Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wenden

und 1749 eine zu Wittenberg zu erhalten, sowie auch ein wendisches Seminariumzu Prag für die Katholiken. Um ihre Sprache eniporzuheben und zu erhalten, er-schienen von Zeit zu Zeit Erbauungsbücher, eine vollständige Bibelübersetzung,eine (Grammatik u. a. brauchbare Bücher. Trotz dem ist die Abnahme der slawi-schen Sprache in der Niederlausitz immer sichtbarer. In Pommern starb der Letzte,der noch wendisch sprechen konnte, 1404. Nur in dem Fürstenthume Lüneburg in den Ämtern Danneberg, Lüchow und Wustrow, zwischen der Elbe und Irehe,erhielt sich bis in die neuern Zeiten ein Haufen von dem obotritischen Hauptstamm(Polaben genannt, von Labe: Elbe , und po: anwohnend), und 1751 wurde inWustrow der letzte wendische Gottesdienst gehalten. Diese Wenden waren zwarnoch in der letzten Hälfte des 18. Jahrh, in ihrem Wesen vorhanden, allein dieBeamten arbeiteten unaufhörlich an ihrem Untergänge, den sie auch erzielten, in-dem sie diese Sprache so herabsetzten, daß sich dies» Leute, um nicht ausgelacht zuwerden, hüteten, ein Wort wendisch zu sprechen. Chr. Henning, Pastor zu Wu-strow , sammelte zwar aus dem Munde eines klenower Bauern, Johann Ianischke,einzelne Worte, die aber durch unrichtige Schreibart ganz entstellt in die Händedes ll. Anton in Görlitz kanien, und von welchen, außer einigen in die „Slowanka"von Dobrowskv aufgenommenen, Nichts bis heute gedruckt wurde. Außer diesemftmimelten auch Hr. Pfefstnger, Infteccor zu Lüneburg 1698, Domeier u. A.,lüneburgisch-wendische Wörter, nach welchen diese Mundart sich dem Polnischennäherte, sonst aber ihre Eigenheiten hatte.

Die Wenden waren ein kriegerisches Volk und führten vom Anfange des7. Jahrh, an Kriege gegen die Franken, denen sie zinsbar wurden, dann, öfters inVerbindung mit den Böhmen und später mit den Ungarn, gegen die Deutschen ,bis sie (934) bei Merseburg von Heinrich I. und 948 von Otto völlig geschlagenwurden. Die deutschen Könige errichteten nun die Markgrafschaften Meißen ,Nordsachsen und Lausitz , um die Wenden im Gehorsam zu erhalten. Auch wurdendie Stifter zu Meißen, Merseburg, Zeitz und Magdeburg zum Theil in der Absichtangelegt, die christliche Religion unter den Wenden auszubreiten. Sie wurden ausihren Städten, die nun deutsche Bewohner erhielten, auf die Dörfer verdrängt;die Kriegsgefangenen wurden an Stifter, Klöster und Adelige als Leibeigene ver-schenkt; alle Mittel wurden angewendet, die Wenden zur Annahme der christlichenReligion zu zwingen und sie nach und nach mit den Deutsche » in Ein Volk zu ver-schmelzen. 1047 errichtete Gottschalk ein wendisches Reich oder obotritisches Kö-nigreich, das, aus 18 Provinzen bestehend, unter den sächsischen Herzogen und demdeutschen Könige stand, und bemühte sich deutsche Sitten einzuführen, wurde aberdeßhalb 1066 ermordet. Sein Lohn Heinrich stellte es 1105 wieder her, welchesspäter der Herzog v. Schleswig , Knud, zu Lehn erhielt, nach dessen Tode es inkleinere Staaten zerfiel. Die christliche Religion wurde unter ihnen seit dem 10.,11. und 12. Jahrh, eingeführt, obwol die Lprwen des heidnischen Götzendienstes(sie verehrten u. 21. den Bilbog, Swantewit rc.) noch lange bemerkbar blieben.Unter den Glaubensboren sind merkwürdig: 1) L. Vizelin, aus dem Lande Ha-nteln, der in Holstein und den benachbarten wendischen Ländern das Christen-thum lehrte. Er hatte in Paris 1121 fg. studirt und starb als Bischof von Olden-burg. 2) Otto von Bamberg . (L. Pommern.) Die beabsichtigte Bereinigungmit den Deutschen aber konnte nicht überall und gänzlich erreicht werden. Nochjetzt haben die Nachkommen der Sorbenwenden in der Ober- und Niederlausitz — die Wenden der letzter» Provinz nennen sich selbst Lzerbie — die Kleidung,Sprache und Sitten ihrer Vorfahren, obgleich mit einiger Verschiedenheit derSprache und Kleidung in beiden Provinzen, beibehalten. Selbst im heutigenMeißen finden sich unter den Laudleuten noch Gebräuche, die von den ehemaligenwendischen Bewohnern dieser Gegenden übriggeblieben sind. — Die heutigen