207
Werner (Friedrich Ludwig ZachariaS)
müßigen Einkommen um so leichter, da er nicht verheirathet war. Er stark» zuDresden am 30. Juni 1817, in den Armen s. Freunde und s einzigen Schwester.Sein Leichnam wurde, auf Kosen des LtcatS, unter einem feierlichen Trauerzuge,nach Freiberg abgeführt und in dem dortigen uralten Dom, nicht fern von den ir-dischen Resten des Kurfürsten Moritz und andrer Fürsten des Hauses Sachsen,beigesetzt. Die mineralogische (Gesellschaft zu Dresden , deren Mitstifter und ersterPräsident er war, hat ihm an der freiberger Straße, eine Stunde von DreSden ,ein aus Granirblöcken und Basaltsaulen gruppirtes Denkmal errichtet. SeineSchwester, die verwitw. Pastorin Glaubitz zu Dirschberg in «Letztesten, ließ Ihm1823 auf seinem (Krade ein Denkmal setzen. Sein patriotischer Sinn hatte ihnschon lange vor s. Tote daran denken lasten, der freiberger Akademie s. reiche undvollständige Mineraliensammlung zu erhalten, obwol ihm aus England 50,«100Thlr. dafür geboten worden waren. Er überließ sie der Akademie für 40,000 Tl»lr„von welchen ihm jedoch nur 7000 Thlr. baar ausgezahlt, das Übrige aber verzinstwurde. Nach seinem Tode fielen die Zinsen von 17,000 Thlrn. auch der Akademieanheim, und alle s. noch übrigen Sammlungen an Büchern, Landcharten, Rissenund Zeichnungen, Münzen rc., und s. ganzer literarischer Nachlaß wurde derselbenfür die geringe S umme von 5000 Thlrn. überlassen. Auch die Schwester eiferteauf eine höchst würdige Weis? dem Edelmurhe des Bruder« nach. — Au Edin-burg in Lchottland stiftete ein Schüler W.'s, der berühmte Professor Robert .Ja-meson, eine gelehrte Gesellschaft u. d. N. XVcuiierini, Astiir.i! llistarp 8oeb;ts.Lebensbeschreibungen W.'S lieferten der zu früh für die Wissenschaft verst. Geh.Finanzrath Blöde zu Dresden , im 2. Bde. der „Schriften der Mineralog. Gesell-schaft" daselbst (1818), und der dresdner Prediger I). Frisch, der 23 I. lang zuFreiberg mit W. innig befreundet war. Die letztere (Leipzig 1825) enthält zu-gleich 2 Abhandl. des Profi II. Weiß über W.'s Verdienste um Oryktognosie undGeognofie. Auch des Abate Luigi Eonfigliachi „»enxiire iuiorno all,, viw. eckalle I pi-re ckei ckue Viliii'lllGi IX ei ner eil IInu^" (Padua 1827) ist eine gründ-liche Würdigung des wissenschaftlichen Verdienstes der beiden Naturforscher.
Werner (Friedrich Ludwig Zacharias) gehört unter die merkwürdigenZeitgenossen, theils wegen s. Mitwirkung zu dem Zwecke einer religiösen Reaction,wo möglich auf Kosten des Protestantismus, theils wegen s. dichterischen Eigen-thümlichkeit, theils wegen s. persönlichen Verhältnisse. Er ward zu Königsberg inPreußen d. 18. Nov. 1788 geb. Sein Vater, Profi der Geschichte und Beredt!'am-kcit an der dort. Universität, starb, als der einzige Sohn erst das 13. Jahr zurück-gelegt hatte, sodaß dieser nun bis zum 22. unter den unmittelbaren Einflüssen derMutter stand. Sie war eine Frau von durchdringendem Geiste, lebhafter P han-tasie und tiefem Gefühl, verlor jedoch später das Gleichgewicht ihrer Leelenk rüsteund litt fortdauernd bis zu ihrem Tode an einer Gemüthskrankheit. 1784 >oardW. in Königsberg Student, hörte juristische und cameralistische Vorlesungen, auchPhilosophie bei Kant, und opferte daneben, wie einstimmige Nachrichten behaup-ten, den Grazien des Epikur mit entschiedener Vorliebe. Von einer vorherrschen-den religiösen Richtung blickte während s. Universitätslebens keine Spur durch;näher stand er der damal. Modeaufklärerei. Nach der ersten Ausflucht von Kö-nigsberg nach Dresden trat er 1733 als Kammersecretair in den preuß. SnmtS-dienst und bekleidete diese «teile an mehren Orten, am längsten in Warschau .1799 verbeirarhete er sich daselbst zum zweiten Male, nachdem s. erst,' Ehe au:« un-bekannten Gründen aufgelöst worden war, und ging bald darauf durch abermaligeTrennung, nicht ohne große Einbuße von s. Seite, eine dritte Verbindung mit einerliebenswürdigen Polin ein, die ebenso wenig deutsch als er polnisch verstand. DasLeben in Warschau war zu jener Zeit zwanglos, heiter und an mannigfaltigen Ge-nüssen ergiebig; besonders pflogen die Deutschen unter einander eine innige Gesel-