Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Weckherlin (Wilhelm Ludwig )

unsere vorzügliche Aufmerksamkeit. Echte Kerngediegenheit, tiefes Feuer, kühneFreiheit des Geiste? und eine oft bis zum Überniuth gehende Gewandtheit in derBehandlung des Stoffe? und in der sprachlichen Form zeichnen W. vor allen Dich-tern d. 11. Jahrh. au?. Eine kecke Laune, ein Alles wagender Scher; und einübersprudelnder Muthwille charakierisiren viele s. kleinern Gedichte, namentlichTrinklieder und Epigramme, und eine großartige Ironie beherrscht einige Gedichteau? der spätern Zeit s. Leben?, in denen er auf sich und s. Verhältnisse prüfend zu-rückschallt. In dem großen Gedichte aus Gustav Adolfs Tod erhebt er sich zueiner epischen Würde und Fülle, die im 11. Jahrh, von keinem Dichter unser?Vaterlandes erreicht worden ist. In der Form steht W. freilich unter Opitz, wennwir aufWohlklang und Regelmäßigkeit de?SylbenmaßeS,aufGlätte und Reinheitder Sprache sehen. Er mißt die Svlben noch nicht, sondern zählt sie nur, underlaubt sich vieleAbkürzungen und Ausammenziehungen von Wörtern undFormen,welche uns hart erscheinen müssen; ferner ist s. Sprache voll AnglicismenundPro-vinzialeigenbeiten. Aber, wenn die Form in etwas höherer und weiterer Bedeu-tung aufgefaßt wird, so erscheint sie in W. so gediegen, wie sein Geist: lebendigerWortdrang, scharfer Ausdruck, unumwundene? Aussprechen charakterisiern sie,und er trifft mit sicherer Wahl fast immer das Rechte für jeden Fall. W.'s Dich-terruhm, der zu s. Zeit weit verbreitet gewesen zu sein scheint, wurde bald durchDpitz und s. Schule verdunkelt. Lange Zeit lagen s. Gedichte vergessen und ver-kannt, bis Herder 1119 zuerst wieder aus sie hinwies. Seitdem haben mehreBlumenlesen Gedichte von W., aber meist in sehr entweihter Gestalt, aufgenom-men. Eine reiche Auswahl derselben und eine vollständige Biographie des Dich-ters enthält der 4. Bd. der von Wilh. Müller herausgeg. „Bibliothek deutscherDichter d. 11. Jahrh." Vgl. außerdem Conz's „Nachrichten von dem Lebenund den Schriften R. Weckherlin '?" (Ludwigsb. 1893). >V. äl.

Weckherlin (Wilhelm Ludwig ), ein Journalist von vielseitigen Kennt-nissen und anziehender Darstellungsgabe, unglücklich durch die Fehler s. Charak-ters, dessen Hauxtzug Unbesonnenheit war, geb. 1139, war der Sohn einesLandpredigers zu Bochnang in, Würkembergischen. Er besuchte das Gymnasiumzu Stuttgart und studirte zu Tübingen die Rechte. Dann ging er als Hofmeisternach Straßburg, und von da nach Paris , wo er sich besonders mit Voltaire's undLinguet's Schriften beschäftigte und sich den spöttelnden Ton derselben aneignete,wie s. spätern Schriften bewiesen. Darauf beschäftigte er sich in Wien mit Schrift-stellerei und Unterricht in Sprachen, zog sich aber durch s. Hang zur L^atyre Feindeund zuletzt durch da? witzige, aber muthwillige Buch: „Denkwürdigkeiten vonWien" (1111), Hast und Landesverweisung zu. Nach einem kurzen Aufenthaltezu Regensburg ging er nach Augsburg , wo man ihn als einen geistvollen Mannund guten Gesellschafter schätzte. Aber s. satyrische Laune, die sich in einer Schmäh-schrift ergoß, war Ursache, daß er sich bald wieder entfernen mußte. Er rächtesich dafür durch da? damals viel gelesene Buch: „Anselmu? Rabiosus Reise durchDeutschland " (1118), schrieb in Nörtlingen eine politische Zeitschrift u. d. T.„Felleisen", lebte sodann, auch von hier verwiesen, einige Jahre zu Baltringen ,einem fürstl. Wallersiein'schcn Dorfe unweit Nördlingen , und schrieb ein periodi-schesWerk: „Chronologen" (12 Bde. 1119 — 83), in welchem man Witz, Laune,Satyre, Freimüthigkeit und eine vertraute Bekanntschaft mit der franz. Literaturfindet. „Das graue Ungeheuer" (12 Bde, 1182 — 81), die „HyperbolischenBriefe" (1 Bdchn., 1188 — 90) und die „Paragraphen" (3 Bdchn., 1191 —92)sind sämmtlich Fortsetzungen dieser Zeitschrift; allein der Beifall der Leser nahmsehr ab, da W. sich erschöpft hatte. Eine Schmähschrift, die er 1188 auf dieReichsstadt Nördlingen drucken ließ, zog ihm einen Verhaft zu Hochhaus, einemWallersteüi'schen Schlosse, zu. Er verlebte hier 4 Jahre, wurde gut behandelt