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Zwölfter Band. W bis Z.
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Weigel (Karl)

her, daß diese Krankheit der Haare den Ausgang einer andern Krankheit bewirke,und daher-durch Warme, Verhüllung befördert, unterhalten, das Abschneidenaber sorgfältig vermieden werde» müsse. Die neuesten Erfahrungen, die Larrey darüber in Polen während des Feldzuges 1806 — 7 sammelte, lassen Fol--gendes festsetzen. Der Weichselzopf ist eine eigne krankhafte Verwirrung derHaare, mit Schmerlen in der Kopfhaut, stinkender Ausdünstung und Anhäu-fung von Eiter Ungeziefer, Jauche verbunden, die sich meistentheils bei venerischenund skrophulösen Personen in den niedern ständen Polens vorfindet und insofernals die Abscheidung eines fremden KrankheitSstoffeS betrachtet werden kann, alsder Trieb der Säfte nach dem Kopfe sehr grotz «st, und die schnelle Unterdrückungdesselben durch Abschneiden der Hitzen den Haare, welche so verdickt find, um so mehreine tödtliche Anhäufung in andern Theilen veranlassen würde, je kälter das dortigeKlima iss Laickev schnitt verschiedenen solcher Kranken in einer anderen Jahreszeitals dem Winter den Weichselzopf ab, und sah nie Nachtheil erfolgen, weil er denKops warm bedecken ließ. Er fand stets, daß die Haare an sich unverändert waren,daß aus ihnen selbst beu» Abschneiden keine Feuchtigkeit herausdrang, wie man ineinigen Schriftsteller» liest; daß auch das Abschneiden keinen Schmerz verursachte.Das Abschneiden der Haare, Reinlichkeit derselben, fleißiges Kämmen, verhindertdie Krankheit in Polen , wie in andern Ländern, und darum sind nur die niedernStände, besonders die Juden, damit heimgesucht, wozu das Vorurtheil, die sichbildende Verwirrung und Verdjckung durch Schweiß, Schmutz -c. zu unterhal-ten, noch reichlich beiträgt, und die Krankheit nur noch auffallender macht. ImBarte zeigt sich die Krankheit bei den Juden nicht, weil sie diesen sorgfältiger be-achten als die Kopfhaare. Wegen der in Polen herrschenden Unreinlichkeit findetsich selbst unter den Pferden in der Mähne häufig eine Art Weichselzopf. Da langefeine Haare sich leicht verwirren, wenn sie nicht fleißig gekämmt und gewaschenwerden, so muß schon dieses, mit warmer Kopfbedeckung verbunden, den Weich-selzopf unzählige Mal erregen, den dann das Vorurtheil nährt und pflegt, bis derganze Körper dadurch kränklich wird, und man nicht entscheiden kann, was Ursacheoder Folge ist.

Weigel (Karl), 0., k. russ. und großh. sächs. Hofrath, Ritter des Wladi-mirordens, ausübender Arzt in Dresden, ward geb. den 1. Dec. 1769 zu Leipzig ,wo sein Vater UniversitätSproclamator und verpflichteter Interpret? der neugriech.Sprache war. Dieser flößte ihm in früher Jugend besondere Vorliebe für dasGriechische ein, die ein hochbejahrter griech. Arzr in Leipzig , I). Mandakafis, derfrüher in Konstantinopel gelebt hatte, dadurch erhöbete, daß er ihn aufmunterte, sicheinst als Arzt in jener Hauptstadt niederzulassen. Durch Unterricht, den W. jungenGriechen im Deutsche» gab, und durch Umgang mit den damals in Leipzig leben-den, zum Theil sehr gebildeten Griechen, einem TheodokiuS u. A-, erlangte er vielFertigkeit in der neugriech. Sprache. Er srudirte in Leipzig und in Gottingen dieArzneiwissenschaft. die Ferien brachte er meist in Halle zu, wo Reinh. Förster,Kurt Sprengel , Meckel und Rest ihn ihrer Freundschaft würdigten. Vom An-fange 1792 bis Ente 17 machte W. gelehrte Reisen in Deutschland, Frank-reich, Italien und der Schweiz. Längere Zeit lebte er in Wien , wo er des belehren-den Umgangs des trefflichen O.uarin, des ältern und jünger» Jacquin, Plenk'S,Houmburg's, Humczowski's u. A. genoß, und wo er mit des unsterblichen Stollvertrautestem Schüler, dem l>. Nord, im allgemeinen Krankenhause und im Ir-renhause prakticwte. Einen ihm an sich sehr erwünschten vorcheilhaften Ruf alsArzt des Bischofs von Platamon in Thessalien nahm er 1793 nicht an, da seine al-ternden Ältern ihn so weit von sich entfernt nicht wissen wollten. 1794 wurde erder vertraute Freund des U. Bollmann (s. d.), der aus England nach Ostreichkai»^ um den in iNmütz gefangen gehaltenen Lafayetre ausjode Art zu befreien, da