Waverley. Novellen 109
Xlick-Dolliian" (deutsch als „Der Kerker von Edinburg" durch die Df. der „Rolands:Abenteuer"), ein treffliches Miniaturgemälde, ausgezeichnet durch die Charakteri-stik zweier weiblicher Gestalte», deßhalb wol überschätzt, verhält sich zu jenen Ro-manen wie ein gelungenes bürgerliches Trauerspiel zu großartigen vollendeten Tra-gödien. Spielt meist in der Behaglichkeit niederer Sphären, die moralische Ten-denz thut indessen der Poesie Eintrag, und die furchtbare Handhabung der morali-schen Gerechtigkeit, die Unschuldigen mehr als die Schuldigen treffend, macht denSchluß grell, ja empörend. — „'I'be nion-uitei," und ,. I l>e ->b>„,i" („Das Klo-ster" und „Der Abt", deutsch von Lindau und Metb. Müller), 2 zusammenhän-gende Romane, tragen bei glänzenden Einzelnheiten schon die Spuren des schwä-cher» BaueS; jener enthält Momente aus Schottlands Reformationsgeschichte,dieser dreht sich, ohne ein besonderes andres Interesse, um die erste Gefangen-schaft der Maria Stuart und ihre Flucht nach England. Bruder Eustach im er-sten und die Königin Maria im zweiten Romane sind treffliche Charakterzeichnun-gen. — „lvÄiiIuw" (deutsch durch Meth . Müller) ist ein interessanter Ritterronian,in England zur Zeit Richards Löwenherz spielend, aber trotz schöner Charaktereund meisterhafter Einzelnheiten niehr das Produck des Studiums als poetischerEingebung, wie in den echt schottischen Romanen. Die grelle Sonderung der Eng-land damals bewohnenden Volksstämme ist belustigend, aber unmöglich der Wahr-heit getreu. — „Kenilvrürlb" (deutsch zuerst durch Lotz) spielt in den gefeiertenZeiten der Elisabeth, und daher unsern» Culkurzustande weit näher als „Ivanhoe".Dennoch mußte der Vf. sich auch in diese Zeit erst durch Studium versetzen, daElisabeths glänzender Hof nicht mit denselben Farben , welche für Schottlands MUwgründe ausreichten, gezeichnet werden durste. GrafLeiccster's Verhältniß zurElisabeth im Zwiespalt mit seiner Liebe zu Emmy Robjart, bildet die Fabel desmit hohem dramatischen Interesse, aber allzu künstlich componirten Romans. —,,'l'bo i'irule" („Der Pirat"; deutsch durch Spcker, Melk . Müller undHenriettev. Montenglaut), unter den skandinavischen Bewohnern der SchotklantSinselnspielend, ist ein durchaus gemachtes Werk. Intention statt des freien Flugs derPoesie. Norna nur eine Copie der Meg Merrilies in Kanzleifractur. Auch dieNatur- und Sittenschilderungen nur Abschrift aus Rcisebeschreibungen. — „ I Iiel'nrtnnes nfiXi^el" („Nigel's Schicksale", von Meth . Müller), das Bürger- undHofleben Londons zur Zeit Jakobs I. von England schildernd, verspricht anfänglichmehr, als später erfüllt wirk. Das Einzelne besser als der ganze Roman. —„I'e, oril ol t>i<- pe.ilt" („Peveril vom Gipsil", von Michaelis), ein romanhafterRoman, umfaßt die Zeiten der cngl. Restauration und die Geschichte des papisti-schen Complotts unter Karl II. Interessante Lecture ohne innere Wahrheit derDarstellung. — „sluentiu I)n,„-,i,1" (deutsch von Spiker) schildert einige derbedeutendsten Momente aus dem Leben Ludwigs XI. von Frankreich im Zusammen-treffen mit Karl dem Kühnen von Burgund. Ersterer ist gelungener als der Letz-tere gezeichnet. Die Fabel bildet ein schottischer Abenteurer, welcher am franz.Hofesein Glück sucht und über Erwarten es flnd.t. Der Roman gehört, der Charakte-ristik wegen, zu den bessern des Autors, obgleich ihm jener die ältern Romane durch-wehende Hauch freier Eingebung si hlt. Die humoristische Einleitung ist muster-haft. — In „8t.-Iionsn>-„oll" („St. Ronans-Biunnen", deutsch von SophieMay) hat sich der Autor als Zielscheibe seines humoristischen Witzes die Modethor-heiten der neuen Badegesellschaften auserwählt; seine Pfeile sind treffend, die ro-manhafte Begebenheit aber mit zu grellen Richardson'schen Farbe» aufgetragen.Der Schluß empört. — Der „Ilecl^nntlet" (deutsch von Sophie May) spieltwieder auf dem lange verlassenen Gebiete der schottischen Kämpfe zwischen den zurStuartzeit herrschenden Factionen und Secten, ohne an Interesse den frühernRomanen gleichzukommen. Dazu vieles Unwahischeinliche und Romanhafte. —