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Zehnter Band. Schw. bis Sz.
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Sprache (Ursprung und Ausbildung)

Sprache war, insofern sie Begriffe und Vorstellungen zum Gegenstände harre,bloße Gebärdensprache. Sowie das Kind durch das Ausstrecken der Arme seinVer langen, durch Schlagen, Stampfen und Abwenden des HauptS seinen Un-willen, durch Zeigen mit dem Finger den Gegenstand seiner Aufmerksamkeit an-deutet, so bedienten auch die ersten Menschen sich der Gebärden zur Mittheilung.Die ursprüngliche -Schriftsprache war daher auch keine schriftliche Wortsprache,d. h. eine solche, wodurch arkieulirteTöne ausgedruckt wurden, sondern es war eineBilderschrift, eine schriftliche Gebärdensprache, welche dem Auge die Vorstellun-gen und Begriffe unmittelbar anschaulich machte. Der Stimme bediente man sichbloß zum Ausdrucke der Empfindungen oder zur Darstellung solcher Gegenstände,die mehr durch das Gehör als durch die Augen bemerkt werden, und hiermit be-ginnt die Sprache im engern Sinne, von deren Ursprung nun die Rede sein soll.Wenn wir diese eine durch eigne Organe bewirkte Gliederung der Töne nennen,wodurch Gedanken, Gefühle und Empfindungen mitgetheilt werden, so glauben,wir dadurch eine richtige Erklärung gegeben zu haben. Kein Ton wird zürn Wort,bis er durch die Zunge, die Lippen, die Zähne und den Gaumen die Veränderungerleidet, welche wir Articulation oder Gliederung nennen. Da nun aber mancheThiere diese Fertigkeit, die Töne zu gliedern, erlangen können, so war der Zusatznothwendig, daß durch diese Verrichtung Gedanken, Gefühle und EmpfindungenMitgetheilt werden muffen, meng Sprache entstehen soll. Daher weder der Papa-gei noch der Staar sprechen, sondern nur die Töne gliedern lernen. Die Spracheist ebenso sehr einer der größten Vorzüge der menschlichen Natur, als sie eins derwichtigsten Geschenke der Gottheit ist. Wie ste nicht ohne Vernunft entsteht, alsoist sie das vorzüglichste Mittel, die Vernunft zu bilden und die menschliche Naturzu erheben.

II. Ursprung und Ausbildung der Sprache. Wenn wir dieSprache ein unendlich wichtiges Geschenk des Schöpfers nennen, so sind wir dochweit entfernt, der Meinung Derer beizutreten, welche die menschliche Sprache, alseine Art der Offenbarung, unmittelbar von Gott ausgehen lassen. (Vgl. u. A.:Fichte,Von der Sprachfähigkeit und dem Ursprünge der Sprache", in seinem undNiethammer'?Phtlos. Journal", I.Bd., 3. u. 4.H.) Es ist auch eine einseitigeAnficht, die Sprache durchaus aus die Nachbildung von Naturtönen zurückführenzu wollen, von denen fie nur zum Theil und nach ihren äußern Elementen ausge-gangen. Es ist natürlich, daß der Mensch das Krachen des Donners wie das Säu-seln der Lüftchen, das Brüllen der Löwen wie das Rieseln eines BächleinS durch sei-ne Laute beschreibend nachahmen wird. Wirkerinen keine Sprache, die nicht reich andiesen nachahmenden Wörtern wäre, doch die ältesten der bekannten Sprachen sindvielleicht darin am reichsten. Die Sanskrirsprache, deren Alter über allen Zweifelerhaben ist, nennt die Katze äViiaü,. die Herme b-,np-,ck>,. den Wind das

Brüllen der Thiere Ilucliü-,. welches a» das lat. rudere erinnert. Auch das Hebräi-sche, dessen hobes Alter ebenso unbestritten ist, hat eine Menge solcher die Naturnachahmender Wörter; aber nicht leicht möchte irgend eine der neuern Sprache» indieser Rücksicht reicher sein als die deutsche , von der ihre Töchter, die holländische,englische, dänische und schwedische, großentheils die ursprünglichen Wörter dieserArt noch beibehalten haben. Aber es muß bemerkt werden, daß Laute, und zwarauch gegliederte Laute, erst durch ihre Beziehung auf allgemeine Vorstellung, sowiedurch das Verhältniß zu andern Lauten, welches ihnen durch das Denken wird, zuWorten werden, und insofern der Sprache zugehören. Erst durch dasDenken ent-stand die Nprache eigentlich . und durch die Erweiterung des Kreises der menschli-chen Begriffe wurde die spräche reicher und gewann hauptsächlich in dem engerngesellschaftlichen Leben an Mannigfaltigkeit und Ausbildung; denn für jede neueErfindung, für jede neugewonnene Bequemlichkeit des Lebens bedurfte die Spra-che eil»"« neuen Worts. Indessen kann man sich die Ausbildung der menschlichen