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Wrckhcrlin (Georg Rudolf)
Stuttgart geb. Von s. Vater, der in würtemberg. Staatsdiensten stand, zueiner gleichen Laufbahn bestimmt, studirte er die Rechte auf der Universität Tübin-gen , ohne jedoch darum das Studium der classischen Literatur und der Erlernungder wichtigsten neuern Sprachen zu versäumen. Nach der Vollendung seiner aka-demischen Laufbahn finden nur ihn auf Reisen durch Deutschland, Frankreich undEngland, und auch in Spanien scheint W. gewesen m sein. Sein erster Aufent-halt in England gehört in die Regierung König Jakobs >., und die engl. Poesieund Sprache habe» so entschieden aus den Eharakter der Weckherlin 'schen Gedichtegewirkt, daß nur durch sie manche Eigenheiten derselben ;u begreifen und zu erklä-ren sind, vorzüglich die kecke Freiheit und die natürliche Kraft seiner Muse, die soeinzig der pedantischen Ängstlichkeit und Mäßigkeit der nach holländ. und franz.Mustern geblleetcn Dichter d. 11. Jahrh, gegenübersteht. Aus der eng!. Sprachehat W. mehre Wörter und Wendungen germanisirt, von denen aber nur wenigeuns geblieben sind. Obgleich W. schon sehr früh angefangen hat, deutsche Versenach eigner Weise und Regel zu schreiben, so vergaß er doch darüber seinen Berufzum Geschäftsmanne nicht. Bald nach s. Rückkehr, in s. 25. I., ward er alsherz. Secretair in der Kanzlei zu Stuttgart angestellt, und daneben versah er denDienst eines Hofpoeten mit gewissenhafter Treue. 1618 besang er die Heimfüh-rung der engl. Prinzessin Elisabeth, als Kurfürstin von der Pfalz und Pfalzgräfinzu Rhein , und auch in der Folge ergriff er jede Gelegenheit, den Ruhm und dieGnade des pfälzischen Hauses zu feiern. Nach der» Ausbruche des dreißigjährigenKrieges, wo wir W.'ü Leben nicht genau verfolgen können, finden wir ihn 1620zu London , angestellt als Secretair bei der deutschen Kanzlei, welche nach der un-glücklichen Katastrophe, die den Pfalzgrafen Friedrich, den Eidam Jakobs I., umdie Krone Böhmens und um s. altes Kurftirstenthum brachte, errichtet worden war,um die Verbindung zwischen England und dem Protestant. Deutschland zu unterhal-ten. Die Stelle, welche W. in dieser Kanzlei bekleidete, scheint nicht unwichtiggewesen zu sein, und er selbst spricht von vielen Sendungen, schweren Geschäftenund weiten Reisen, die er als Secretarv gemacht habe. Aber unter den Zerstreuun-gen und Täuschungen des HoslebenS, immer beladen mit Geschäften, welchen dieMuse nicht hold ist, in der Fremde umherschweifend und aus s. Vaterlande ver-bannt, blieb W. ein Deutscher in der schönsten und stärksten Bedeutung und sangmit feurigem Muthe und unerschütterlichem Glauben, als Protestant. Dichter, dieHelden der deutschen Freiheit. Bernhard von Sächsin, den Mansfeld und vorallen Gustav Adolf , den Retter aus Norden. Der dreißigjährige Krieg, welcherauch die würremb. Lande verwüstete, raubte dem Dichter s. Erbe und führte denTod s. geliebten jüngern Bruders Ludwig herbei, der sich dem geistlichen Standegewidmet hatte und die väterlichen Güter verwaltete. Auch ein großer Theil vonW.'S Jugendgedichten ging bei dieser Zerstörung zu Grunde. Solche Verluste undSchläge ertrug der Dichter mit männlicher Fassung und frommer Ergebung. Erstarb gegen 1651, nachdem er 1648 von London aus die letzte zu Amsterdam ge-druckte AuSg. s. Gedichte besorgt hatte. Die erste AuSg. derselben veranstaltete erschon in Stuttgart, wie sie 1618 erschien. Die folgenden wurden zu Amsterdam gedruckt, u. d. T.: „Geistliche und weltliche Gedichte", 1641, 1646 und 1648.Unter den geistlichen Gedichten befinden sich mehre frei übers. Psalmen, die welt-lichen bestehen aus Oden und Gesängen, Trauer- und Grabschriften, heroischenGedichten, Wühlereien oder Liebesgedichten in der Form des Sonets, welches erzuerst in die deutsche Dichtkunst einführte, Eklogen oder Hirtengedichten, Epi-grammen und Erfindungen für Aufzüge, Ballette, Maskeraden u. s. w. Eingroßer Theil dieser Gedichte, die Früchte s. Hofpoeterei, hat nur noch historischenWerth für uns. Dagegen verdienen s. Liebesgedichte, Trinklieder, Lobgesängeund Elegien auf die Helden s. Glaubens und seiner Zeit, s. Eklogen und Epigramme