Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Waid

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Wahrscheinlichkeit

rotten. Es ist eine durch Erfahrung bestätigte Thatsache, daß Zeiten, in denengroße Ereignisse geschehen oder erwartet werden, immer fruchtbar au Prophetensind; so war es im Anfange des dreißigjähr. und des sicbenjähr. Krieges. Auchwir sahen unlängst in unserm , für so aufgeklärt geacktetcn 19. Jahrh, den schwä-bischen Bauerpropheten Müller, sowie die pariser Libylle, Madcm. Lenormand,und nicht Wenige, die an sie glaubten.

Wahrscheinlichkeit. Wo bei einander entgegenstehenden Gründenfür eine Annahme die Gründe überwiegen, da findet Wahrscheinlichkeit statt (>»n-Iialülil!,«). Sie schließt die Möglichkeit des Gegentheils nicht aus, bat aber selbstverschiedene Grade, durch welche sie sich der Gewißheit annähert, nach dem Gewichteder Gründe, welche für eine Annahme sprechen. Hierbei nun findet ein Schließenstatt, welches unvollständig ist; denn die Gründe betreffen entweder die Regel, diewir nicht mit völliger Allgemeinheit, oder die Unterordnung, welche nickt ganzsicher ist, und wir bedienen uns ihrer, wo wir im Wben eine bestimmte Annahmebrauchen, oft auch durch Wunsch und Neigung getrieben. Der Kaufmann z.B.,der eine Speeulakion unternimmt, kann i» den meisten Fälle» nur nach Wahr-scheinlichkeit des Gewinnes handeln. Man unterscheidet aber mathematischeund philosophische Wahrscheinlichkeit. Die erste, welche sich auf die empi-rischen Verhältnisse des gemeinen Lebens vorzugsweise bezieht, tritt ein, wenn manunter denmöglichenFälleneinerund derselben Sphäre für den Fall, daß esandersseioder kommen werde, die wenigsten Gründe hat. Die Berechnung der Falle fürund wider ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung, welche einen Theil der praktischen'Arithmetik ausmacht. Pascal, Fermat , Parisot ( >',miß <In Mn! o,»,je, tur.iletc-.", Paris 1819, 1.); Laplace („Philos. Versuch über Wahrscheinlichkeiten";a. d. Franz, von Tönnieg, Heidelb. 1819); Lacroix („IrWiö öle,>w,,Miro stn

c. ilcnl <Ie prob.ilüiile", Paris 1818; deutsch Erf. 1818) haben diesen Gegen-stand bearbeitet; und Viele diese Art von Rechnung auf Glücksspiele, auf Assecu-ranzen, auf Staatsbevölkerung rc. angewendet, z. B. Floreneourt in s. „Abhand-lungen aus der jurist. und polit. Rechnenkunst" (Altenb. 1781). — Die philoso-phische Wahrscheinlichkeit findet statt, wenn man von der Vielheit der Fälle aufdie Einheit der Regel schließt. Hiervon hat Fries in s. „System der Logw" sehrgründlich gehantelt. Die Schlüsse, welche hier vorkommen, sind Induktion, Ana-logie, und der Schluß durch Hypothese. — Die ästhetische Wahrscheinlich-keit oder die Wahrscheinlichkeit in der Kunst besteht darin, daß Etwas, was alsgeschehen oder sich ereignend vorgestellt wird, von uns, nach den vom Künstler zumachenden Voraussetzungen und Grundbedingungen der Darstellung, als wirklichgenommen werde» könne. Sie beruht also auf der Illusion.

W aid, eine Pflanze, die eine gute, dauerhafte blaue Farbe gibt. Sie er-sodert einen von Natur guten und gut bearbeiteten Boden, und gedeiht daher nichtüberall. Die rübenförmige Wurzel geht ziemlich tief in die Erde, und treibt 5bis 6 Blätter, die den eigentlichen Farbestoff liefern, aber erst im 2. Jahre zu ge-brauchen sind. Wenn die Blätter ansangen, gelblich zu werden, so werden sieabgenommen, getrocknet, auf der Waidmühle klar gemahlen und zu einem Teigegemacht, aus dem man Ballen oder Kugeln verfertigt, welche die Färber verbrau-chen. Der beste Waid wird im südlichen Frankreich , im ehemaligen Langucdoc,gebaut; in Deutschland baut man ihn vorzüglich in Thüringen, bei Erfurt undLangensalza, in der Oberlausitz und im Brandenburgischen. Auch in der Schweiz ,in Portugal und Spanien und in Schweden ist der Bau desselben bekannt. Ehe-mals wurde der Waidbau sehr stark betrieben, weil man noch keinen andern Far-bestoff zum Blaufärben kannte. Allein der von den Holländern in der ersten Hälfte

d. 17. Jahrh, aus Ostindien eingeführte Indigo that dem Waid Abbruch, und nochmehr hat dieser von seinem Ansehen verloren, nachdem, seit etwas mehr als hun-