294 Richelieu (Armand du PlessiS, Cardinal , Herzog v.)
LuyneS 1K2l gest. und der bisherige Minister Marquis v. Vieuville gestürzt war,1824 in den Staaisrath ein, und bald stand R. an der Spitze der Vermal-,lung. Jetzt glaubte der Premierminister, die bisher getragene Maske gegendie Königin, die er gleichsam nur alsM.ttel zu seiner Erhaltung betrachtete, ab-nehmen zu können, und zu spät bereuteMaria denLdchuh, den sie ihm hatte ange-deihen lagen. Das Anschließen dieser Fürstin an das System des Hauses HadS-b wg war Frankreich nachthcilig. Fastalle Könige von Frankreich, auch Heinrich IV. ,harren mit Recht den Grundsatz eines steten Entgegenstrebens wider jenen mächti.gen Herrscherstamm befolgt. R. war daher kaum zu seinem hohen Posten gelangt,als er unerschütterlich folgerecht den Plan durchzuführen anfing, die Macht desfranz. Königs durch völlige Unterdrückung der Vorrechte der Vasallen im Innernund durch Untergrabung der Macht des Hauses Habsburg , jenseits der Pyrenäensowol als in Deutschland, zu unumschränkter Höhe zu erheben. Ludwig X. lll.erkannte die Kraft seines Ministers und begünstigte diesen Plan, während erselbst mit stetem Widerwillen den Mann betrachtete, den er gern vernichtet hätte,wenn er ohne ihn hätte regieren können. Die Parkei der Reformwten (Huge-notten) in Frankreich war seit lange ein der königl. Gewalt mächtig widerstrebenderKörper gewesen, und die blutigen Auftritte unter mehren vorhergehenden Regie-rungen waren sämmtlich aus dem Kampfe dieser für bürgerliche und Gewissensfrei-hest streitenden Menge gegen die herrschende weltliche und kirchliche Macht entstan-den. Zwar hatte Heinrichs l V. Weisheit und Milde die erbitterten Gemüther ver-eint, aber zu kurz war des guten Königs Regierung, um den unter der Asche glim-menden Funken ganz zu ersticken. Nur zu oft war der Kampfum Religionsfreiheitfür die Großen und selbst für die Prinzen des königl. Hauses der Verwand zu Er-reichung ehrgeiziger Absichten gewesen, und die eine oder andre Parkei des Reichs,Katholiken sowol als Reformirte, waren immer, je nachdem sie ergriffen wurden,eine mächtige Gegenstrebe gegen den Despotismus der Herrscher. R. suchtedaher die minder mächtige, nur geduldete, durch die größere Partei völlig zu un-terdrücken und dadurch Denen, die seinen Absichten sich widersetzen konnten, dieHauptstütze zu rauben. Durch das Evict von Nantes war den Hugenotten einefast gleiche Freiheit mit den andern Unterthanen des Königreichs gesichert worden;es gab ganze Bezirke, in denen sie fast ausschließend herrschten, und die Waffen-macht, die sie besaßen, war hinreichend, den Thron zu erschüttern, wenn sie ge-gen ihn erhoben wurde. Sie hatte ihren M.ttelpunkt in Rochelle; Richelieu säumtedaher nicht, jedes Mittel anzuwenden, diese Stadt ihnen zu entreißen. In derberühmten Belagerung von Rochelle befehligte er selbst die Armee -, Angriff sowolals Vertheidigung dieses Platzes werden als ein Muster von Kriegskunst, Tapfer-keit und Beharrlichkeit in der Geschichte betrachtet. Von England unterstützt, dasder belagerten Seestadt immer neue Hülfsquellen eröffnete, widerstand Rochellelange Zeit den Bemühungen des Cardinal;, und schon verschwand die Hoffnung,es zu erobern, als R. durch einen ins Meer hinauSgebauten Damm den Be-wohnern der Stadt die Hülfe von der Seeseite abschnitt und endlich durch Hun-ger sie zwang, sich zu ergeben (1829). Der zweite Schritt, den R. that,war, die Königin Mutter voin Hofe zu entfernen. Diese Fürstin wollte ihn stür-zen. E-S gelang ihr in einer geheimen Unterredung, den König gegen den Cardinaleinzunehmen, da trat R. in das Cabinet; die Königin überschüttete ihn mitVorwürfen. Er blieb ruhig, bat, weinte und ersuchte endlich den König selbstum die Erlaubniß, den Hof verlassen zu dürfen. Schon traf er Anstalten zur Ab-reise. Allein dem Könige hatte der Zorn seiner Matter eben so sehr mißfallen, alsihm das ehrfurchtsvolle Betragen des CardinalS gefiel. Er fragte daher seinen Lieb-ling St.-Simon um Rath. Dieser überzeugte ihn von den Verdiensten und derUnentbchrlichkeit R.'s, worauf Ludwig den Cardinal sogleich zu sich nach Versailles