Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Werner (.Abraham Gottlob) 205

die Waisenhausscbule zu Bunzlau in Schlesien , welche er nach eiffolgter Confir-mation 1764 verließ. Er wurde zur Unierstützung s. Vaters als Hüttcnschreiber inWchrau angestellt. Kränklichkeit, durch übermäßigen Fleiß herbeigeführt, nöthigteden Ibjähr. Jüngling, Karlsbad zu brauchen. Er sah auf dieser Reise zum erstenMal den großen Bergbau '.u Freiberg . Hier wurden einige Bergbeamte auf denfür ihr Fach begeisternd eingenommencn jungen Mann aufmerksam und bewo-gen ihn, die 2 Zahre zuvor errichtete Bergakademie zu beziehen, welches Hstern1769 geschah, gerate in den Tagen, an welchen dem Kurfürsten, nachmaligenKönig Friedrich August gehuldigt, und wobei ein großer Bergaufzug veranstal-tet wurde. So lernte W. die glänzende und politische Seite des Bergmannslebenskennen. Die Akademie war noch in der Wiege, allein dessen ungeachtet ergriff W.die vorhandene Gelegenheit zu lei nen, blieb aber nicht bei dem Anhören der Ver-träge und den aufgegebenen Arbeiten stehen, sondern ließ sich das Befahren undUntersuchen der Gruben angelegen sein und benutzte sorgsam die Gespräche überGegenstände der Mineralogie und des Bergbaues mit den obern und niedernBeamren, vernachläßigte es aber auch nicht, s. Sprach-und übrigen Kcnnkniffeweiter auszubilden. 1771 bezog W. die Universität Leipzig , widmete sich in denersten beiden Jahren besonders dem Studium der Rechtswissenschaften, späterdem der Naturkunde und gab 1774, in welchem Zahre er Leipzig verließ, s. „Ab-handlung über die äußern Kennzeichen der Fossilien" heraus. Zni folgenden Z.wurde er als Znspcctor und Lehrer der Mineralogie und Bergbaukunde bei dersreiberger Bergakademie angestellt. Hier lehrte er nun bis an s. Tod, verschaffteder Akademie einen großen Ruf und bildete Mineralogen, Berg--undHüttenleute,die aus allen Gegenden Europas und selbst aus Amerika herbeigekommen waren,um von dem berühmten W. zu lernen. Unter s. Schülern sind eine Menge be-rühmter Namen. Gleich in den ersten Zähren s. Lehramtes trennte er die Ver-träge über Bergbaukunde von denen der Mineralogie und schied nun auch sehrbald die Lehre über die einfachen, nicht gemengten Mineralien von der über dieGebirge und Gebirgsarten, oder die Orpktognosie von der Geognosie,welche letztere Wissenschaft zuerst 1786 in gehöriger wissenschaftlicher Form unterdiesem Namen von W-, ihrem Begründer, vorgetragen wurde. „Wir unterschei-den", sagt Pros. Weiß in Beilin, einer der vorzüglichsten Schüler W.'S, „billigWerner den Orrkrognosten und Werner den Gcognosten. AIs schöpferischer Geiststeht er in beide» Beziehungen da; ja selbst die Namen erinnern uns daran, daßer beiden Disciplinen eine gänzlich neue Gestalt gab; denn auch die Bildung derNamen, das Ganze gehört ihm. Freilich nicht bloß Namen und Gestalt erhieltdie Wissenschaft neu durch ihn; Werner gab beiden Disciplinen einen neuen Zu-hält. Doch was wäre das Neue, wenn es nicht auch dos Wahre wäre, wenn mandie Natur in Den, nicht fände, was die Wissenschaft Wernerisch zu nennen hat!Auffassungskraft der Natur war in hohem Maße das Talent von W. Erhalteeinen klaren Blick, unbewölkt, heiter und sicher; die Kraft, anzuschauen, zu fassenmit den Sinnen, stand ihm in eminentem Grade zu Gebote; er war darin Mei-ster. Geregelt von klarem Verstände und scharfer fester Urtheilskraft, war die Reg-samkeit, die feine Empfänglichkeit der Sinne sein erstes Naturtalent, und erwußte aus ihrem sorgfältigern cultivirtern Gebrauche die Grundlage seiner neuenWissenschaft zu bilden". — W.'s Bryktognosie lebt ganz und gar in der An-schauung. Das Bild der sinnlichen Anschauung der Gegenstände vollständig undgenau aufzufassen und in Worten deutlich ausgeprägt wiederzugeben, war dieSeele seiner Lehrmethode, und Worte, Kennzeichen, Beschreibungen waren nurdie Mittel. Aus alle bedingten und höhern wissenschaftlichen Hülfsmittel leistetesie Verzicht, und in dieser Hinsicht war W.'s Orvktognosie einer allgemeinen wis-senschaftlichen Mineralogie, sowie sie jetzt immer mehr und mehr ausgebildet wird,