Band 
Zehnter Band. Schw. bis Sz.
Seite
473
JPEG-Download
 

473

Sparta

Lacedümon. MenelanS hinterließ nur 2 uneheliche Söhne, Nikostratns undMegapenihes; die Lacedamonier wühlten daher Agameninon's Sohn, Orestes ,welcher Menelaus'S Tochter, Hermione , geheirathet hatte, zum Könige, unddieser vereinigte Argos und Mycene niit s. neuen Reiche. Unter seinen« Sohneund Nachfolger, Tisamenus, ward Lacctüuion von den Herakliden um 1080 v.Chr. erobert, welche daselbst eine Dyarchie (d. h. eine Regierung von 2 Königen)errichteten. Da nämlich über die Erstgeburt der beiden Zwillingssohne des Aristo-demus, Eurysthenes und Prokles, weder die Mutter noch das delphische Ora-kel, entscheiden wollten, so bekamen beide Lakomen, welches eine Provinz vonLacedümon war, nachher aber auch für dieses selbst genommen wurde, gemein-schaftlich, und es ward bestimmt, daß auch ihre Nachkommen vereint herrschensollten. Einstweilen standen sie unter der Vormundschaft ihres mütterlichenOheims, Theras. Indessen hatten die Lacedamonier wenig Ursache, sich überdie Ankunft dieser Fremdlinge zu freuen, deren wilde Tapferkeit, unter 7 Regen-ten aus den beiden Häusern, in einem Zeiträume von beinahe 200 Jahren dasganze Land verwüstete, und sich ant Ende selbst aufrieb. Die 7 Regenten unterden Eurysthcniden hießen: Eurysthenes, Agio (daher die Nachfolger, Ägiden),Echestratus, Labotas, Doryssus, Agcsilau» und Archelaus; die der Prokltdenwaren: ProkleS, Sous, Eurypon (daher die Eurypontiden), Prytanis, Euno-mus, Polydektes und Charilaur. Diese Könige lebten nicht allein mit ihren Nach-barn, besonders mit den Archivern, in steten Kriegen, sondern behandelten sichauch unter einander feindselig. Schon Eurysthenes und ProkleS waren nie einig,und diese Zwietracht trug sich auch auf ihre Nachkommen über. Die Folge davonwar, daß die königl. Gewalt geschwächt, die des Volks dagegen immer größerwurde. Aus einer beschrankten Monarchie, oder vielmehr Dyarchie, ward inKurzem eine verworrene Ochlokratie. Jetzt ward, zum Heste von Lacedümon,Lykurgus (s. d.) geboren. Er, der einzige Mann, zu welchem jetzt alle Par-teien Zutrauen hatten, gründete daher, selbst unter dem Beistande der Götter,deren Orakel er hatte befragen lassen, eine neue StaalSverfassung in Lacedümon(gegen 880 v. Chr.), und ward durch s.Gesetzgebung der Wiederherstellet' s. Vater-landes. Lacedümon erhielt durch ihn neue Stärke, welche eS bald in den Kämpfengegen s. ?chchbarn bewährte; vorzüglich in den beiden langwierigen Kriegen mitden Messeniern, die (688 v. Chr.) imt der Unterjochung dieses tapfern Volks endig-ten. Endlich erlangte Sparta unter s. Könige LeonidaS (s. d.), dm'ch dessenKampf bei Thermopylä (180 v. Chr.) gegen die Perser, den höchsten Rührn unddie Achtung aller griech. Völker so, daß selbst Athen er sich gefallen ließ, denSpartanern den Oberbefehl über alle verbündete griech. Völker, sowol zu Landeals zu Wasser, zuzugestehen. In der That stellten auch die Spartaner in dempersischen Kriege eine ansehnliche Landmacht auf, welche, in Vereinigung mitAihen und den übrigen griech. Bundesgenossen unter Anführung des Pausani-as (s. d.), der für den jungen Plistarch (des LeonidaS Sohn) die obervormund-schaftliche Regierung führte, die berühmte Schlacht bei Platää (179 v. Chr.) ge-wann. An demselben Tage schlug das griech. Heer und die Flotte unter Anfüh-rung des spartanischen Königs Leotychideö und des atheniensischen Feldherrn Pan-tippus die Perser bei Mykale zu Lande, und vernichtete die feindl. Flotte. Seit-dem Spartas politische Macht sich erhoben hatte, sing auch das gesellschaftlicheLeben an, sich auszubilden. Zu gleicher Zeit ward die Gewalt der Könige sehreingeschränkt, wogegen die Ephoren die ihrige immer weiter ausdehnten. Nach-dem Persien besiegt war, feindeten die an den Krieg gewöhnten Staaten sich un-ter einander an. Bcsonders ging Spartas Eifersucht gegen Achtn so weit, daßdie Lacedämonier es wagten , untrr dem Doi wände, die Perser möchten bei einemneuen Kriege einen haltbaren Ort in Grüchenland sinden, Athen von der Auf-