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Weitzel
1171. Seinen Daten, der starb, da der Knabe erst 3 I. zählte, hat er nicht gekannt.Mit 3 noch unerzogenen Schwestern auf die Pflege der unbemittelten Mutter be-schränkt, war an Erziehung und Unterricht oder irgend eine Art von Bildung nichtzu denken, und er hatte in seiner Kindheit und Jugend mit harter Noth zu kämpfen.Alle Verhältnisse der Geburt und des Glücks, die gewöhnlich für das ganze Lebeneines Menschen entscheidend sind, waren gegen ihn; was er ist, verdankt er alleinsich selbst. In der bedrängten Lage s. Familie bot sich dein Knaben kaum die Aus-sicht dar, ein gewöhnliches Handwerk zu lernen. Da man ihn indessen für die Feld-arbeit zu schwach fand, ward er zum Schneider bestimmt. Allein es regte sich inihm der Wunsch zu studiren, der sich immer lebendiger und endlich unwiderstehlichoffenbarte. Beharrlich setzte er durch, wozu er entschlossen war. Anfangs mußte ersich mit dem dürftigen Unterricht s. Dorsschulmeisters behelfen, dann ging er gegenden Willen s. Mutter allein nach Mainz , ließ sich in das dortige Gymnasium auf-nehmen und half sich auf eine fast wunderbare Weise fort. Bezeichnend ist, daß er,obgleich sehr dürftig, sich nicht in das Verzeichniß der armen Studenten eintragenließ, sondern, den Vermögenden gleich, auf jede wohlthätige Unterstützung verzich-tete und sogar den Unterricht, den er empfing, bezahlte, da er sich selbst durch Unter-richt, den er gab, spärlich nährte. Es ist ein anziehendes und lehrreiches Schauspiel,diese freie und kräftige Natur in langem, hartem Kampfe mit allem Ungemach derDürftigkeit und der gröbsten Vorurteiles. Standes zu sehen, den er mit fröklichemMuthe und männlicher Ausdauer besteht, und siegreich seine Freiheit, s. stolzesSclbst-gesühl und s. Vertrauen auf sich und tieMenschen rettet. Er selbst hat dies Schau-spiel in einer Art von Autobiographie beschrieben, die den Titel fuhrt: „Das Merk-würdigste aus meinem Leben und aus meiner Zeit". Als Custine 1792 mit denFranzosen Main ; besetzte, zog W. sich in den Rheingau zurück und nahm die Stelleeines Hauslehrers bei einer befreundeten Familie an. EinigeIahre später vollendeteer seine zu Mainz unterbrochenen Studien in Jena und Göttingen , macbre eineReise nach Dresden und endlich durch einen Theil von Frankreich und der Schweiz ,kehrte dann nach der geliebten Heimath zurück, wo er im Schoße der Eeinigen denStudien'lebte. Hier verlassen uns die biographischen Notizen, die uns W. in dem„Merkwürdigsten aus meinem Leben und aus meiner Zeit" über sich selbst gegeben,und das Werk scheint mit dem 2. Tb. abgebrochen. Das ist zu bedauern, befrem-det uns aber beiden! gegenwärtigen Stande der Dinge keineswegs. Wir geben in-dessen die Hoffnung nicht auf, die fehlenden Theile zur rechten Zeit unter s. Papie-ren zu finden. Der Verlust dieser Arbeit dürfte Manebem schon darum schmerzlichsein, weil der Vf. im 2. Th. eine raisonnirende Übersicht der ftanz. Revolution be-gonnen hat, von der man glauben sollte, die einzigen Geschichtschreiber derselben,die später aufgetreten sind, Mignet und Thiers, hätten sie benutzt, wenn man an-nehmen dürfte, daß ihnen das Werk bekannt gewesen sei. — Im Rheingau erhieltW. 1798 von der sranz. Behörde, die das linke Rheinuser organisirte, den Ruf alsCommissair der Regierung im Canton Otterberg, Deport, vcm Donnersberg , undfolgte ihm. Bald darauf ward er aufs. Verlangen in derselben Eigenschaft nach Ger -mersheim versetzt, versah dabei unter den schwierigsten Verhältnissen die Stelle einesKriegScommissairs, und hatte als solcher, da das Heer von Requisitionen lebte, undder übermächtige Feind über den Rhein zu gehen drohte, eine ausgedehnte Vollmachtund große Verantwortlichkeit. An dieser gefährlichen Stelle/ in einer höchst bedenk-lichen Zeit, zeigteW.eine Rechtlichkeit und Strenge, die von seiner jugendlichen Be-geisterung fürWahrheit, Recht und Tugend,aber auchvon seiner wcnigenMenschen-kenntniß Zeugniß gibt. Unter Anderm verfolgte er eine ungebeureVerschleuderungvon Militaireffecten, während der Soldat fast an Allem Mangel litt, und die Er-pressungen eines begünstigten Generals im eignen Lande. W. hatte nicht genug be-dacht, vielleicht auch nicht gewußt, daß sein eigner Vorgesetzter, der Commissair-