Quecksilbermittel 977
Coh.'sion, aufzuheben, die plastische bildende Kraft zu vernichten. Die bildendeKraft im Organismus ist eine Äußerung der organischen Naturkraft oder der Le-benskraft in der untersten Sphäre der Wiedcrerzeugung. Indem nämlich die thie-rische (Gallerte des Blutes durch Verbindung mit Oxygen zur Hähern Lebensquali-tät gehoben worden ist, geht diese in dem Haargefäßsystem in Gerinnung, die ersteorganische Gestaltung, den Zellstoff, über, welcher sich in den verschiedenen Orga-nen zur Ausbildung oder zum Ersatz der abgesonderten Theile ansetzt. Die Stärke,mit welcher diese erste organische Zeitform zusammenhält, ist die Cohäsion. Dieinnere Nakureigenschaft dieses unter den Metallen mit der geringsten Cohärenz ver-sehenen Metalls geht schon im Metallreiche selbst auf Vernichtung der Cohäsionderselben und Auflösung. Soll es aber diese Eigenschaft auch auf den lebendenOrganismus äußern können, so muß es selbst durch Verbindung mit dem Orygenauf eine höhere Stufe des mineralischen Lebens gesetzt werden, wodurch seine innereKraft erst aufgeschloffen und regsam, und nun erst fähig wird, auf den lebendenOrganismus zu wirken, gleichsam begriffet in der kleinsten Masse seine innere Kraftzu offenbaren, und Auflösung der Cohäsion, Vernichtung der Bildungskraft desOrganismus zu bewirken. Das Verdauungssystem, besonders das ihm zugehörigeSpeicheldrüsensystem, hat die Neigung, die äußern Stoffe durch Auflösung undVernichtung ihrer Cohäsion und innern Eigenschaft, und durch Zersetzung in ihreeinfachen Bestandtheile zur neuen organischen Lebensform fähig zu machen. DieseOrgane haben daher unter allen die nächste Verwandtschaft zum Quecksilbermittel.Da nun diejenigen Stoffe, welche von der Assimilation nicht bezwungen werden,sondern durch Verbindung mit Oxygen schon auf einer höhern Stufe des Lebensstehen, ihre innere Kraft in höherm Grade auch im Organismus behaupten, unddie ihnen verwandten Functionen dadurch verstärken: so folgt hieraus, daß auch dieQuecksilbermittel auf das Speicheldrüsensystem vorzüglich erregend wirken, undeine ungewöhnliche, übermäßige Thätigkeit, die Neigung, Alles in lymphatischeund speichelartige Flüssigkeit zu verwandeln, erregen müssen. Diesem gemäß beob-achten wir auch die Wirkung der Mercurialmittel an und in dem lebenden Körper.Wird ein solches Mittel, zumal eins von den heftiger wirkenden, in concentrirterForm an eine Stelle des Körpers gebracht, so wirkt es ätzend und zerstörend aufdieselbe; daher es in den Magen gebracht, als wahres ätzendes Gift tödtet. Inkleiner Gabe und anhaltend gebraucht, erregt es zunächst eine Verminderung derorganischen Cohäsion, und Beschränkung der Bildungskraft des Organismus. Beiweiterer Fortsetzung des Gebrauchs wird das Zahnfleisch, die Zunge, die innereBekleidung der Wangen , lockerer, aufgeschwollen, es entsteht Hitze im Munde,metallischer Geschmack, übelriechende Ausdünstung aus demselben, vermehrte Ab-sonderung des Speichels, die immer mehr überhandnimmt, endlich so übermäßigwird, daß diese Flüssigkeit ununterbrochen aus dem Munde läuft. Dabei entstehenAbsonderungen der innern Haut, oberflächliche Geschwüre, die schnell um sich grei-fe», Losstoßung der Zähne, Aufgedunscnheit des ganzen Gesichts. Würde nochimmer das Einbringen der Quecksilbermitrcl fortgesetzt, so würde endlich Alles inspeichelartige Flüssigkeit aufgelöst, die Cohäsion und organische Wiedererzeugungwürde gänzlich vernichtet werden, und der Tod erfolgen. Diese mächtige Wirkungder Quecksilbermittel macht sie nun in denjenigen Krankheiten zu einem Heilmittel,in welchen die Cohäsion zu stark, die Bildungskraft in der Sphäre der Wiederer-zeugung entweder allgemein oder örtlich auf eine ungewöhnliche Art erhöht oderausgeartet ist. Das Quecksilber ist das einzige recht eigne Mittel gegen die veneri-sche Seuche und deren Ausbrüchc verschiedener Art. Die Ärzte der ältesten Zeitkannten feinen Gebrauch als Heilmittel nicht. Erst die arabischen Arzte wandten esin Salben an. Von diesen kam eS ün 11. Jahrh, zu den Europäern, welche durchEinreibungen der Quecksilbersalben einen Speichelfluß und dadurch Heilung her-Conversalivns-rexicon. Bd. Vllk. 62