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Zehnter Band. Schw. bis Sz.
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Synonymen 913

gen von der lebendigen Einbildungskraft und dem kühnen Witz der Morgenländer,die meisten Sprachen des 'Abendlandes bei ihrem Reichthum an sinnverwandtenAusdrücken von dem Scharfsinn der Völker, welche sie sprechen. Die arabischeSprache, ebenso ausgezeichnet durch ihren Reichthum an uneigenilichen, bildlichenFormen, als durch eine Alles übertreffende Fülle sinnverwandter Wörter, mußtefür sich allein schon von deni Witz, der Einbildungskraft und deni Scharfsinn De-rer überzeugen, die einst in ihr sprachen und sangen. Völker, in denen die sinnli-che Anlage noch vorherrscht, unfähig, die feinern Unterschiede der Gegenstände zuerkennen, saften alles ähnliche Besondere unter allgemeinen Bezeichnungen zusam-men. Thut sich ihnen späterhin die Welt des Geistigen auf, so tragen sie in diesedie vorhandenen Namen sinnlicher Dinge, nach dunkel gefühlten Ahnlichkeitsbezic-hungen, mit veränderter Bedeutung hinüber. In allen Sprachen haben sich Spu-ren dieser ältesten Bildersprache erhalten. Man denke nur an den Begriff Geistselbst, dessen Name in den meisten Sprachen dem von Hauch, Athem :c. gleich ist.Ei st wenn die Denkkrast zu voller freier Thätigkeit gelangt ist, faßt sie in dem All-,gemeinen das Besondere nach alle» s. erkennbaren Abstufungen auf. Je mehr einVolk an geistigcrBildung zunimmt, um so leichter wird es ihm, die feinern Unter-schiede der Begriffe zu entdecken; aus einem allgemeinen Begriffe entwickeln sichganze Reihe» besonderer; das Bedürfniß der Bezeichnung bringt neue Wörter her-vor, oder veranlaßt die Anwendung schon vorhandener in veränderter Bedeutung.So entstehen Worterfamilien, deren Glieder Nicht durch die sinnlich erkennbare Ver-wandtschaft der Bedeutung unter einander verbunden sind. Diese Verbindungkann aber nur da stattfinden, wo mehre Wörter, als Zeichen besonderer Begriffe, ineinem allgemeinen Begriffe zusammentreffen. Sinnverwandte Wörter, Synony-men, sind daher, genauer bestimmt, solche Wörter, welche sich zwar durch gewisse we-sentliche Merkmale von einander unterscheiden, aber einen höhern Begriff gemeinhaben, ;. B. Argwohn und Verdacht. Beide bezeichnen ein auf unzureichendenGründen beruhendes, nachtheilizeS Urtheil. Dies der allgemeine, beiden gemein-schaftliche Begriff. Beide unterscheiden sich aber dadurch von einander, daß derVerdacht auf objectiven Gründen, d. h. auf solchen, die in dem Gegenstände lie-gen, beruht; der Argwohn hingegen einen subjeciiven, d. h. in der Gemüthsartund Stimmung des Urtheilenden selbst liegenden Grund hat. Alle sinnverwandteBegriffe sind einander entweder beigeordnet (coordinirt), d. h. stehen als Arten un-ter einem unmittelb: .en höhern Begriffe, wie in dem angegebenen Beispiele, odersie sind einander untergeordnet (subordinirt), wie Abenteuer und Begebenheit,Kleidung und Kleid, Leid und Schmerz, u. a. Da der gemeine Menschenverstandnur mit Mühe die feinern Unterscheidungsmerkmale ähnlicher Begriffe auffindet,und daher oft wol auch, durch feblerbaften Sprachgebrauch verleitet, das Ähnlichefür völlig gleich nimmt, bestimmte Bezeichnung der Begriffe aber eins der wesent-lichste» Erfodernisse mündlicher sowol als schriftlicher Darstellung ist, so ist dieKenntniß der Regeln für die genaue und richtige Unterscheidung sinnverwandterWörter, deren Ganzes man u. d. N. Son onymik begreift, jedem Gebildeten un-erläßlich. Sie ist diesem ebenso wichtig für den mündlichen und schriftlichen Aus-druck, alssie dem Sprachforscher unentbehrlich ist, um über den Materials» Gehaltund Reichthum einer Sprache ein genügendes Urtheil zu fällen. Doch kann es ihmnur an der Hand der Logik, Etymologie und Sprachgeschichte gelingen, in dieserdoppelten Hinsicht vollkommen zu befriedigen. Nur dadurch, daß sie überall »achlogischen Grundsätzen verfährt, gewinnt sie wissenschaftlichen Werth, nur so wirdsie zu einem kräftigen Beförderungsmittel der Wissenschaft!. Bildung überbaupt,indem sie die Begriffe auf dem Wege der Zergliederung bis in ihre verstecktestenEigenthümlichkeiten verfolgt, und eben dadurch nicht nur den Umfang des Wissenserweitert, sondern auch die Bestimmtheit und Genauigkeit der Darstellung, wor-Cviiveriarions-rez'icvn. Pd. X, 58