Band 
Achter Band. O bis Q.
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QuietiSlnus

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bei dieser Art von Religionsübung nöthig war, mit neuem Eifer der Mystik zu, diedem Gefühlvollern schon sonst Zuflucht und Nahrung gewahrt hatte, wenn Allesin den Formen der Kirchlichkeit zu erstarren schien. Der geistliche Wegweiser, ,,6»i>laspiiituale", ein Erbauungsbuch, das Michael MolinoS , ein spanischer Weltprie-ster, 1675 zu Rom herausgab, entsprach diesem Bedürfnisse. MolinoS redetedarin von der Ruhe eines gänzlich in Gott versunkenen Gemüths, das aller andernGedanken und Gefühle ledig, von keiner Thätigkeit nach Außen gestört, nichts alsdie Nähe Gottes empfinde, mit einer Entzückung, die seinen frommen Phantasienbald viele Freunde verschaffte. Nach st wer Anleitung suchten nun die Andächtigenlediglich diese Gemüthsruhe (guiei, daher der Name O.uietismus und O. uieti-sten, griech. Hesychasten), und man würde es ihnen nicht gewehrt haben, wenndabei nicht jene von der Kirche und den Mönchsorden begünstigten Andachtsübun-gen in Gefahr gekommen wären, überflüssig zu scheinen. Der sranz. Hof setzte esbeim Papste durch, daß MolinoS seine Irrthümer abschwören und sein Leben untertäglichen Bußübunge» in einem römischen Dominicanerkloster beschließen mußte(st. 1696). Dieser Gewaltschritt hinderte jedoch keineswegs die Verbreitung desO.uietismus. Der geistliche Wegweiser wurde in Deutschland und Frankreich , woman durch die Schriften der Bourignon (s. d.), PoiretS und der Pietisten "or-bereitet war, fleißig benutzt, und erzeugte bald eine Menge Erbauungsbücher ingleichem Geiste. Schon im 14. Jahrh, nannte man eine Art von Mönchen Hesy-chiastensauch >imbi!i->»i>ni), welche amBergeAthos nach der Vorschrift eines AbtsLiiiieoii im steten Gebete lebten. — Die berühmteste Pflegerin des sranz. O.iiie-tisnius war eine ani Hofe Ludwigs XIV. beliebte, schöne und reiche Witwe, Ioh.Maria Bouvier de la Mothe Guyon, welche u. d. N. der Madame Guyon alseine liebenswürdige Schwärmerin von mehr Einbildungskraft als Verstand bekanntgeworden ist. Ihr Beispiel, ihre Betstunden, ihre salbungsvollen Schriften unddie Bemühungen ihres Beichtvaters Lacombe gewannen ihr Anhänger genug, umdie Geistlichkeit aufmerksam zu machen. In der That gerieth man in Versuchung,eine junge Frau für verrückt zu halten, welche sich für das schwangere Weib in derApokalvpse (K. 12, V. 2) hielt und in ihrer eignen Lebensbeschreibung von sichsagt, sie sei oft von einem solchen Übermaße der Gnade erfüllt, daß sie im buchstäb-lichen Sinne bersten wolle und ihre Kleider auflösen lassen müsse, worauf denndiese Gnadenfülle sich über Die, die ihr diesen Dienst leisteten, ergieße. Lacombe wurdeals ihr Verführer verhaftet und starb 17 02 zu Paris in, Gefängnisse, die Guyon selbstaber kam nach einer kurzen Einsperrung wieder in Freiheit und zu der Ehre, an denBetstunden der Maintenon in St.-Cyr Theil zu nehmen. Der Streit schien daherabgethan, als Fönelon (s. d.) in der Guvon eine Geistesverwandte zu erkennenglaubte, und ihr und ihren Schriften in seiner „Ifxplica'ic,,, ckc- inaxiriios cke5tü.nii- !,ne I > >ie intkiieiix'" (1697) das Wort redete. Der Zutritt eines so be-deutenden Mannes, dessen AndachtSbücher Frankreich mit Begeisterung aufnahm,gab dem O.uietismus neues Gewicht und dem Verfechter der sranz. Theologen,Bossuet , Gelegenheit, diesem beneideten Nebenbuhler eine Beschämung zuzuziehen.Bossuet erwirkte 1699 ein päpstl. Breve, in dem 23 Sätze aus F> n>4o»'s Bucheals irrig verdammt wurden; aber die selbst in Rom bewunderte Sanstmuth, mitder sich dieser unterwarf, brachte seine Gegner um die Früchte des Sieges, sodaßnicht die Gewalt, von der die Guyon (starb 1717) eine zweite kurze Gefangenschaftzu erleiden hatte, sondern nur der veränderte Zeitgeist den O.uietismus allmälig inVergessenheit brachte. Eine Sekte batte er ohnehin nie gebildet, sondern sich nureinige Iahrzehende als das Thema vielgelesener Erbauungsbücher und als die eigen-thümliche Denkart einer Parrei unter den Frommen behauptet. Aus F< twlon'SBuche, worin der O.uietismus am deutlichsten dargestellt ist, lernt mau ihn als eineharnilose Schwärmerei kennen, deren nur phantasiernche, überspannte Seelen fähig