Wärme
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wicht 110°R. hat, so wird die Temperatur des Gemenges nur 47" sein; hierhak also das Quecksilber 63° Wärme abgegeben und das Wasser dadurch „ur 5°wärmer gemacht. Dies klingt nun sehr paradox, wenn man sich die Mittheilungder freien Wärme als Ab- und Zufluß eines eigenthümlichen Wärmefloffs denkt.Die Chemiker, die dieser Ansicht huldigen, erklären sich diese Erscheinung so, daß imkehlen Falle das Wasser von den 63° Wärme, welche ihm das Quecksilber abgege-ben hat, 60° gebunden oder verschluckt, und daher nur 3° an freier Wärme ge-wonnen habe. Zm ersten Falle dagegen waren 3° Wärme, welche das Wasser demQuecksilber mittheilte, hinreichend, um dieses zur Entbindung von 60° Wärme zubestimmen. Diese Eigenschaft ungleichartiger Körper, bei gleichen Gewichtsmassenungleiche Summen Wärme zu erfodern, um zu gleichen Graden der Temperatur zugelangen, heißt (nach Crawford) dieCapacikät (Empfänglichkeit) der Körper fürdie Wärme. Ze mehr freie Wärme nämlich ein Körper braucht, um eine gewisseTemperatur zu erlangen, desto größer ist seine Capacitäk, und umgekehrt, je weni-ger, desto geringer. Zn obigen Beispielen also zeigt das Wasser eine große, dasQuecksilber eine geringe Capacitäk. Dieser Ausdruck hat seinen Ursprung ebenfallsin jener Ansicht, welche die Körper in Beziehung auf den Wärmestoff als rein lei-dend (absolut passiv) betrachtet, was freilich nicht philosophisch (wissenschaftlich) ist.Die verschiedene sogen. Capacitäk der Körper hängt vielmehr von ihren verschiede-nen Graden derThätigkeit ab, wodurch sie, angeregt durch freie Wärme von Außen,Wärme aus sich entwickeln oder freie Wärme ab- und ausstoßen. Ze erregbarer dieKörper in dieser Hinsicht sind, desto gennger ist ihre Capacitäk, d. h. desto wenigerfreier Wärme bedarf es, um ihre Temperatur zu erhöhe», um sie zur thätigen Aus-strömung freier Wärme in bedeutendem Grade ;u bestimmen. Bei chemischen Ver-änderungen der Körper, besonders beim Verbrennen, wird jedes Mal ihr Verhält-niß zur Wärme, ihre Capacitäk, zugleich mit ihrem Aggregatzustande (chemischenZusammensetzung) verändert; oder umgekehrt, wenn ein Körper seine Wärme-capacität verändert, so geschieht es nun zugleich mit der Veränderung seines Aggre-gatzustandes. So steigt die Temperatur des Wassers, welches dem Feuer ausge-setzt, d. h. durch freie Wärme erregt wird, nur bis zu einem bestimmten Grade (biszur Siedhitze nämlich — 212° F., s. Sieden), weil es, wie alle Körper, einebestimmte Wärmecapacität hat. Zn dem Augenblicke also, da dieser dem flüssigenWasser eigenthümliche Wärmegrad überstiegen wird, verändert eS seinen Aggre-gatzustand, es wird in Dampf verwandelt (geht in Gasform über), der nun eineandre, weit geringere Capacitäk hat, mithin durch eine gleiche Quantität freierWärme viel stärker erhitzt werden kann al? das flüssige Wasser. Daher kommt es,daß alle Körper bei einem bestimmten Wärmegrade, bei einem solchen nämlich, derihre Capacität übersteigt, entweder schnieften (flüssig werden) oder verbrennen, seieS niit Flamme (wobei sie ganz oder zum Theil verflüchtigt werden, die Gasformannehmen) oder ohne Flamme (wodurch sie oxvdirt werden, sich mit Sauerstoffverbinden, wie die meisten Metalle). Zm letzten Falle wird die Capacitäk jedes Malerhöht, denn verbrannte (oxydirkc) Körper haben eine weit geringere Erregbarkeitdurch die freie Wärme, d. h. eine weit größere Wärmecapacität als vor dem Ver-brennen, da sie noch als verbrennliche Körper existirten. — 5) Verhältniß derWärme fum Lichte. Bei genauer Vergleichung der Eigenschaften oder Be-stimmungen der Wärme mit denen des Lichts bemerkt man fast durchgängig einentgegengesetztes Verhalten, woraus man schließen muß, daß Licht und Wärme,obgleich beide in den höchsten Graden der Verbrennung (im sichtbaren Feuer) zu-gleich und in Verbindung mit einander erscheinen, von sehr verschiedener, ja entge-gengesetzter Natur sind. Dies verräth sich schon durch die Verschiedenheit der Sin-ne, deren Gegenstände Licht und Wärme sind. Letztere nehmen wir durch das Ge-fühl, ersteres durch den Sinn des Gesichts wahr; das Gefühl ist aber der niederste,