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Wendler Wenzel (Joseph — Karl
Wenden in der Lausitz bewohnen den Landstrich von Löbau bis an die MarkBrandenburg. Sie sind ein arbeitsames, treues Volk; aber durch den Druck,unter dem sie seit ihrer Unterjochung zum Theil gehalten worden, mißtrauisch undzurückhaltend gemacht, und werten daher oft mit Unrecht für heimtückisch gehal-ten. Viele Fehler haben sie mit andern Landbewohnern gemein. Es ist ein kräf-tiger Menschenschlag; ihre Weiber werden in den benachbarten Provinzen vor-zugsweise zu Ammen gebraucht; ihre Jünglinge geben gute Soldaten. IhreSprache, die mit a. Töchtern der slawischen Sprache, der böhmischen, polnischenund russischen, so viel Ähnlichkeit hat, daß sie sich mit diesen Nationen gegenseitigverständigen können, ist melodisch und kräftig. Versuche, die man gemacht hat,erhabene Gedichte (Klopstock's „Messias") in die wendische Sprache zu übersehen,haben bewiesen, daß diese einer höhern Ausbildung nicht unfähig ist. In Leipzig besteht noch eine wendische Prediger-gesellschaft, d. h. ein Verein junger Stxdiren-dcr aus der Lausitz, welche sich im Predigen in der wendischen Sprache üben.
Wendler (Johann), geb. in Nürnberg den 23.Äct. 1713, starb zu Leipzig als Buchhändler den 14. L)ck. 1799 im 86. Lebensjahre. Da dieser Mann durchs. DerlagSunternehmungen sich ein ansehnliches Vermögen erworben halte undnicht verheirarhet war, so wurde es ihm, gegebenen Winken zufolge, möglich, seinAndenken, das er durch manche Fehltritte verdunkelt hatte, durch milde Stiftun,gen zu erhalten. Als Geliert den Verlag seines ersten Werks, der „Fabeln", meh-ren Buchhändlern vergeblich angetragen hatte, übernahm ihn W. und gab fürden Dogen 32 Groschen. Das Bück erlebte bald 6 Austagen. Auch die übrigenf> ühern Schriften Gellcrt's verlegte W. Nach der 8. Aust. von Gellert's „Fabeln"stiftete er 3 Stipendien, jedes zu 100 Thlr., die auf 2 Jahre vergeben werden,sodann 1787 in Leipzig eine Freischule für Kinder weniger bemittelter Ältern,und setzte zu deren Fortdauer 10,000 Thlr. aus. 60 Kinder männlichen undweiblichen Geschlechts werten in dieser, u. d. N. der „Wendler'schen Freischule"bestehenden und nicht mit der Rathsfreischule zu verwechselnden Anstalt, von 7Lehrern und einer Nähterin unentgeltlich unterwiesen und mit den nöthigenSchulbüchern versehen. 1790 oder 1791 stiftete W. 6 Freistellen im leipzigerConvicte zunächst für Studirende aus Nürnberg , oder für solche, die aus demUmkreise von 3 Meilen von s. Vaterstadt gebürtig wären, und in deren Erman-gelung für studirende Ausländer. Im Wendler'schen Garten, welcher dicht ansein vor dem grimmaischen Thore gelegenes Haus grenzte, stand auch zuerst einDenkmal, welches W. Gellert hatte setzen lasten, und das jetzt in dem Uni-versitätSgarten neben dem Paulinum aufgestellt ist. 11.
Wenzel (die Brüter Joseph und Karl), ein wahrhaft literarifchesZwillingspaar. Söhne eines Arztes und Professors in Mainz , fast von gleichemAlter, der Erste 1768, der Andre 1769 geb., studirten sie Beide zugleich auf derdamals wieder herrlich aufblühenden Universität ihrer Vaterstadt, unter Söm-merring, Weidemann u. A., Medicin, von 1786 — 91, promovirten Beide anEinem Tage unter Sömmerring, machten gemeinschaftlich fast 2 I. lang gelehrteReisen in Deutschland und Italien , wirkten als Ärzte gemeinschaftlich, als sienach ihrer Zurückkunft Beide 1793 — 95 in Mainz practicirten, und auch nochspäterhin, als Karl W. in dem nahen Franfurt sich einbürgerte. Doch am ein-trächtigsten und stets gemeinschaftlich wirkten sie als niedieinische Schriftsteller;selbst nach dem Tode des ältern Bruders erschienen von dem jüngern nochWerke, an denen der Verst. großen und anerkannten Antheil hatte. Ihre Haupt-werke handelten von der Strucrur und den Krankheiten des Gehirns, vorn Kre-tinismus, von geburtshülflicken Gegenständen rc., besonders das Merk über dasGehirn der Menschen und Thiere: „I)e zienitiori eeresiri Iiurnanr ei uniina-liuin ^ruclura"; über den Hirnanhang fallsüchtiger Personen; über die schwcm-