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Welthandel, l. Europa
dürfniß, den natürlichen Reichthum mit dem Kunstvermögen ausgleichend, wildeNationen mit den gebildeten verknüpft und die ganze bewohnte Erde dem Gesetzeder -Litte unterwirft, insoweit diese auf Verstand und Arbeit beruht. Wie derWelthandel einst mir den Waffen des Fleißes, des Friedens und der Freiheit dieSteppen ScythicnS und die Wüsten Libpens eroberte, so lichtet er jetzt die Urwäl-der Amerikas und trocknet Australiens Gewässer aus. Seit Jahrtausenden durch-kreuzt er die Binnenländer der alten Welt, seit Jahrhunderten durchzieht er dasWeltmeer, und seit Zähren sinnt er darauf, wie er die Landenge Daricn durch-schneiden und das Polareis durchbrechen soll. Er ist die ewige Argonautensahrt inder Völkergeschichte, und sein Kolchis heißt von den ersten Zeiten des Weltverkehrsan bis jetzt — Indien . Der Raum unsers Werkes gestattet es nicht, den Ganzdes Welthandels in der alten Zeit darzustellen; wir verweisen deßhalb aufHeeren's„Ideen", und geben bloß eine allgemeine Übersicht derjenigen Völker, welchegegenwärtig auf dem Weltmärkte verkehren.
I. Europa ist, seit Alexander Tyrus eroberte, im Besitze des Welthandels,und es sicherte sich denselben durch sein von Heinrich dem Seefahrer (s. d.)gegründetes Colonialsystem, durch welches es den Alleinhandel mit Colo-nialwaaren erhielt. Unter diesen versteht ma» die Erzeugnisse derPsianzungs-,Handels-und Bergbaucolonien; jedoch die der letztere« nur zum Theil, denn edleMetalle und Edelsteine werden nicht leicht mit jenem Namen bezeichnet, so wenigals die Erzeugnisse der Ackerbau treibenden Colonien im engern Sinne; dagegenbegreift man unt. dies. JA Gewürze und Specereien, ostindische Zeuche aller Art,Farbe-und Möbelhölzer, Arzneimittel, Baumwolle, und vor allen Caffee, Zucker,Reis und Thee. Ostindien liefert vornehmlich Baumwolle, Zucker, Caffe , Reis,Zeuche, Spezereien und Thee aus Ehina; Westindien Cacao, Caffee , Zucker undBaumwolle; Südamerika edle Metalle und Steine, Färbe-und Schreinerhölzer,Arzneimittel u. s. w. Der Verbrauch dieser Waaren, der früher nur den Reichernmöglich war, hat sich, seitdem das Meer die große Straße für den Handel nachOstindien und Amerika geworden, seit dem Anfange des 15. Jahrh., vornehmlichaber, seitdem Engländer und Holländer den ersten Platz unter den ColonialvölkernEuropas eingenommen, mit dem Anfange des 18. Jahrh. inS Ungeheure vermehrt.Statt daß die Colonialwaaren früher nur Gegenstände des höhern Luxus waren,sind sie seit der Zeit Gegenstände des Bedürfnisses, selbst für die niedrigsten Classender Bewohner Europas geworden. Dadurch ward aber auch zugleich eine gänzlicheUmwälzung >n dem bürgerlichen und politischen Zustande unsers WelttheilS herbei-geführt. Der Welthandel erhielt eine ungleich höhere Wichtigkeit und ein allgemei-neres Interesse. Der Stand der Kaufleute, der sich eben dadurch so außerordent-lich verniehrte, bildete bald einen über die gesammte cultivirte Welt sich verbreiten-den Bund, tzer nur von Einem Zwecke beseelt war, den Handel in seinem Gangezu erhalten p»und selbst unter kriegführenden Nationen bemühten sich die Regierun-gen, vergeblich, die Verbindungen der Kaufleute unter einander gänzlich abzuschnei-den. So ward durch den immer lebhafter werdenden Verkehr der Völker unter sichzugleich der Austausch der Ideen befördert, die Begriffe erweiterten sich, ein welt-bürgerlicher Geist vereinigte isoliere Nationen und schuf die Völker Europas gleich-sam zu einer großen, gebildeten Familie um. Gleich folgereich ward die durch densteigenden Verbrauch der Colonialwaaren bewirkte größere Wichtigkeit der Colo-nialstaaten, d. h. in neuern Zeiten vorzüglich der beiden Seestaaten, Englandund Holland . Für beide und im geringern Grade auch für die übrgen Colonial-staaten Europas ward der Handel mit den Erzeugnissen der Colonien eine vorzüg-liche Quelle des Reichthumsund der Macht; beide trugen wie kein andrer Staatzur Bildung der europäischen Menschheit bei, wie denn auch die höhere politischeWichtigkeit beider höchst wohlthätig auf das politische Gesammtwesen von Europa