Walthcr von der Vogelwcide s.1
in den deutschen Calendeen der Name der Walpurgis bald allein, bald mit denNa-nien der?tpostel Philipp und Jakob zugleich, auf den 1. Mai gesetzt worden, hatzu der Benennung der durch die vorgegebene Hexenfakrt berüchtigt geworrenenNacht vor dem 1. Mai Veranlassung gegeben. Der 1. Mai ist für die Landleuteei» wichtiger Tag; mit ihm fängt sich das ökonomische Jahr an, viele Pachten,>-traete treten mit diesem Termin in Wirksamkeit, die Feldarbeiten werden von dieserZeit an betrieben. Kein Wunder also, daß der Aberglaube unserer Vorfahren,der jeden Unfall, vorzüglich in der Landwirthschaft, für eine Tücke des Teufels undseiner Gehülfinnen, der Hexen,'ansah, sich einbildete, daß zu diese, Zeit die Hexensich .aufs Neue fertig machten, um Unheil anzurichten, und sich deßwegen an einemgewisse» Orte versammelten, die Befehle ihres Oberhauptes zu empfangen. Da-her kam in verschiedenen Gegenden die Gewohnheit auf, in der Walpurgisnachtmit brennenden Strohwischen, die auslange Stangen gesteckt wurden, herumzu-laufen oder auf die benachbarten Berge — denn nicht bloß auf dem Brocken oderBlocksbeige, sondern auch auf a. Beigen argwohnte man Hexenzusanunenkünfle— sich zu begeben, und wiederholt zu schießen, wahrscheinlich, um die Hexen zuverscheuchen.
Walther von der Vogelwcide, einer der vorzüglichsten alt-deutschen Liederdichter, unter den Minnesängern der vielseitigste, umfassendste undgeistreichste, welcher mit seinen Gesängen nicht allein die Liebe und den Mai ge-priesen, sondern in ihnen ein anschauliches Bild seiner Zeit und seines innern undäußern Lebens in und mit derselben gegeben hat. Er stammte aus einer adeligen,aber wenig begüterten Familie, deren Burg, Vogelwcide, nach der gewöhnli-chen Angabe in dem obern Thurgau lag. Die erste sichere geschichtliche Spurvon Walther's Leben weist uns nach Ostreich hin, wo er singen und sägen lernte.Er lebte hier am Hofe Friedrichs, des ältesten Sohnes Leopolds VI., des Tu-gendrcichen , Herzogs von Ostreich und Steier. Friedrich nahm 1195 das Kreuz,reiste 1191 nach Palästina ab und starb im folgenden Jahre auf der Kreuz-fahrt. W., welcher dessen Tod in einem spätern Gedicht schmerzlich beklagt, scheintgleich nach dem Verluste seines fürstlichen Gönners den Hof von Wien verlassen zuhaben, und es beginnt mit diesem Jahre für ihn, wie für sein Vaterland, eine Zeitder Verwirrung und des unsteten Treibens, die Kämpfe der beiden Gegenteilige,Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig . In dieser Periode der Zer-rüttung tritt W. als vaterländischer Dichter auf, indem er über des Reichs Zwie-tracht, den Verfall alter Sitte, Zucht und Mannheit klagt. W. gehört in seinerGesinnung zu der hohenstaufenschen Partei; er klagt den Papst an, dessen Umtriebeden Zwiespalt seines Vaterlandes herbeigeführt, und ruft Philipp auf, der Ver-wirrung ein Ende zu machen. Nach Philipps Ermordung 1208 begab sich W.als fahrender Sänger auf die Wanderschaft; und wie er selbst sagt, hat er vieleLande gesehen. Am Hofe des Königs von Frankreich (Philipp Augusts) scheint ergute Aufnahme gefunden zu haben; aber am längsten hielt ihn der glänzende Hofdes müden Landgrafen von Thüringen , Hermanns, fest, welcher füi stl. Freundund «Lchützer des deutschen Gesangs immer einen Kreis von Dichtern um sich ver-einte , und jenen berühmten poetischen Wettstreit, den Krieg auf der Wartburo,(1201) veranstaltete, in welchem auch W, als ein Sprecher mit auftritt. Er pr> -stzuerst den König von Frankreich , und scheint mit dem Östreicher (Leopold VII,,Friedrichs jüngerm Bruder) unzufrieden, den er zwar nachher seine Sonne nennt,aber seinen Tag, den Landgrafen von Thüringen , über diese Sonne hoch erhebt.Durch den Letzter» mag auch W. v. d. Dogelweide, ein Anhänger des hohensiaufen-
iieniit, ungeachtet sie weder brennt noch auf dem Wasser schwimmt, sondern sich mitdiesem vermischt. Wahrscheinlich ist sie nichts Andres als der Dunst aus einem benach-barten Braubaufe. (Nicvlai's „Reise", Bd. S. 1195)