Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
125
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Wechselwinkcl Wcckherlin (Georg Rudolf) 125

Lehrer unterrichtet alle Kinder selbst und überläßt den aus den Schülern wechselndgewählten Gehülfen nur das Wiederholen der gelernten Pensen und die weitere Ein-übung von Fertigkeiten, zu denen er vorher Anleitung gab. So ist vorzüglich zuEckenförde im Holsteinischen aus Lancaster'schem Mechanismus und deutscherSorgfalt und Gewissenhaftigkeit eine für Volksschulen, wo mehre Classen voneinem Lehrer in einem Zimmer gleichzeitig beschäftigt werden müssen, ungemeinzweckmäßige Einrichtung hervorgegangen, durch welche der Lehrer Zeit gewinnt,mehr als bisher in deutschen Landschulen möglich war, für die Geistesbildung derSchüler zu thun. Der Rector der Domschule zu Schleswig , Pros. Schuhmacher,hat ein sehr begründetes Urtheil über den wechselseitigen Unterricht ausgesprochen.„Diese Lehrart", sagt er, „ist ein treffliches Hülfsmittel, sobald sie nicht aus ihrenGrenzen heraustritt, sondern sich beschränkt auf mechanische Fertigkeiten und reineGedächtnü-sachen. So erspart sie Zeit für Lehrer und Schüler; sie erspart Kostenfür jede Gemeinde und ist sehr wohlthätig für alle Volksschulen, wo eine großeSchülerzahl auf so verschiedenen stufen des Wissens und der Entwickelung steht,daß ein Lehrer sie zugleich nicht unterrichten kann, sondern vielfache Classeniren-nung zu machen gezwungen ist. Ebenso sehr ist sie aber auf der andern Seite über-flüssig in jeder Schule, wo die Zahl der Schüler so gering ist, daß der Lehrer siebequem übersehe» und zugleich beschäftigen kann; noch mehr ist sie das da, wo soviele Classen mit eignen Lehrern für jede derselben gebildet sind, daß die zusammenlernenden Schüler so ziemlich aufEiner Stufe der Fertigkeit und des Wissens stehen.Verderblich aber wäre sie sogar, selbst auch in Volksschulen, wenn durch sie Alles,jede geistige Entwickelung der Kinder, in kiese Form gebracht und dadurch dasHöhere im Unterricht gleichsam ertödtet würde; verderblich in jeder höher,, Lehr-anstalt, wo ein wissenschaftlicher Geist, wo Selbstdenken, wo Bildung des eignenUrtheils und Geschmacks, wo die reine, höhere, menschliche Entwickelung alleinder Zweck des Instituts ist. Denn wo der Geist lebendig ist, da darf der Buchstabenicht todten; im Gebiete der höhern geistigen Freiheit darf der Mechanismus dieBewegung der Kräfte nicht in lähmende Fesseln schlagen". Die neuesten Nach-richten über diese Lehrart in Dänemark gibt Hr. v.Abramson in s. Schrift: „I'ro-p-i-o.-i ,le Hii-iei^iieiin-iit inuinel ri> IBnein.ii li. exti!>it il»>, ri,p>) 0 > l au Ivi etc.",(Kopenh. 1825). Noch bemerken wir, daß der verfl. König v. Portugal in Lissa-bon eine Normalschule des Wechsels. Unterricht? durch den Pros. Lccoq 1824 gegrün-det hak, von deren Fortgang aber uns nichts bekannt geworden ist. Vgl. Möller,„Über die Anwendung der wechselseitigen Schuleinrichtung in Volksschulen" (Al-ton» 1826); Diekmann, „Briefe, die wechselseitige Schuleinrichtung darstellend"(Alkona 1828). Unter den ältern Schriften ist zu empfehlen : 0. Harnisch'S „Aus-führliche Darst. und Beurtheilung des Bell-Laneaster'schen Schulwesens in Eng-land und Frankreich , nach Haniel bearbeitet" (Bresl. 1819). 31.

W e ch s e l w , n k e l. Wenn 2 Parallelen durch eine dritte Linie geschnit-ten werden, so heißen die auf entgegengesetzten Seiten der schneidenden, an der ei-nen und der andern Parallele liegenden, innern Winkel Wechselwinkel .

Wechselwirkung („intiiiini oo,ni»eroi»u,) ist das Verhältniß zweiergleichzeitig vorhandener Gegenstände oder Theile von Gegenständen, vermöge dessensie sich gegenseitig bestimmen. So reden wir von Wechselwirkung aller einzelnenDinge in der Welt, von Wechselwirkung der Glieder eines -Organismus und desGanzen; von Wechselwirkung des Geistigen und Leiblichen (der Seele und derKörpers). Jedes Wesen in der Welt ist von Andrem abhängig und bestimmtwieder Andres.

Weckherlin (Georg Rudolf), einer der besten deutschen Dichter aus demletzten Viertel d. 16. und dem Anfange d. Ist. Jahrh., ein Vorläufer von Opitz,wurde 1584, also 13 Jahre vor dem Gründer der schlcsischen Dichkerschule, zu