Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Waldenser 41

scheu Kirche gänzlich los und bildeten eine abgesonderte Religionsgesellschaft. Siewurden daher schon 1181 auf dem Concilium zu Verona mit dem Fluche der Ke-tzerei belegt; doch eine allgemeine Verfolgung erfuhren sie erst, nachdem sie sichim südlichen Frankreich ausgebreitet und unter Begünstigung der Grafen von Tou-lon'e undFoip befestigt hatten, in dem Ketzerkriege gegen die Albigenser (s. d.).Viele Waldenser flohen damals (1209 — 30) nach Aragon, Savoyen undPiemont. Spanien litt sie nicht, in Languedoc wußten sie sich bis 1330, inder Provence unter harten Bedrückungen bis 1545, wo das Parlament zu Aipsie auf die grausamste Weise vertilgen ließ, länger noch in der Dauphins zu erhal-ten, und erst im Cevennenkriege wurden die letzten Waldenser aus Frankreich ver-trieben. In der Mitte des 14. Jahrh, waren einzelne Haufen dieser Sekte nachCalabrien und Apulien, wo sie bald unterdrückt wurden, andre nach Böhmen gekommen, und hießen hier Grubenheimer, weil sie sich in Höhlen und Gruben zuverberaen pflegten. Diese verloren sich später unter die Hussiken, und die böhmi-schen Brüter leiten von ihnen die rechtmäßige apostolische Weihe ihrer Bischöfe ab.Dagegen gründeten sie in den von der Natur befestigten Thälern des westlichenPiemontS eine besondere Kirche, die mit allen auswärtigen Waldensern verbun-den, bis jetzt der Hauptsitz ihrer Sekte geblieben ist. Ihre Lehre ruht ledig-lich auf dem Evangelium selbst, das sie nebst einigen Katechismen in ihrer alten,aus französischen und italienischen Sprachelementen gemischten Mundart besitzen.In dieser Sprache wurde auch ihr höchst einfacher Gottesdienst gehalten, bis1603 ihre alten Barben (Barbes, Oheime, Lehrer) ausgestorben waren. Wie er-hielten nun Prediger aus Frankreich , und seitdem wird bei ihnen französisch ge-predigt. Diese Lehrer bilden jedoch keinen besondern Priesterstand, und ergänzensich von den Akademien der Reformirten. Ihre Gebräuche beschränken sich aufTaufe und Abendmahl, von dem sie Calvin's Vorstellung annahmen. Die Ver-fassung ihrer meist mit Weinbau und Viehzucht beschäftigten Gemeinden, welchedurch jährliche Synoden zusammenhängen, ist republikanisch; jeder steht ein ausÄltesten und Diakonen, unter Vorsitz des Predigers zusammengesetztes Consisto-rium vor, welches die strengste Sittenzucht handhabt und kleine Streitigkeitenschlichtet. Seit ihrer Entstehung waren die Waldenser durch reine Sitten, Fleißund Betriebsamkeit vor ihren kathol. Nachbarn ausgezeichnet und als die besten Un-terthanen geachtet. Nachdem sie im 16. Jahrh, mit den Reformirten in kirchlicheGemeinschaft getreten waren, traf auch sie der allgemeine Sturm, welcher die Re-formation vertilgen wollte, deren Grundsätze sie schon über 3 Iahrk. beobachtetbatken. Daher ihre Ausrottung in Frankreich und ihre wechselnden Schicksale inPiemont . Die im Marguisat Saluzzo angesiedelten wurden bis 1433 gänzlichvertilgt, und die i» den übrigen Thälern, nachdem sie vom turiner Hofe erst 1654eine neue Versicheruna ihrer Religionsfreiheit erhalten hatten, mit der treulosestenHinterlist durch Mönche und Soldaten 1655 angegriffen, mit viehischer Grausam-keit gemißhandelt, und viele schmählich ermordet. Der Rest ihrer Mannschaft sehtesich zur Webr, und nächst ihrer eignen Tapferkeit verschaffte ihnen die Verwendungder protest. Mächte endlich eine neue, obschon beschränktere Bestätigung ihrer Frei-heiten, durch den am 18. Aug. 1655 zu Pignerol geschlossenen Vergleich. NeueGewaltthätigkeiten veranlaßten 1664 neuen Kampf und Vergleich. Die 1685durch franz. Einfluß betriebene Verfolgung nöthigte Tausende zur Auewanderungin protest. Länder. Sie verbanden sich in London mit den franz. Reformirten, inden Niederlanden mit den Wallonen, in Berlin mit der franz. Gemeinde; bei2000 gingen in die Schweiz . Von diesen brachen einzelne Haufen mit gewaffneterHand 1689 wieder in Piemont ein unk behauptete» steh mit den Zurückgebliebenenunter vielen Bedrückungen, denen endlich auf preuß. Fürsprache durch neue Zustche-rungen des turiner Hofes 1425 Grenzen gesetzt wurden. Noch jetzt genießen sie in