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Wall (Anton)
längliche Beeile haben, damit oben auf ihm eine Brustwehr zum besondern Schußfür die Vertheidiger aufgeführt und noch Raum erhalten werden könne für das Ge-schütz und den Wallgang , den Vauban zu 36 F. annimmt, zur Aufstellung vonMannschaften und dgl. An einigen Festungen hängt etwas tiefer, wie ein Absatz,noch ein schmälerer, ebenfalls mit Brustwehr versehener Unterwall (l->»5!>vIn.^e), wodurch die Vertheidigung verdoppelt wird. Im Walle befinden sich dieCasematten, d. i. Gewölbe, die zur sichern Unterbringung der Garnison undAufbewahrung der Verrathe oder zur Vertheidigung bestimmt sind, im letztem FalleDefensivcasematten genannt, und zur Verhinderung jedes Etablissements im be-deckten Wege oder auf der Comrescarpe unter die Facen der Bollwerke gelegt wer-den. Der Umriß des Walles hängt von der Länge der Linien ab, die den zu befesti-genden Raum einschließen, und bildet wegen der nöthigen gegenseitigen Bestreichungaus- und eingehende Winkel; die Seitenvertheidigung, die in ältern Zeitendurch Thürme bewirkt ward, wird jetzt durch die Bastionen (s. d.) erlangt.
Wall (Anton), mit s. wahren Namen Christian Leberecht Heyne , geb,1751 zu Leuben bei Lommatzsch, einem Dorfe im Königreiche Sachsen , wo s. Va-ter Prediger war. Von s, frühern Erziehung ist nichts bekannt, außer daß er ent-weder die Dom- oder die Stadtschule in Naumburg besucht und dann iu Leipzig Jurisprudenz, besonders Staatsrecht, Politik und Geschichte mit ihren Hülfswis-senschaften studirk, und sich dabei mit den neuern Sprachen beschäftigt hat. Hiererschienen 1779 s. „Kriegslieder" mitMelodien, zu welchen ihm ohne Zweifel derpreuß. Grenadier (Gleim) den Anstoß gegeben hatte. Dann folgten im Anfange derachtziger Jahre 2 Lustspiele (auch im „Komische» Theater der Franzosen für dieDeutschen ", herausgeg. von I. G. Dyk, Leipz. 1777 — 86, 10 Thle.), nämlich„Die beiden BillekS", nach Florian, und „Die Expedition, oder die Hochzeit nachdem Tode", nach Colle. Überhaupt fällt in diese, ziemlich prosaisch dürftige Zeitdie Hauptperivde s. schriftstellerischen Ruhms. Vorzüglich gefielen „Die beidenBilletS" in ihrer classischen Bearbeitung durch ihre eigenthümliche Laune und durchdie Wahrheit der trefflich wiedergegebenen Charaktere so sehr, daß sie noch immernicht von der Bühne verschwunden sind, und daß sie sogar mehren LustspieldichternVeranlassung zu Fortsetzungen gegeben haben, unter welchen wir den „Bürgerge-neral" von Göthe nennen. W. selbst lieferte 1791 in demselben Geiste eine höchst ge-lungene Fonsetz. der „Beiden BilletS" im „Stammbaume ". Die „DramatischenKleinigkeiten", (1783) bilden einen Theil der anmuthigen Darstellungen, welchespäter den Beifall desPublicums unter dem ausländischen, aber anspruchlosen Ti-tel „Bagatellen" (2 Bde., Leipz. 1786 und 1788) gewannen. Der Vers. hattemehre Formen der Darstellung gewählt; in allen aber zeigte sich eine glückliche,wenn auch mehr durch Kunst nachgezauberte Leichtigkeit. Dabei hatte der L>kylaußer der strengsten Correctheit einen Grad von Politur und feinem Farbenschmelz,wie man ihn damals etwa nur bei dem Dichter der „Wilhelmine " fand. Aucb dieErfindung war, einigen Muthwillen abgerechnet, größtentheils fein und geistreich;in dieser Hinsicht verdient „Antonie"eine besonders rühmliche Erwähnung. Seine„Erzählungen nach Marmontel" (1787) wurden ebenfalls günstig aufgenommen.Unkerdcssenhatte W. Leipzig verlassen und lebte als Privatsecretair bei dem KanzlerHofmann in Halle; von da ging er nach Berlin , wo er in den Jahren 1788, 1789,1790, in der Wöllner'schen Periode privatisiere. Von s. literarischen Thätigkeitdaselbst ist wenig laut geworden; doch hat er damals für A. Memoriale, Aus-züge aus juridischen Schriften, Gutachten und a. Aufsähe dieser Art verfertigt,in welchen man schwerlech den Verf.der „Bagatellen" erkennen möchte. Auch wardihm von der preuß. Regierung eine ehrenvolle Stelle angeboten, die er aus IsiebeZur literarischen Muße ausschlug. Nachdem er Berlin verlassen harke, lebte er inverborgenerZurückgezogenheit erst in Rochlitz, dann in Geringswalde in wachsen.