäure gibt das salzsaure Quecksilber (moiauriu; mlilu, oorro-ivu«),welches gemeiniglich auch ätzender Quecksilbersriblimat (mereuri», «nb>i»wtu»eorrosivus) genannt wird. Er ist das schärfste, ätzendste, am schnellsten zerstörendeunter den Quecksilbermitteln, und daher eins der aklerstäcksien Gifte. Er ist einvollkommenes Metallisches Mittelsalz, in 16 — 20 Theilen kalten und schon in 3Theilen siedenden Wassers aufiöslich. Er wird äußerlich in Auflösungen auf man-cherlei Weise, für sich allein und in Verbindung, angewendet. In der Mischung ei-ner Auflösung desselben in Wasser und mit Zusatz von Kalkwasser, dem sogen, pha-gadänischen Wasser, wird die Säure von dem Kalke weggenommen, das Quecksil-ber fällt als ein gelber Quecksilberkalk zu Boden. Wird das Quecksilber aus seinerAuflösung in Salzsäure durch flüchtiges LatiAensalz abgeschieden, so fällt es als einweißer Qvecksilberkalk zu Boden, dem noch Salzsäure und etwas flüchtiges Laugen-salz anhängt, und welcher nierauriu» Pi!>oci>>it.ttii5 alliu», weißer Quecksilbernie-derschlag, weißer Präcipitat genannt wird. Er ist zwar weniger ätzend, als der Su-blimat, aber in s. Wirkung nicht gleichförmig, daher der innerliche Gebrauch nichtsicher. Er wird deßhalb bloß äußerlich in Salben angewendet. Wird die im Subli-mat enthaltene Säure mit hinzugesetztem Quecksilber gesättigt, so entsteht ein ganzneues Erzeugniß, dem die Alten den Namen: mercuriu-rluirft. versüßtes Quecksil-ber, die Neuern: mildes salzsaure« Quecksilber, gegeben haben. Es wird durch innigeVermischung von 3 Theilen metallischen Quecksilbers mit 4 Theilen ätzenden Queck-silbersubsimacs durch lang anhaltendes Reiben und nachherige Destillation und Sub-limation verfertigt. Es ist im Wasser sehr schwer aufiöslich, indem ein Theil davon1200 Th. Wasser zur Auflösung erfodert. In s. Wirkung ist es viel milder als derSublimat, zum innerlichen Gebrauche sehr wirksam, und dabei eins der sicherstenQuecksilbermitiel. Die ältern Chemiker glaubten, es durch mehrmalige Destillationund Sublimation noch milder machen. Wurde es 6 Mal, jedesmal mit dem Zu-sätze von etwasmetallischemIQuecksilbcr, sublimirt, so bekam es den Namen Talo-mel, (.ülomols.-, sehr uneigenilich, weil diese Benennung zuerst dem uetbinps mi-ucralis wegen seiner schwarzen Farbe beigelegt wurde, das versüßte Quecksilber hin-gegen weiß aussieht. Man ließ es auch wol 12 bis 16 Mal ohne Zusatz von Queck-silber sublimiren und nannte es alsdann Quecksilberpanacee (z>i>»r>ce!> »wiour'm-Ift). Durch diese öftere Sublimation wird es aber nicht milder, sondern wiederschärfer und ätzender. Die Verbindung des Quecksilberkalkes mit Phosphorsäuregibt das phosphorsaure Quecksilber, das im Wasser unauflöslich und ein mildesQuecksilbersalz ist, das, wie die andern milden Quecksilbermitiel, zum innern Ge-brauch angrwendet werden kann. Es wird indessen durch jene Mittel überflüssig,ebensowie das essigsaure und weinst,insaure Quecksilber, welche beide sonst dieGrundlage verschiedener Geheimmitkel gegen die venerische Krankheit ausmachten,jetzt aber ziemlich in Vergessenheit gekommen sind. Die Wirkungen der Mercu-rialmittel auf den menschlichen Körper sind zwarim Grade verschieden, je nachdemsie mit Sauerstoff oder mit Säure verbunden, als Kalke, als milde oder als MarseSalze erscheinen , doch konimen sie in der Art ihrer Wirkung alle übercin. Wennsie nämlich in nähere Berührung und Zusammeuwirkung mit dem Körper gebrachtwerden, so zeigen sie eine Neigung, den Zusammenhang der organischen Faser, die