148 Weimar (Fürstenth.) Weimar (Hauptst.) »
u. s. w.) ward vorbereitet; die Öffentlichkeit der Sitzungen und der censurfreie Druck !der Verhandlungen wurden von den »Ständen nicht genehmigt. Auf dem Landtage1829 wurden Ersparnisse in den AuSg. bestimmt, um das Deficit zu decken. 37.
W e > in a r, das Fürstenrhum, bestand ursprünglich aus einigen um die !Stadt her belegenen Ämtern, bis 1690, nach AuSsterben der Herzoge von Sach-sen-istena, der jenaische Landesantheil damit vereinigt wurde. Dadurch erhielt ^Las Land seine Rundung, aber nicht seinen jetzigen Umfang, indem erst 1815 das ^neuerworbene Tautenburg mit Zwätzen, Lehesten , Licbstedt und den übrigen sächs. iEnclaven, die Grafschaft Blankenhain mit Nieder-Kranichfeld und die erfurter ^Ämter AtzmannSdorf und Tonndorf mit Schloß Dippach u. s. w., sowie das AmtIlmenau und der neustädter Kreis einverleibt wurden. Mit diesen Zubehörungen ibildet es gegenwärtig ein jedoch nicht zusammenhängendes Ganzes von 46 f^M. !Die Einw., an 150,000, in 24 St., 4 Mfl., 479 D., sind, bis auf einzelne !Katholiken, Refornürle und Juden, lutherischer Confesston. Das Land ist zwar 'bis auf das in dem Thüringerwalde belegene Ilmenau nicht gebirgig, aber ganz !mit Hügeln bedeckt, die wenig eigentliche Ebenen offnen; der Boden strenge und lnur mäßig fruchtbar; die Natur in einigen Thälern, wie im Saalthale bei Jena iund im Lbcrilmthale, schön. Die wichtigsten Flüsse sind die Saale und die Ilm. Ackerbau ist der vornehmste Nahrungszweig der Bewohner; das Land ist gut an- ,gebaut, die Viehzucht, besonders die meistens veredelten Schäfereien, ansehnlich, ^und die Waldungen ein großer Reichthum des Landes, das bloß natürliche Erzeug- ,nisse zur Ausfuhr bringt, da die vormals ansehnlichen Wollen - und Strumpfwe- ,bereien in neuern Zeiten verloren haben; doch sind diese im .Neustädtischen noch am >meiste» im Flore; auch das kleine Ilmenau zeichnet sich durch Hütten und andre ^Gewerbe aus. 1829 wurde ein Verein zur Beaufsichtigung und Besserung entlas-sener Sträflinge gebildet, der 654 Personen aus allen Ständen zählt. Über die -Waisenanstalt des Fürstenth. durch Versorgung in Familien s. Günther'S Schrift:„Die Waisen im Großherzogt. S.-W." (Weinn 1825).
Weimar, an der Ilm , Hauptst. des Großherzogth., ein jetzt offener Ortmit unregelmäßigen Straßen und Plätzen, hat 950 zum Theil freundliche Häuser,mit 9900 E. W., eine der denkwürdigsten Städte Deutschlands , und hochgeseiertin den Iahrb. unserer Literatur durch die Namen eines Herder, Schiller, Wieland,Göthe u. s. w., ist die Residenz des großherzogl. HauscS, der Sitz der Ober- undder Provinzialbehörden des Fürstenthums. Das Schloß hat eine schöne Lage undist im Innern äußerst geschmackvoll eingerichtet. Vor ihm hin zieht sich der Park,eine der reizendzben Anlagen, die jeder großen Stadt zur Zierde gereichen würde.Die großherzogl. Bibliothek, mehr als 130,000 Bde., außer den Kupferstichen,Manuscripten und Haudzeichnungen, ist zweckmäßig aufgestellt. In der Haupt-kirche (W. hat überhaupt nur 2 Kirchen) findet sich die großherzogl. Gruft und mehreGemälde Kranach'S , der aus ihrem Kirchhofe begraben liegt, besonders das be-rühmte Altargemälde dieses Meisters, den Erlöser am Kreuz nebst Johannes demTäufer vorstellend, Luther von Lucas Kranach zur Seite, aus dessen Flügeln Kur-fürst Johann Friedrich und s. Familie. S. Heinr. Meyer, „Über die Alrargemäldcvon Lucas Kranach in der Stattkirche zu Weimar" (1813). Weimar hat ein starkbesuchtes Gymnasium, ein Schullehrerseminar, eine freie großherzogl. Zeichnen-schule, ein Zuchthaus, ein Waisenhaus, ein wohlthätiges Fraueninstirut, einHospital und Krankenhaus, eine Freimaurerloge und ein 1825 ncugebauteS Hof-theater, dessen Personal unter Göthe's und Schiller's Leitung zu den ausgesuchte-sten Deutschlands gehörte und viel zur Richtung des guten Geschmacks beigetragenhat. Das iveimarische Kunstinstikur hat Zweige in Eisenach und Jena . Merkwür-dig ist hier noch Berruch's (jetzt Froriep's) Industriecomptoir mir dem Geographi-schen Institute, vielleicht die ausgedehnteste Anstalt der Art in Deutschland , in