Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
128
JPEG-Download
 

128

Wedckind

und setzte s. schriftstellerischen Arbeiten fort. Als Anspach 1792 unter preuß. Ho-heit kam, ging er dahin, und erhielt die Erlaubniß, eine politische Zeitung zuschreiben, Ein verdrießlicher Verfall, der ihm durch den unerwiesenen Verdachteines Einverständnisses mit den Franzosen verursacht wurde, zog ihm eine Krank-heit zu, an welcher er d. 24. Nov. 1792 starb.

Wedekind (Georg Christian Gottlieb , Frech.v.), großh. Hess. Geh.-Rathu. Leibarzt,'aus dem alten niederdeutschen Geschlechte der Wedekinde, geb. 1761 zuGöttingen , wo s. Vater Professor war, erhielt 1780 daselbst die Doctorwürde, undzeichnete sich in Uslar, Diepholz und Mülheim am Rhein als praktischer Arzt undin PhysikatSverrichtungen (s. u. A. Becker s „Noth - und Hülfsbuch", Art. Stech-apfelkörner) auS; auch machte er sich durch medicinische und philosophische Arbeitenin Baldmger'S, Richter'S und Moritz'S Journalen bekannt. 1787 wurde er nachMainz als Leibarzt des Kurfürsten und als Professor der Medicin an der damalssehr blühenden Universität berufen. Hier machte er sich mit dem System des verst.Geh.-Raths und Leibarztes Chr. L. Hoffmann genauer bekannt. W. suchte die vonHoffmann nur in Bruchstücken bearbeiteten Theile dieses Svstems in Zusammen-hang zu bringen, das ihm irrig Scheinende abzuändern und die neuern Entdeckun-gen der Arzte zu benutzen. Weil W. sich aber mit Hoffmann über die Grundlagedesselben nicht ganz vereinigen konnte und in der Folge persönlicher Verhältnisse we-gen mit ihm zerfiel, so wurde er von demselben verfolgt und der Gnade des Kurfür-sten, welcher auf Hoffmann Alles hielt, verlustig, wozu die unwahre Beschuldigungdes Illuminatismus und W.'s Unerfahrenheit in Hosverhältnissen Vieles beitrug.Dieser Zwist mit Hoffmann hinderte jedoch keineswegs, sowol in s. Schriften alsauch in s. Lehrvorträgen demselben volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dieHoffmann'fche Lehre, wo er sie gegründet fand, dankbar zu verbreiten, wo diesesnicht der Fall war, bescheiden zu widerlegen, übrigens aber dieselbe dem Zeitgeisteanzupassen und mit den Ideen andrer Ärzte wie mit seinen eignen zu vereinbaren.So geschah es, daß W. bei der großen Anzahl von Zuhörern, die s. Vorlesungenund s. Klüücum besuchten, in den Ruf gerieth, eine besondere mediciniscbe Schule,wo nicht gar eine Sekte, gestiftet ;u haben. — Die Kunst, zweckmäßig zu unterrich-ten (s. s. Schrift: „Über medicinische» Unterricht", Franks. 1789) war ihm in ei-nen! hohen Grade eigen, und verschaffte s. Lehrvorträgen fortdauernden Beifall.Wedekind'S von einem s. Zuhörer herausgeg. Vertrag „Über die Wirkung des Zu-trauens und den Heilungsweg durch Überredung des Kranken" (Franks. 1790) ver-diente in unsern Tagen der Wuntersucht noch beherzigt zu werden. In s. „Vorle-sungen über die Entzündungen und deren Ausgänge" (Leipzig 1791) lehrte W.schon damals, was jetzt Andre sich aneignen wollen, daß die Entzündungen in dem(Mascagni'schen) die kleinsten Blut- und Schlagadern vermittelnden Gefäßnetzeihren Sitz haben, aber durch einen die Verengung der kleinen Venen, wie die er-höhete Thätigkeit der kleinen Arterien verursachenden Reiz hervorgebracht werden;daß das Entzündungsfieber ohne örtliche Entzündung von einer Entzündung derBlutgefäße selbst herrühre u. s. w. Wedekind'S „Abhandlungen über verschiedenewichtige Gegenstände der prakt. Medicin" (1791) enthalten über gastrische Unrci-rügkeiten, Gallen-und gallichteFieber, Entzündungen des Pankreas, zumal überdie Anwendbarkeit der ausleerenden Curark, sehr Vieles, was noch immer für jgngeÄrzte als echt eklektisch lehrreich ist. W. beantwortete auch die von der kais. Akade-mie der Naturforscher zum zweiten Male ausgesetzte Preisfrage über die Natur unddie Heilung der Krankheiten der Verdauungswerkzeuge; f. Abhandlung: ,,»e vcranotiti» et curatione morbornr» zwinuirum viarnm, rwc iiou c!e ,nc>r1>i<i ex ei>-rnnckem r,ffeotionibu5 c>riuncl',<; stgue enni ii^clem cmnizilwoiil'" (Nürnb. 1792),erhielt den ersten Preis. Damals schrieb er auch viele Recensionen für Härtende» s„Mcd.-chir. Zeit." (die ersten Bde.) und für die „Mainzer gel.Zeitung". Als 1792