Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
168
JPEG-Download
 

458 Wellington

kündeten genommen war, und begab sich ebenfalls dahin. Dann machte er eineReise nach Madrid, wo ih» Ferdinand VII. in seinen von den Cortes erhaltenenWürden, als Herzog v. Eiudad Rodrigo, Grand von Spanien der 1. Classe, Her-zog v. Vittoria und Ritter des goldenen Vlieses, bestätigte. Auch ernannte er ihnzum Generalcapitain von Spanien . Für die Rückstände des damit verbundenenGehalts wählte der Herzog v. W. in der Folge Kronländereien, und zwar Leres dela Frontera. Vcm Madrid begab sich W. nach London , wo ihn (23. Juni) dasVolk mit Jubel empfing. Der Prinz-Regent hatte ihm den Hosenbandorden undden 3. Mai 1814 die Würde eines Herzogs v. W. ertheilt; das Parlament be-stimmte ihm, außer den frühern Geschenken, z. B. von 100,000 Pf. für den Siegbei Salamanca , eine Summe von 800,000 Pf. zum Ankauf von Landgütern.Darauf ging er als Botschafter nach Paris (24. Aug.), und trat ani 1. Febr. 1815als erster Bevollmächtigter Englands bei dem Eongresse zu Wien an Lord Eastle-reagh'S Stelle. Hier unterzeichnete er die Achtserklärung der in Wien versammel-ten Mächte gegen Bonaparte und Len DundeSvertrag voni 25. März zwischen Öst-reich, Rußland, Preußen und England. Darauf übernahm er in Brüssel (6. Apr.)den Oberbefehl über die britischen, hanöver., Holland , und braunschweigischen Trup-pen. 'AlsBonaparte den 15. Juni die Preußen angriff, befand sich W. inBrüssel.Sofort brach er am 16. mit dem Heere nach Quatre-Bras (s. d.) auf, wobereits die Schlacht ihren Anfang genommen hatte. Tapfer widerstanden feineTruppen den wiederholten Angriffen Ney'S, doch konnte er den Preußen bei Lignynicht zu Hülfe kommen. Als Blücher besiegt war, warf sich Napoleon auf W.'sHeer. Dieses behauptete sich mit ruhmvoller Anstrengung den 18. Juni auf denHöhen von Waterloo (s. d.) gegen die Übermacht desFeintes, bisBlücherheran-eilte und den sieg entschied. Napoleons Heer ward vernichtet, und unaufhaltsamdrangen Blücher und W. gegen Paris vor, wo sie den 5. Juli mit Eapitulationeinzogen. Hierauf führte W. den 8. Juli Ludwig XVIII. in (.Hauptstadt zurückund nahm nun Theil an den Unterhandlungen. Für die Zurückerstattung desKunstraubes, welche zuerst Preußen, dann auch Östreich, in Ansehung ihres Eigen-thums durchsetzten, verwandte er sich erst spät und bloß für den römischen Stuhl,der deßhalb Eanova nach Paris geschickt und W.'s Beistand sich erbeten hatte. ImApril 1816 übernahm er den Oberbefehl über das Besatzungsheer, welches Frank-reichs Ruhe sichern sollte, wodurch er einen bedeutenden Einfluß auf die Leitung derallgemeinen Angelegenheiten Frankreichs erhielt und dabei stets die gemäßigtenGrundsätze der Eonstitutionnellen gegen die Ultrarovalisten unterstützte. Dochnahm er sich der von Fanatikern im Garddepart. grausam verfolgten Protestantennicht so kräftig an, als man hätte erwarten können. Desto thätiger war er in derLeitung der Befestigungsarbeiten an der niederländ. Grenze und bei dem AuSglei-chungsgeschäste zwischen den europäischen Machten und Frankreich . Er untersuchteselbst und minderte, wir wissen nicht, nach welchen Grundsätzen, die Privatfode-rungen, welche endlich 1818, zum großen Kummer der Bekheiligten, auf eine kleineSumme herabgesetzt wurden. Auch entschied vorzüglich W.'S Stimme die Ver-minderung des Besatzungshceres 18N, sowie den Beschluß, es zu Ende 1818ganz aus Frankreich herauszuziehen. Diese Verwendung für Frankreich erwarbihm zwar das Vertrauen der franz. Minister und Ludwigs XVIII., sowie die vonihm streng behauptete Mannszucht seiner Truppen von der franz. Nation mit Dankanerkannt wurde; allein dennoch konnte der Stolz des besiegten Volks eS ihm nichtvergeben, daß er, der Überwinder, in ihrem Lande als Befehlshaber auftrat. Be-sonders haßte ihn der franz. Krieger; indeß war der angebliche Mordanschlag gegenihn, 12. Febr. 1818 zu Paris , dessen Untersuchung im Mai 1819 mit der Frei-sprechung der Angeklagte» endete, nichts als ein Ränkespiel, in welches Lord Kin-uairo sich verwickelt hatte. — Der Herzog v. W- bar unter allen jetzt lebenden Feld-