Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
136
JPEG-Download
 

136

Weigel (Karl)

in solcher Gabe an, daß sie Trockenheit im Schlunde bewirkte. Er hatte diesesSchutzmittel, das sich ihm hülfreich bewies und die Meneseiien vor ähnlicher An-steckung bewahrte, schon in Wien kennen gelernt. Auch ließ er 1800 von London die erste Kuhblattermaterie kommen und impfte damit s.. emsige» Sohn. Ermu-thigt durch dies Beispiel und ermuntert durch mehre aufgeklärte Gutsbesitzer undPfarrer in der Umgegend, ward die Kuhblatterimpsung trotz aller Hindernisse vonihm an mehr als 600 Individuen gemacht, und sie hat sich bis jetzt bei allen schü-tzend bewiesen. 1802 folgte er den Aufsoderungen seines väterlichen Freundes,des gelehrten ArsieS l> Pezold, und ging nach Dresden , wo sich ihm durch dessenEmpfehlung und bei seiner Fertigkeit in neuern sprachen ein nicht enger Wir-kungskreis eröffnete. Im folg. I. revidirte er das Manufcript des deutsch -neugrie-chischen Wörterbuchs, das in Leipsia herauskam, übersetzte einige medicinischeSchriften des Auslandes und widmete sich von der Zeit an ganz der Praxis. Erlehnte daher die ihm 1804 von dem Minister v. Burzsdorf angetragene erste me-dicinische Professur in Wittenbei g ab, nachdem er die Verhältnisse an Prt undStelle kennen gelernt hatte. Zur Zeit der franz. Unterjochung Deutschlands schloßer sich enger an treffliche deutsche Männer an, und ward, da er »ach seiner geradenWeise stets forthandelte, der geheimen Polizei als Feind der Franzosen verdächtig.Hierzu kam, daß er 1813 gegen 30 kranke russ. Dfsiciere, die er in Auftrag desruss. Tommandil enden in der Cur hatte, aus ärztlichen Gründen nach Böhmen schaffen ließ, dadurch aber der franz. Gefangenschaft entzog. Deßhalb ward er, alser im Aug. tess. I.von Krankenbesuchen in Leplitz, wohin er zedesMalmirsächsi-schen, von der franz. Behörde contrastgnn ten Pässen gegangen war, zurückkehrte,an der Grenze auf Napoleons Befehl verhaftet, und ungeachtet der Verwendungniehrer fremden hohen Staatsbeamten aus s. Vaterlande fort und auf die franz.Festung nach Erfurt geführt. Bei s. Eintritt in das Staatsgefängniß riefen ihmvon derWand die Namen der vor ihm Eingekerkerten, v. Spiegel und Mahlmann,„Geduld" zu. Er brauchte sie. Den» trotz dem, daß er in einem am 19. Sept.in Dresden gehaltenen franz. Kriegsgerichtfür unschuldig erklärt worden war, undNapoleons Secretair Delorgne erklärt hatte, W. verdiene vom franz. Gouverne-ment wegen der den kranken Dfsicieren geleisteten Dienste Dank und Belohnung,blieb er in der Haft, weil die franz. Couriere von der vorgerückten leichten Reitereider Allürten weggefangen worden waren. Endlich ward er nach dem Rückzüge derbei Leipzig geschlagenen franz. Armee durch den kräftigen Willen des KaisersAlexander und auf wiederholte Auffoterung te-Z die Blockade von Erfurt comnian-direnden Generals, Grafen Kleist v. Nollendorf, im Dec. 1813 gegen einen franz.Ofsicier ausgewechselt. So hatte der für unschuldig erklärte W. in einer gefahr-vollen Zeit, von den Seinigen getrennt, 4 peinliche Monate durchlebt und dabeieinen Kostenaufwand und Verlust von mehren 1000 Tahlern gehabt! Nachs. Rückkehr erhielt W. von dem Kaiser Alexander das Dipolm als russ. Hofrath.Auch ward er auf dessen Befehl an die Spitze der militärisch-Medicinischen Ange-legenheiten gestellt und hatte in Verbindung mit den sächs. Behörden ein Hospitalfür mehre 1000 Kranke zu errichten. Wie schwierig dies auch bei der Erschöpfungder Staatskasse war: es ward eingerichtet, und nach und nach fanden darin an6000 Russen und Preußen Aufnahme und Pflege. Hier wendete er gegen denTyphus, der so mörderisch außer dem Hospitale wüthete, mit dem ausgezeichnetstenErfolge die Curne'schen kalten Beziehungen an, und hatte, mit Ausschluß der mehreoder weniger schwer Verwundeten, nur 9 —10 vom hundert Todte, wie die Listennachweisen. Dabei trugen ihm das Geh.-Finanzcollegium und das fremde Gou-vernement die Revision mehrer Anstalten auf, und er vollzog diese» Auftrag zumVortheile des Staats. Zum Arztbei der Ritterakademic ernannt, richtete er dieSommer- und Winterkrankenzimmeric. Zweckmäßig ein, und führte in den2 Iah-