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Zwölfter Band. W bis Z.
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Werner (Friedrich Ludwig Zacharias )

in Podolien bei der Familie des Grafen Cholonievski, durch dessen Einfluß erEhrendomherr von Kaminiek wurde. Auch hatte er das Glück, daß ihm die Frei-gebigkeit des GroßherzogS von Sachsen -Weimar den Verlust der Pension ersetzte,die er früher dem Fürsten Primas verdankte. Obgleich er mit großer Feierlichkeitin den wiederhergestellten Redemptoristenorden in Wien getreten war, verließ er ihnhöchst inconsequent zum Erstaunen des Publicums bald darauf wieder, aus Gründen,die allerdings nicht ganz auf ihm allein lasten mögen. Mit bewunderungswürdigerGeisteskraft predigte er bis kurz vor seinem Ende, obschon er seit längerer Zeit aneinem heftigen Brustübel litt. Der Tod beschlich ihn sanft und unvermerkt d. 18.Jan. 1823. Wie er ihm während der letzten Tage mit christlicher Fassung und einemstandhaften Humor entgegengesehen hatte, so zeigte auch noch das Antlitz desEntschlafenen eine feste Entschiedenheit. Zu EnzerStorf am Gebirge in der NäheWiens ist er, seinem Wunsche gemäß, begraben worden. Diese biographischenNachrichten sind theils aus dem von Hitzig herauSgegeb. Lebensabriß W.'S, theilsaus einem von ihm selbst geschriebenen Art. im Felder-Waitzencgger'schen Wörter-buche gezogen. Alle Sonderbarkeiten einer demüthig anmaßenden und im Grundezerrissenen Natur offenbart s. Testament, das auch gedruckt worden ist. Sehrinteressante Aufschlüsse über s. Eharacter findet nian auch in den „Blättern fürlikerarische Unterhaltung" (1827, Nr. I und 2). — Unter s. dramatischen Wer-ken glänzen besonders die „Söhne des Thales" hervor durch kühne Anlage, glück-liche Eharakterzeichnung, Größe des Sinnes, ausgezeichnete Sprache, nament-lich im 1. Thl. „Das Kreuz an der Ostsee", „Die Weihe der Kraft", „Attüa,--König der Hunnen", „Wanda, Königin der Sarmaten" verriethen bei vieleneinzelnen Schönheiten, eine wachsende mystische Tendenz, die theils ihren Grundhaben mag in dem hervortretenden Mißverhältniß der schaffenden Seelcnkräfte,theils in der ausschweifenden Eitelkeit des Vers, die mit s. chaotischen Geistesrich-tung zusammenfloß, und ihn häufig zum Abenteuerlichen, Excentrischer., Ver-kehrten und Abgeschmackten hinriß. Ein tragischer Silberblick seiner leidenschaft-lich aufgeregten Natur, ein Nachtsiück im eigentlichsten Sinne, ist dagegen der„Vierundzwanzigste Februar", weit hervorragend über die Fluth der spätern Nach-ahmungen durch erschütternde Originalität, rief eindringende Blicke ins menschli-che Herz, kunstreiche Zusammendrängung und seltene Gewa't der Sprache. Dienachfolgenden neuern Schicksalstragödien haben aus diesem merkwürdigen Gedichtihre Nahrung gesogen. Die sich imitier mehr absondernde Eigenthümlichkeit seinerträumerischen, ungeregelten Phantasie bricht vorzüglich in der Tragödie „Kune-gunde" hindurch, obwol auch nicht selten Funken des Genies aufsprühen. Seinletztes Trauerspiel: „Die Mutter der Makkabäer" (Wien 1820), weist im Ein-zelnen große Schönheiten auf, verdunkelt diese aber auf die verwerflichste Weifedurch renommistische Rohheit der Sprache und einen plumpen, durchaus unheiligenHumor. Den geringsten Werth haben s. geistlichen Lieder, als Geburten derOhnmacht, gerade da, wo sie ten Ton der Kraft angeben wollen. Ungeachtet dergerügten Mängel verdient er den Namen eines Dichters. Seine glänzendste Eigen-thümlichkeit liegt, wenn wir die frühere Periode hauptsächlich berücksichtigen, in derHähern Geistigkeit eines unaufhaltsamen LtrebenS, in der oft überraschendenKraft der Eharakterzeichnung, in dem unwiderstehlichen Reize einzelner Situa-tionen und in dem reichen O.uell einer frischen, starken, mitunter sehr originellenDarstellung. Als Kanzelredner zeigte er sich sehr ungleich, doch wird ihm keingültiger Richter eine hinreißende Popularität, blitzähnliche Wirksamkeit, erfinderi-sche Auslegungskunst und gründlichen Ernst absprechen können. E>ein äußerer Ver-trag stand mit s. geistigen Persönlichkeit in natürlichem Einklänge und hatte insoferninteressante Wahrheit. Die vielen über ihn ausgestreuten Märchen und Lügen nö-thigen das wahrheitsliebende Publicum zum Mißtrauen. Seine Glaubenöänderunz,Conversqiioiisssexicvn. Bd. XII. 11